KIRCHE DER MITTE

Juli 15, 2020

Kirchenzeitung der Anglikanischen Kirche in Deutschland (AKD)  Ausgabe Nr. 9 – St- Johannis

Nachrichten aus der anglikanischen Welt

Tagesgebet zum Johannistag

Allmächtiger Gott. Durch Deine Vorsehung wurde Dein Knecht Johannes der Täufer – von Wundern begleitet – geboren und dazu gesandt, den Weg Deines Sohnes durch die Predigt der Buße zu bereiten. Lass uns seiner Lehre und seinem geheiligten Leben folgen, so dass wir wahrhaftig Buße tun, wie er gepredigt hat, und nach seinem Beispiel immerzu die Wahrheit sprechen, Böses mutig beim Namen nennen und um der Wahrheit willen auch geduldig leiden. Durch Deinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn.  Amen.

Zum St. Johannes-Tag

Das ist das Zeugnis Johannes des Täufers: Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen. (Ev. ST. Johannes 3,30)

Das gerade dieses Wort genau ein halbes Jahr vor dem Weihnachtsfest uns gegeben ist, erinnert mich daran, dass dieser Vers vom Lieblingsjünger des Herrn auch für uns ein rechtes Lebensmotto ist. Gerade die hinter uns liegenden Wochen haben uns vor Augen geführt, wie klein und hilflos wir sind.  Corona.  Jeden Tag gab es neue Regelungen, die doch alle nur unser Wohlergehen wollten. Hören wir doch einmal auf die Worte seiner Mutter anlässlich des Fests seiner Namensnennung.  Jeder der Anwesenden hatte damit gerechnet, dass der Neugeborene nach seinem Vater benannt würde, also Zacharias (‚Jahwe gedenkt‘).  Bis dann Elisabeth sich zu Wort meldete. „Nicht Zacharias soll er heißen, sondern Johannes (‚Jahwe ist gnädig gewesen‘).“  So wird Johannes zu einem Wegbereiter der Gnade Gottes. In allen Höhen und Tiefen seines Seins.  Ihm wird es durch Gottes Ratschluss zuteil, dass er bei der Taufe des Herrn die Stimme vom Himmel höre: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Aber wie auch beim Herrn so ist auch der Weg des Johannes gezeichnet von Gewalt und menschlicher Willkür, bis ins Gefängnis, wo er schließlich enthauptet wurde. Und da schließt sich der Kreis der Gnade, Johannes der Täufer wird seitdem als Märtyrer verehrt. In einem kleinen lutherischen Kloster in Schleswig-Holstein gibt es noch eine hölzernere Abbildung des Kopfes von Johannes, den alle Konventualinnen bei ihrem Eintritt voller Ehrfurcht küssen. „Er muss wachsen, ich muss abnehmen“, dieses bekommt hier eine besondere Vertiefung des Glaubens. Und Jesus wächst immer mehr.  Gerade dann, wenn wir sein Wort hören und bedenken und uns vom Evangelium anrühren lassen.

Es grüßt und segnet Euch

Euer Pastor Hajo Sievers


Nachruf auf Rev. Canon William Jerdan

William S. Jerdan, 75 Jahre, wohnhaft in Warrenville, IL, starb am 27. Juni 2020. Er wurde am 24. November 1944 in Philadelphia, Pennsylvania, geboren. Die Eltern waren William HS & Eleanor Jerdan.

Bill war bis ins Innerste hinein ein Pastor, und dies drückte sich in allem aus, was er war und tat. Er begann als Teenager in der Reformierten Bischofskirche in South Carolina zu lehren und zu predigen. Er erwarb sich einen BA in Bibelkenntnis am Wheaton College (IL) und einen M. Div. vom Reformierten Episkopal Seminar in Philadelphia (PA). Nach der Ordination diente er zuerst als Pfarrer in der St. Lukes Kirche (REC) in Philadelphia. Im College fühlte er sich bereits berufen, der Kirche in Übersee zu dienen Als Reaktion auf diese Berufung zogen er und Diane 1972 nach Frankreich, wo sie mit der Eglise Reformée Evangélique 37 Jahre dienten. Während dieser Zeit arbeiteten sie in Pfarreien in den Städten Massy, Berre-Marignane, Montpellier und St. Martin de Londres. 

Nach ihrer Rückkehr in die USA wurde Bill 2009 zum Executive Sekretär des Reformed Episcopal Board of Foreign Mission ernannt. In dieser Rolle erstreckte sich seine Seelsorge und sein Anliegen auf Kirchen in Deutschland und Kroatien innerhalb Europas, Kambodschas in Südostasien und Nepal in Südasien. Er versuchte die Kommunikation zwischen Kirchen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen zu erleichtern. Zur gleichen Zeit war er und Diane an zahlreichen Lehreinsätzen im französischsprachigen Afrika für Pastoren beteiligt, die Gemeindegründungen in Senegal, Togo und Elfenbeinküste durchführten. Er freute sich auf einen neuen Einsatz bei diesen Missionen, als seine Diagnose festgestellt wurde. Bills pastorales Herz wollte vor allem, dass Gottes Leute gut ausgerüstet und gestärkt sind, um Gottes Werk effektiv zu machen. Seine Weisheit und sein sanfter Geist war auf das Ziel ausgerichtet, dass andere effektiv dienen sollten. Er war ein fürsorglicher Hirte, der immer und vor allem die Ehre des Großen Hirten der Schafe suchte.

Nach 52jähriger Ehe überlebte ihn seine Frau Diane, seine Kinder Stephanie (Gabriel) Weckesser, Daniel (Dulcia) Jerdan, Benjamin (Sarah) Jerdan und Jonathan (Sara) Jerdan; und seine 14 Enkelkinder. Weiter leben noch seine Geschwister Bruce Jerdan, Barry (Nancy) Jerdan, Brian (Kathleen) Jerdan, Robert (Rhonda) Jerdan und Bonnie (Frank) Sayles. Seinem Tod bereits vorangegangen war sein Enkel Josiah Weckesser. Aufgrund der anhaltenden Weltgesundheitskrise wird zu einem späteren Zeitpunkt ein Gedenkgottesdienst abgehalten.


Ansprache von Erzbischof Foley Beach an den Provinzrat zum Thema Rassismus am 23. Juni 2020

Erzbischof Dr. Foley Beach – Anglikanische Kirche in Nordamerika

Die letzten Monate waren nicht nur eine Pandemie, sondern auch ein Pandämonium (Chaos/Hölle). Wir haben das Böse beobachtet bei Mitchristen und einigen Polizisten in den letzten Wochen. Wir haben Trauerschreie gehört, in unserer eigenen Nachbarschaft und aus der ganzen Welt. Und die Schreie sind lauter geworden. Wir sahen, wie friedliche Proteste von Chaos und Gewalt übernommen wurden, wodurch unzählige Geschäfte und Wohnungen zerstört wurden. Verletzt wurden nicht nur Unbeteiligte, sondern auch über 800 Polizisten, von denen einige ebenfalls getötet wurden. Wir haben noch einen langen Weg zu gehen.

In den USA haben wir uns seit unseren Gründungstagen bemüht, die Auswirkungen des systemischen Rassismus zu überwinden, und wir wussten, dass eine Änderung der Gesetze niemals ausreichen würde. Siege für Bürgerrechte und für die Aufhebung unserer Rassentrennung an Schulen würden niemals ausreichen. Sie sehen, wir haben nicht nur ein Hautproblem, wir haben ein Sündenproblem. Wie Dr. Tony Evans von der Oak Cliff Bible Church in Dallas, Texas, kürzlich sagte: „Die evangelische Kirche muss sich zu Wort melden, wo sie über Ungerechtigkeit und Rassismus geschwiegen hat. Das größte Problem in der heutigen Kultur ist das Scheitern der Kirche. Wir hätten nicht einmal eine Rassenkrise in Amerika, wenn die Kirche es nicht konsequent versäumt hätte, Rassismus als die schwere Sünde, die er ist. Aber weil die Kirche ihn historisch ignoriert und heruntergespielt hat, ist das Problem immer noch existent. Wo die Kirche berufen ist, ein Beispiel zu geben, haben wir uns zusammengekauert.“

Wir haben es versäumt, das Problem der Sünde in unseren Herzen, Häusern, Kirchen, und Nationen vollständig und gründlich und tiefgreifend anzusprechen. Und als Kirche Jesu Christi, jetzt auch mit der sich schnell verändernden ethnischen Vielfalt Nordamerikas, zehren die systemischen Sünden von gestern immer noch an uns. Dies ist nicht nur ein Schwarz/Weiß-Problem. Fragen Sie unsere asiatischen Brüder und Schwestern. Fragen Sie unsere lateinamerikanischen Brüder und Schwestern. Fragen Sie unsere indianischen Brüder und Schwestern. Fragen Sie diejenigen, die der Herr aus anderen Nationen herbeigeführt hat. Die Bibel macht unmissverständlich deutlich, dass wir alle nach dem Bilde Gottes geschaffen worden sind. Genesis 1:27: Und Gott die Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er; und schuf sie als Mann und Frau.

Wir alle tragen das Bild von Gott dem Vater, Gott dem Sohn und Gott dem Heiligen Geist. Jedwede Feindseligkeit zwischen Brüdern und Schwestern in Christus, besonders wegen der Hautfarbe, ist ein Affront gegen Gott und beschädigt unsere Seelen sowie die ‚gesegnete Gemeinschaft‘, die so viele von uns suchen. Das sollte uns verärgern! Aus der Schrift geht klar hervor, dass dies das Ziel der Menschheit ist, dass wir aus jedem Stamm, jeder Sprache, jedem Volk und jeder Nation eine große, schöne Familie sein werden (Offb. 7). So wird die Ewigkeit mit Gott und seinem Volk sein. Es ist nicht nur ein schönes Gefühl, sondern eine Realität der Kirche, die bereits existiert. Beten wir nicht im Vaterunser „Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden“? Es gibt heute weltweit rund 2,5 Milliarden Männer, Frauen und Kinder, sie sich mit der Person Christi identifizieren. Und sie kommen aus fast jedem Stamm, jeder Sprache, jedem Volk und jeder Nation. Gemeinsam mit ihnen sind wir, wie der Apostel Paulus schreibt, „nicht mehr Fremde und ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes (Eph. 2,19).

Während dies für die Kirche normal sein sollte, ist es nicht normal. Wir haben in unseren Nationen noch viel zu tun, aber noch mehr als Kirche, unsere Herzen zu erforschen, um zu sehen, ob es einen verletzenden Zug in uns gibt. Ich weiß, dass sich der Geist Gottes während der Ost-Afrikanischen Erweckung der 1930er Jahre auf einen weißen und einen schwarzen Mann ergoss. Sie bereuten ihre Sünden. Sie suchten Gott. Sie beteten und sie fasteten. Und dann brach der Heilige Geist auf mächtige Weise aus. Unsere GAFCON-Bewegung und die Anglikanische Kirche in Nordamerika wurden fast 90 Jahre lang tiefgreifend durch diese Erweckung geprägt und beeinflusst. Während dieser Zeit der Erweckung, so wurde mir gesagt, was die Menschen in den Kirchen und in den Städten bemerkten, gingen weiße und schwarze Missionare zusammen, predigten zusammen, beteten zusammen und feierten zusammen Gottesdienst. Und Gott der Vater schüttete eine Erweckung der Buße aus, die heute noch wirkt. Es ist eindeutig: „sie werden uns Christen an unserer Liebe erkennen.“ Wie Jesus gesagt hat: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt“ (Joh. 13,35).

Als Dr. Martin Luther King Jr. (und sein Vater) uns so furchtlos zu dieser Art von Liebe in gewaltfreien Handlungen aufriefen, wurden die Leute aufmerksam, sie reagierten, und es kam zu Veränderungen. Das passiert heute noch – Leute werden aufmerksam, Leute ändern sich, Leute bekehren sich – durch diese mutige und selbstlose Liebe Gottes in Aktion. Bischof NT Wright schrieb über diese Agape-Liebe: „Liebe bestätigt die Realität der anderen Person, der anderen Kultur, der anderen Lebensweise; Liebe macht sich die Mühe, die andere Person oder Kultur kennenzulernen und herauszufinden, wie er, sie oder es tickt, was sie ausmacht; und schlussendlich will die Liebe das Beste für diese Person oder Kultur.“

Rassismus wurde von Anfang an praktiziert. Und er ist in unserer Zeit noch nicht am Ende. Und leider wird er auch noch nicht am Ende sein, wenn Sie und ich verschwunden sind. Weil er in seiner Wurzel ein Sündenproblem ist. Wir brauchen Gott, um unsere Herzen als Kirche zu zerreißen. Wir brauchen die Menschen der Anglikanischen Kirche in Nordamerika, um die Art von Zärtlichkeit und Mitgefühl zu zeigen, die in dieser Zeit gebraucht werden. Wir brauchen hörende Ohren. Wir brauchen Nachdenklichkeit. Wir brauchen die Predigt. Wir brauchen Demut. Wir brauchen Gnade. Wir müssen darauf hinwirken, dass die Anglikanische Kirche in Nordamerika so aussieht wie „Dein Reich im Himmel wie auf Erden.“

Vor einigen Jahren konnte das Bischofskollegium Dr. Albert Thompson von der Mittelatlantik-Diözese sprechen hören über die Geschichte unseres anglikanischen Erbes und das Versagen im Bereich Rassismus, die vielen Ungerechtigkeiten sowie einige der Fortschritte, die wir im Laufe der Jahre erzielt haben. Letztes Jahr in Plano zu unserem 10-jährigen Jubiläum haben wir Rev. Anthony Thompson von der Südosten-Diözese gehört. Seine geliebte Frau wurde zusammen mit acht weiteren Menschen von einem hasserfüllten und vor Rassismus schäumendem Mann erschossen, während sie in der Mutter-Emmanuel-Kirche in Charleston eine Bibelstunde abhielten. Anthony erzählte uns von der Macht des Evangeliums Jesu und wie diese es ihm möglich machte, dem Mann zu vergeben, der seine Frau ermordet hat. Trotz dieses Bösen sahen wir in der Stadt Charleston Brüder und Schwestern wie Anthony, die mit der Liebe Jesu und der unglaublichen Kraft der Vergebung reagierten.

Wir müssen unsere Herzen erforschen und sicherstellen, dass wir als anglikanische Kirche im Norden keinen beleidigenden Zug in uns tragen. Alle Worte über geistliche Erneuerung und Wiederbelebung in der Bibel richten sich nicht an die nichtchristliche Kultur, sondern an das Volk Gottes. Wir müssen in uns selbst schauen. Und es beginnt bei mir. Was der Herr mir über mich selbst in den letzten Wochen gezeigt hat, ist Folgendes: Ich habe die unglaubliche Belastung und den Schmerz nicht verstanden, mit denen viele meiner schwarzen Brüder und Schwestern jeden Tag leben. Ich habe nicht mit denen geweint, die weinen. Und ich habe die Tiefe der Auswirkungen von Rassismus und Ungerechtigkeit nicht verstanden. Ich habe die Belastung eines Lebens nicht verstanden, das geprägt ist von rassistischen Handlungen, Beleidigungen und Systemen, die sie jeden Tag ertragen müssen, noch habe ich die Angst verstanden, mit der sie ständig leben, Angst um sich und ihre Familien. Es reicht nicht aus, kein Rassist zu sein. Wir dürfen nicht blind sein für die Sünde des Rassismus und sie in unserer Mitte ignorieren.

Austin Channing Brown schreibt in „I’m Still Here“ über eine weiße Studentin, die nach dem Besuch eines Museums für Lynchjustiz zu ihren Klassenkameraden sagte: „Ich weiß nicht, was ich mit dem, was ich gelernt habe, anfangen soll. Ich kann euren Schmerz nicht heilen und ich kann ihn nicht wegnehmen, aber ich kann ihn sehen. Und ich kann für den Rest meines Lebens daran arbeiten, dass eure Kinder nicht den Schmerz des Rassismus erleben müssen.“ Brown schreibt weiter: „Und dann hat sie neun Worte gesagt, die ich nie mehr vergessen habe: ‚Nichts zu tun ist für mich keine Option mehr.‘“

Fühlt sich einer von euch so? Ich schon. Wie kann ich die Last eines anderen tragen (Gal 6,2), wenn ich nicht verstehe, was sie ist? Wie kann ich mich mit denen freuen, die sich freuen, und mit denen weinen, die weinen, wenn ich mich nicht in Beziehung setze? (Röm. 12,15). Ich höre heutzutage viel zu. Ich erlebe mich sehr traurig. Ich erlebe mich wütend. Ich erlebe, wie ich mich danach sehne, dass „all die traurigen Dinge unwahr werden“. Und doch weiß ich, dass nichts davon eine Überraschung für unseren Herrn ist und dass ich auf ihn vertrauen kann.

Brüder und Schwestern in Christus, ich unterstütze in keiner Weise jene Bewegungen, die nach Anarchie rufen, nach Zerstörung der Familie und der Auflösung unserer Regierung. Unsere Regierungsform hat mehr Freiheit, Gerechtigkeit und Befreiung gebracht als JEDE andere. Wir können jedoch den Schmerz unserer Brüder und Schwestern nicht ignorieren. Es wird nicht durch politische Parteien, Kundgebungen, Parolen oder Märsche geschehen, dass unsere Einstellungen und Praktiken geändert werden, dass die Seelen unserer Nationen bekehrt werden. Sie können einen gewissen Effekt haben, aber die tiefe Veränderung, die wir alle brauchen, wird durch Erweckung geschehen, die aus der Umkehr entsteht – indem wir uns von unserer Sünde abwenden und uns Gott und seine gerechten Wegen in Jesus Christus zuwenden.

Ihr könnt genau dort beginnen, wo Ihr seid. In eurem eigenen Herzen, in eurer eigenen Beziehung zu Gott – der erste Schritt. Dann in eurer eigenen Gemeinde – jeweils mit einer Person. Eine Beziehung nach der anderen. Eine Handlung nach der anderen. Die Hand ausstrecken und eine Beziehung aufbauen mit jemandem, der anders ist als Sie. Ein Regentropfen scheint nicht viel zu sein, aber gemeinsam mit anderen Regentropfen kann er eine heilende Flut erzeugen.

Lassen Sie mich Ihnen von C.J. Pearson erzählen. Er ist ein 17-jähriger schwarzer Teenager in Atlanta. Er entschied, dass er etwas bewirken wolle, um schwarzen Geschäftsinhabern zu helfen, deren Geschäfte von Randalierern und Plünderern beschädigt oder zerstört wurden. Er sagte: „Ich habe so viele Videos von Amerika in Flammen gesehen, jede einzelne Nacht, und es hat mir das Herz gebrochen. Aber es hat mir auch das Herz gebrochen zu sehen, dass schwarze Geschäftsleute litten, während Leute ‚Black Lives Matter‘ riefen.“ Also setzte er es sich zum Ziel, 30.000 US-Dollar zu sammeln, um geschädigten schwarzen Unternehmen zu helfen. Innerhalb weniger Tage hatte er 160.000 Dollar gesammelt. C.J. sagte: „Ich muss Ihnen sagen, ein Wendy-Restaurant oder irgendeine sonstige Einrichtung niederzubrennen hilft meinem schwarzen Leben nicht weiter. Ich wollte zeigen, dass Konservative zusammenkommen können und dass wir farbigen Menschen tatsächlich helfen können. Wir sagen nicht nur ‚Black Lives Matter‘, sondern zeigen, dass sie von Bedeutung sind. Wir reden nicht nur heiße Luft, sondern untermauern unsere Worte mit Taten und Ergebnissen.“

17 Jahre alt!

Als Kirche können wir dieses Thema diskutieren und reden und reden und reden. Und wir werden es tun. Die Akademiker, die Theologen, die Blogger und sogar unsere eigene Arbeitsgruppe, aber wie heißt es so schön: „Worte sind Schall und Rauch.“ Was werden wir TUN? Was möchte der Herr, dass wir TUN? Es gibt jemanden in eurer persönlichen Welt in diesem Moment, mit dem Ihr eine Beziehung aufbauen könnt, den Ihr kennenlernen könnt, dem Ihr helfen und im Namen Jesu dienen könnt. Lasst uns das tun. Eine Person nach der anderen.

Vor einigen Jahren begannen schwarze, weiße und hispanische Pastoren hier in der Gegend von Atlanta eine Bewegung für Rassenversöhnung, die wir OneRace nannten. Wir hatten erkannt, dass Kirchen gleich die Straße runter voneinander sein können, und trotzdem kennen sich die Pastoren nicht nur nicht, sondern kennen nicht einmal die Namen der anderen. Wir haben beschlossen, dass es nicht ausreicht, nur den Pastor zu kennen, sondern auch die Familien des anderen, und nicht nur Brüder in Christus zu werden, sondern Freunde. Dies führte zu einem Ereignis im Jahr 2018, als 400 Pastoren einen Marsch von Tausenden von Menschen anführten, um auf die Spitze des Stone Mountain außerhalb von Atlanta zu steigen. Wenn Sie etwas über Stone Mountain wissen, dann, dass hier das erste KKK-Kreuz als Symbol des Hasses gegen Juden und Schwarze verbrannt wurde. Wir kletterten nach oben, weiße, schwarze, braune Männer und Frauen. Wir haben gesungen und geweint und Buße getan. Wir klagten über die Geschichte, die den Tod und die Zerstörung unserer Familien, unserer Brüder und Schwestern in Christus bedeutete.

Und wir erhoben ein neues Kreuz und beteten gegen die Geister des Bösen und des Hasses, die an jenem Tag freigelassen wurden. Wir baten Gott, den Rassismus in unserer Stadt und in unseren Gemeinden zu beenden und geistliche Erneuerung herbeizuführen. Wir sahen ein Bild bestehend aus jedem Stamm, jedem Volk, jeder Nation. Wir haben die Dinge so gesehen, wie sie sein sollten und nicht so, wie sie waren. Und ich muss sagen, was wir gemeinsam sahen: ein Volk, ein Körper, eine Familie, eine Rasse – alle in Jesus Christus – war nichts geringeres als ein Wunder. Ich bete, dass es so in der Anglikanischen Kirche in Nordamerika sein wird. Lasst uns dafür miteinander beten und lasst uns draußen in unseren örtlichen Gemeinschaften etwas bewirken. Gott hat Euch und mich hierher gestellt für eine Zeit wie diese.

Mit tiefer Dankbarkeit und heiliger Verantwortung dürfen Allison und ich Euch dienen. In diesen Zeiten der Angst, des Schmerzes, des Kummers, der Unsicherheit und der Unruhe erinnern wir uns, dass wir einem Gott der Güte und Gunst gegenüber uns allen in Jesus Christus dienen. Seine erstaunliche Gnade ist im Überfluss vorhanden.

Seine unverdiente Gunst gilt allen, die im Glauben zu ihm gekommen sind. Er liebt Euch und mich mit seiner unerschöpflichen und unerschütterlichen Liebe. Er hat unsere Sünden so weit von uns entfernt, wie es der Osten vom Westen ist (Ps. 103,12). Wie der Prophet Jesaja sagte: „Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Purpur, soll sie doch wie Wolle werden“ (Jes. 1,18). Aufgrund seiner Vergebung und seines Heiligen Geistes wissen wir, dass „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind“ (Röm 8,28). Deshalb verlieren wir nicht den Mut. Wir verzichten nicht auf unseren Glauben. Wir werden keine Angst haben. Sondern lasst uns unsere Augen auf Ihn richten, der der Herr der Herren ist und der König der Könige, unser Herr Jesus Christus! In Ihm ist unsere HOFFNUNG!

Der Herr segne dich und behüte dich, lasse sein Gesicht leuchten über dir und gib dir seinen Frieden. Im Namen Gottes des Vates, Gott des Sohnes und Gott des Heiligen Geistes. Amen.


Aktuelles aus St Julian’s

(Anglikanische Gemeinde Rhein-Neckar)

In diesem Jahr hatten wir keine Gemeindefahrt geplant und das war dann angesichts der Coronakrise ja auch ganz passend. Im nächsten Jahr gehen wir allerdings wieder auf Tour, wobei unser Ziel auf der nördlichen Seite des Riesengebirges in Polen liegt. Denn unsere Fahrt 2021 führt ins „Tal der Schlösser“, südlich von Hirschberg/Jelenia Gora, wo wir ein paar Tage bleiben werden, um uns die Gegend anzuschauen und vielleicht auch ein wenig die Kur-Atmosphäre zu genießen. Auf der Hinfahrt nach Polen werden wir Zwischenstation in Erfurt einlegen, zurück in die Pfalz geht es über Prag, die „goldene Stadt“. In den nächsten Monaten folgen nähere Informationen, die auf unserer Homepage www.anglikanisch.org/auf -tour/ veröffentlicht werden. Aber natürlich stehe ich gern auch telefonisch oder per E-Mail für Rückfragen bereit.

Eine Erfahrung, die St Julian’s mit allen anglikanischen Gemeinden in Deutschland teilt, besteht darin, dass die Mitglieder der Gemeinde und des Trägervereins, ganz zu schweigen von den zahlreichen Freunden, die uns unterstützen, doch ziemlich weit über die Region verstreut leben. Um die Verbindungen zu halten, nutzen wir u.a. soziale Medien sowie unseren Gemeindebrief „Die Haselnuss“, der zwei Mal pro Jahr erscheint.

Darüber hinaus möchten wir ab diesem Sommer allen, die mit uns über Gottesdienste, Fahrten und andere Veranstaltungen in Kontakt treten, einen kleinen Geburtstagsgruß zukommen lassen und hoffen, dass wir Ihnen damit eine Freude bereiten.

Weitere Infos über St Julian‘s, unsere Gottesdienste und Veranstaltungen unter www.anglikanisch.org oder auf Facebook.

Joachim Feldes


Aktuelles vom Sankt-Benedikt-Seminar

Pfr. Dr. Winfried Küttner

Dass sich unser Seminar in den letzten Jahren so stabil entwickelt hat, ist insbesondere unserem Kollegen Winfried Küttner zu verdanken, der Ende des vergangenen Jahres seine Arbeit als unser Studiendekan beendet hat. Bei seiner Verabschiedung im Wintersemester 2019/20 hat Bischof Gerhard die zahlreichen Verdienste von Winfried herausgestellt, und wir dürfen ihm wirklich außerordentlich dankbar sein, denn ohne seinen tatkräftigen und zuverlässigen Einsatz wäre das Seminar niemals über ein theoretisches Konzept hinausgekommen.

Auch die internationale Vernetzung des Sankt-Benedikt-Seminars verdankt sich entscheidend Winfrieds Engagement. Es hat sich ein guter Austausch mit dem anglikanischen Seminar im kroatischen Osijek und anderen Seminaren der REC in den Vereinigten Staaten entwickelt.

Seit Anfang dieses Jahres steht das Sankt-Benedikt-Seminar zudem mit Institutionen der theologischen Aus- und Weiterbildung innerhalb der Anglican Communion in Verbindung. Seinen Anfang nahm diese Entwicklung im Frühsommer 2019, als ich bei einer ekklesiologischen Tagung in der Benediktinerabtei Mirfield (zwischen Manchester und Leeds) mit Stephen Spencer zusammentraf, dem Director of Theological Education in the Anglican Communion (TEAC), also quasi dem Bildungsminister von Erzbischof Justin. Diesen ersten Austausch konnte ich Anfang 2020 bei einem Treffen im Anglican Communion Office in London fortsetzen, wobei dieses Mal Jolyon Trickey mein Gesprächspartner war. Jolyon koordiniert bei TEAC das Programm „Education for Discipleship“, das sich als explizit missionarisch versteht und deshalb für uns als missionarisch geprägte Kirche von besonderem Interesse ist. Seit meinem Treffen im Januar steht unser Dozententeam im Kontakt mit dem Team von TEAC und in diesem Zusammenhang auch mit John Kafwanka, einem Kollegen aus Sambia, dem Mission Director der Anglican Communion.

In diesem Jahr hat das Dozententeam noch einmal sachkundige Verstärkung bekommen und freut sich, jetzt einen ausgewiesenen Alttestamentler in seinen Reihen zu haben. Dr. Martin Nitsche hat an der Goethe-Universität Frankfurt/Main die Dozentur für Altes Testament und christlich-jüdische Schrifthermeneutik inne. Seit dem Sommersemester 2020 übernimmt er die Vorlesungen zur Einleitung in das AT sowie für alttestamentliche Exegese. Willkommen am Sankt-Benedikt-Seminar!

Weitere Informationen über das Seminar, unser Team, unser Curriculum und Veranstaltungen auf www.benediktseminar.org.

Joachim Feldes

St. Johannis – Gedenktag

Juni 24, 2020

Tagesspruch

„Dies ist das Zeugnis Johannes des Täufers: Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh 3,30)


Schriftteil

Lesungen nachfolgend anklicken und im Internet lesen:


Homilie /Anstöße zu den Lesungen

AT– Maleachi 3,1-7b+23-24 – Das Altes Testament endet mit Hinweis auf Johannes und seinen Dienst

Maleachi schenkt uns einen Blick auf den Vorläufer – Boten – von Jesus Christus, auf den Täufer Johannes, der einen ähnlichen Dienst tun soll.

St. Johannes Ausschnitt aus: Isenheimer Altar – wikipedia

Zu Maleachis Zeit macht das Volk Gott müde, indem es an der Gerechtigkeit Gottes nörgelt und zweifelt. Die Sünden des Volkes (V 5) werden vorgebracht. Es handelt sich um unmoralische und gewalttätigen Leute, denen es auch noch gut geht. Doch der Prophet dreht den Spieß um und sagt zu diesen Nörglern: Kümmert euch nicht um die Unfrommen und Gesetzlosen im Volk Gottes, sondern greift Euch selbst an die Nase. Ihr seid selbst Betrüger, denn ihr liefert nicht den nach dem Gesetz vorgeschriebenen Unterhalt für die Priester ab, wie es (5Mo/Deut14,22ff und 3Mo/Lev27,30) im Gesetz vorgeschrieben ist. Wenn ihr aber eure Hingabe damit bezeugt, dass ihr selbst den Zehnten voll ins Gotteshaus bringt, werde ich die Fülle des Segens auf euch gießen. Dann wird nicht alles wie bisher unter euren Händen zerrinnen und nichts übrigbleibt.

Maleachi spricht zu den vermeintlichen Frommen, weil sie immer noch wie Jakob listige Betrügersöhne sind. Er aber, der gerechte und treue Gott, hat alles unter seiner Kontrolle und wird seinen Heilsplan vollenden. So endet in V3,23-24 das Alte Testament nicht mit einer euphorischen Wohlfühlbotschaft, sondern mit dem Hinweis auf den Propheten Elia zusammen mit Mose (V. 22). Beide sind Zeugen des Gesetzes, Mose als Gesetzgeber, Elia als der furchtlose Prophet, der den Baalspriestern ein Ende macht und das Volk wieder zurück zum Willen Gottes führt.


NT – Lukas 1, 57-80 -– Johannes ein brennend Licht, das auf Jesus hinweist.

Die Fortführung der alttestamentlichen Prophezeiung beginnt damit, dass uns eine vorbildliche Priesterfamilie vorgestellt wird, die„untadelig in allen Geboten und Satzungen des Herrn lebte“ (Lu1,7). In diese Familie hinein wird nun Johannes geboren, der auch noch Cousin unseres Herrn wird. Ganz natürlich folgen die Eltern nach seiner Geburt dem Gesetz. Johannes wird am 8. Tag beschnitten und dann erzogen von Kindheit an nach dem Gesetz Gottes. Was wird aus solch einem Kind, wenn unter diesen Bedingungen erzogen wird, geschehen? Die Hand des Herrn wird mit ihm sein!

Zuerst wird uns das Danklied des Zacharias vorgestellt V69-75, dann der prophetische Glückwunsch in V 76-79. (Kammerchor singt)

Dieses Danklied wird uns in der lateinischen Bibel als Benediktus, der Lobgesang des Zacharias, vorgestellt. Dieses Lied soll bestätigen, dass das Ereignis genau mit der prophetischen Weissagung übereinstimmt (Ps 105; 1Sam 2,1ff). Der prophetische Glückwunsch bringt die Beziehung zu Jesus ins Spiel. Johannes soll durch seine Botschaft den Weg des Herrn und seine Erlösung vorbereiten (Mal 3,1+Jes 40,3). Worin besteht sein zentraler Auftrag? Er soll die Herzen der Menschen vorbereiten, dass sie das Heil (durch Jesus) erkennen. Dies geschieht aber nur durch folgende Vorbedingung, der persönlichen Annahme der Sündenvergebung. Indem Johannes das Gesetz als Spiegel den Menschen vorhält, ihnen ihre Sündhaftigkeit aufzeigt, die dann erkannt und bekannt werden kann, öffnet sich erst der Weg zur Erkenntnis des Heils in Jesus Christus. Jesus greift dann diese Botschaft wieder auf, wenn er auf die Buße als Abkehr vom gottlosen Leben hinweist und den nachfolgenden Generationen diesen Akt als Eingangstür zum Heil vorstellt. „Dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern“ (Lu 24,47). Sündenerkenntnis und Buße / Sinnesänderung sind auch heute noch Voraussetzung für den wahren Glauben an Christus und die Annahme seines Heils (Apg 2,38; 5,31-35). Johannes ist Vorbild für alle nachfolgenden Evangelisten. Er war ein brennendes und strahlendes Licht (Joh 5,35), das in der Dunkelheit auf das Heil in Christus leuchtet.

Benedictus in English mit Gitarre

Tagesgebet zum Johannistag

Allmächtiger Gott. Durch Deine Vorsehung wurde Dein Knecht Johannes der Täufer – von Wundern begleitet – geboren und dazu gesandt, den Weg Deines Sohnes durch die Predigt der Buße zu bereiten. Lass uns seiner Lehre und seinem geheiligten Leben folgen, sodass wir wahrhaftig Buße tun, wie er gepredigt hat, und nach seinem Beispiel immerzu die Wahrheit sprechen, Böses mutig beim Namen nennen und um der Wahrheit willen auch geduldig leiden. Durch Deinen Sohn Jesus Christus, unseren Herrn.  Amen.

An dieser Stelle kann jedes andere Gebet gesprochen werden. Hier können persönliche Gebete folgen, danach folgt der Segen.

FCE + AKD mit gleichen englischen Wurzeln

Juni 17, 2020

Englischer Beitrag

FREE CHURCH OF ENGLAND – HISTORY TILL TODAY

To order: https://fcofe.org.uk/shop/

More about content and Author – (former Secretary ot the Archbishop of Canterbury – Dr.John Fenwick

EVANGELICAL CATHOLICISM


Tue Free Church of England is the oldest ‘continuing’ Anglican Church in the world, pre-dating most of the Provinces of the Anglican Communion. Tue present work traces its origins to the 18th century Evangelical Revival and to 19th century efforts for Christian unity centred on the concept of Evangelical Catholicism, examining previously unexplored links with both George Whitefield and Old Catholicism. Recent developments, including the impact of the GAFCON movement and recognition of FCE Orders by the Church of England, are described and a vision set out. Tuis is essential reading for Anglicans concerned about an orthodox future for their tradition.


ABOUT THE AUTHOR


Tue Right Revd John Fenwick is the Bishop Primus of the Free Church of England. A Zoology graduate, he was ordained in the Church of England in which his ministry included lecturing in Worship and Church History at Trinity College, Bristol, membership of General Synod, working at Lambeth Palace as an ecumenical secretary (with particular responsibility for Eastern Church affairs), and nine years as Rector of a parish in Lancashire. Following the Church of England’s decision to ordain women priests, he served for five years in the Free Church of England parish at Morecambe before being elected and ordained Bishop of the Northern Diocese in 2006. In 2013 he was elected Primus. Tue author of several books on liturgy and church history, Bishop Fenwick is married with three grown up children.

6. Sonntag nach Ostern

Mai 24, 2020

Es fanden mehrer Online Gottesdienst der AKD in Deutsch und Englisch an diesem Sonntag statt. Sie wurden von Pastor Marc Jankowski, Mönchengladbach und Diakon Jared Wenseyel, Frankfurt, geleitet.

Nachfolgend für die Christusgemeinde die Predigt von Prädikant Branislav Tot, Ulm.

AKD – KIRCHENZEITUNG

Dezember 22, 2018

Download Kirchenzeitung –> Ausgabe 5 – Weihnachten ’18

N a c h r i c h t e n 

a u s   d e r 

AKD neu bunt

 anglikanischen

 W e l t

Ausgabe Nr. 5 – We i h n a c h t e n  2 0 1 8


Download klicken –> Ausgabe 5 – Weihnachten ’18

Christmas




O Gott. Du hast diese geweihte Nacht im Glanz des wahren Lichtes erscheinen lassen. Verleihe uns, dass wir dort im Himmel der Freuden jenes Lichtes ganz teilhaftig werden, dessen Geheimnis Du uns schon hier auf Erden offenbart hast. Durch unseren Herrn Jesus Christus, der da ist das wahre Licht, und der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert, jetzt und allezeit und in Ewigkeit.  Amen


Weihnachtliche  Segensgrüße

Predigt am 2. Adventssonntag

(anlässlich PSynode 2018 008astoraltreffen Dekanat Süd-Südwest am 8.12. 2018 in Buchen) von Pastor Gerhard Kirchgeßner

 Römerbrief 15,4-13 (Predigttext):

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Recht oft höre ich die Klage, dass die Christen nicht so sind, wie sie sein sollten. Sie machen keine gute Reklame für ihren Herrn und ihre Kirche. Hinter dieser Klage verbirgt sich oft eine Enttäuschung darüber, wie sich Mitchristen verhalten. Die Enttäuschung ist meistens echt – auch wenn mancher sie zum Vorwand nimmt, sich vom aktiven Gemeindeleben fernzuhalten.

In den Versen der Lesung aus dem Römerbrief betont der Apostel Paulus besonders die „Einmütigkeit“ als wünschenswertes Merkmal einer christlichen Gemeinde. „Gott gebe euch, dass ihr einträchtig – also eines Sinnes – seid“, schreibt er, „damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt! (Röm 15,5-6)“

Sind das fromme Wünsche? Einmütigkeit – ist das überhaupt machbar, auch im überschaubaren Bereich unserer kleinen Kirche? Hat nicht jeder seinen eigenen Kopf? Es gibt doch immer Leute, die sich nicht auf andere einstellen können. Wie soll das funktionieren mit der Einmütigkeit?

Vielleicht sagt sich jemand im Stillen: Das ist doch ganz einfach! Es müssten nur alle so sein und so denken wie ich, dann wären wir eine wunderbar einträchtige und vorbildliche christliche Gemeinde/Gemeinschaft.

Aber, wir sind unterschiedlich in unserem Denken und Handeln; wir bringen verschiedene Prägungen mit.

Paulus meint in seinen Versen eine andere Grundeinstellung, die zur Einmütigkeit führt. Er will uns hier über das christliche Verhalten und seine Grundlage folgendes sagen: Jesus Christus ist mit seiner Liebe und mit seinem Dienst ein Vorbild; nach diesem Vorbild sollen wir einträchtig und einmütig leben. Mit einem solchermaßen „christlichen“ / „Jesus-gemäßen“ Lebenswandel loben wir Gott.

Wir sollten in bestimmten Situationen fragen: Was hätte Christus an meiner statt getan? (Bei christlichen Jugendlichen habe ich schon solche W.W.J.D.- Armbändchen gesehen; W.W.J.D. steht für „What would Jesus do?“) Wie hätte er geliebt? Wie hätte er den anderen angenommen und ihm weitergeholfen?

Die Einmütigkeit der Christen kommt nicht dadurch, dass alle dieselben Regeln auswendig gelernt haben; die Einmütigkeit kommt vielmehr dadurch, dass alle von demselben Herrn erlöst sind, denselben Herrn lieben, von demselben Herrn Liebe lernen und denselben Gott mit ihrem Leben ehren wollen. Durch solch eine Grundhaltung werden wir einmütig.

Auch bei Entscheidungen in Kirche und Gemeinde sollte Einmütigkeit sichtbar werden. Natürlich werden auch da nicht immer alle dieselbe Meinung haben. Aber wenn eine Entscheidung gefallen ist, etwa in einer Bistumssynode, dann sollte doch eigentlich die Minderheit bereit sein, die Ent­scheidung der Mehrheit mitzutragen.

Wir sind als Kirche zwar vordergründig keine Institution mit demokratischem Selbstzweck, wo ausschließlich die Mehrheit immer Recht hätte; wir sind aber auch keine klerikale Diktatur, wo allein der Bischof/der Pastor oder sonst jemand Wichtiges ausnahmslos Recht behält. Unsere bischöflich-synodale Struktur als Anglikaner sorgt da für eine gewisse Ausgewogenheit. Die beiden Pole Bischofsamt und synodales Element können dabei helfen, das Ganze recht gut in der Waage zu halten.

Darüberstehend sollten wir stets so etwas wie eine Art „Christus-Primat“ haben, wo die Kirche mit ihren Ämtern und Gremien unter dem einen Herren sich darum bemüht, zu einmütigen Entscheidungen zu kommen.

Paulus umschreibt das mit der Einmütigkeit in einem treffenden Apell so:„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat! (Röm 15,7)“

In der Gemeinde in Rom gab es Christen mit jüdischer Herkunft und Christen mit heidnischer Herkunft. Die Juden-Christen standen in der Gefahr, sich auf ihr alttestamentliches Erbe etwas einzubilden und auf die Heiden-Christen herabzusehen. Ihnen machte Paulus ganz klar, dass Christus gleichermaßen für Juden und Heiden ein Diener geworden ist, und er belegte das durch eine Schriftstelle des Alten Testaments. Auch sollten die Juden die Heiden nicht verachten wegen ihrer nichtjüdischen Ess- und Lebensgewohnheiten – und umgekehrt.

So soll es auch bei uns in der Anglikanischen Kirche in Deutschland sein: Wie Christus jedermanns Diener wurde, sollen auch wir uns untereinander annehmen und dienen: Alte und Junge, Alteingesessene und Neuhinzugekommene, High- und Low-Churchler, Moderne und Traditionelle, Evangelikale, Anglo-Katholische und Charismatische. – Keiner darf sich für absolut oder unfehlbar setzen. Genauso unpassend sind gleichschaltende Uniformität und haarspalterische Pedanterie.

Einmütigkeit ist daher immer auch ein wenig herausfordernd, denn nicht beim sympathischen und gleichgesinnten Glaubensbruder bewährt sich die Bruderliebe, sondern gerade bei dem, der anders ist.

Dazu rät uns Paulus: Nehmt einander an! Schauen wir uns das Wie von Christus ab, und tun es zu Gottes Ehre! Vielleicht kann es dann bei uns auch ein wenig so sein wie in der Urkirche, wo Außenstehende von den Christen bewundernd sagten: Seht mal, wie sie einander lieben!

Das wäre mein Wunsch im Jahr 2019 für das ganze Bistum der Anglikanischen Kirche in Deutschland.

Einsegnungen: Firmung und

Prädikanteneinführung

Synode 2018 011Bischof Gerhard Meyer, D.D

Firmung / Konfirmation

Zu einem besonderen Gottesdienst hatte die Christusgemeinde am Montagabend, 10. Dezember, in Schwarzenborn eingeladen. Bei einem feierlichen Abendlob wurden zwei erwachsene Personen nach anglikanischem Ritus nach Befragungen und dann unter Handauflegung vom Bischof gefirmt / konfirmiert:

Beschütze, o Herr, dies Dein Kind mit Deiner himmlischen Gnade, dass es immerdar Dein bleiben und täglich mehr und mehr an Deinem Heiligen Geist zunimmt, bis es in Dein ewiges Reich kommt. Amen.

In der ausgehändigten Urkunde wurde von mir erklärt: Ich bestätige, dass N.N. aufgrund seines / ihres Bekenntnisses der Bekehrung zu Gott und dem Bekenntnis, dass Jesus Christus sein / ihr Erlöser und Herr ist, in die Gemeinschaft der Anglikanischen Kirche i.D. / REK durch den Brauch der Firmung / Konfirmation aufgenommen wurde.

Prädikant / Lay-Reader.

Anschließend nach der Predigt hatten wir die große Freude, ein Gemeindemitglied, Jared M. Wensyel, der an der Freien Theologischen Hochschule Gießen seine Ausbildung abgeschlossen hatte, zum Prädikanten, englisch: Lay-Reader einzusegnen.

Die Aufgabe eines Prädikanten besteht besonders darin, Wortgottesdienste, Hochzeiten und Beerdigung durchzuführen.

prädikant

EINE UND DOCH VIELE KIRCHEN

DIE BEDEUTUNG DER TRINITÄT FÜR DIE LEHRE DER KIRCHE ANHAND DER EKKLESIOLOGIE MIROSLAV VOLFS

Freie Theologische Hochschule

  Jared Michael Wensyel

Das FAZIT der Bachelorarbeit von JARED MICHAEL WENSYEL(64 Seiten)

Am Anfang dieser Arbeit wurden drei Fragen hinsichtlich der Bedeutung der Trinität für die Lehre der Kirche gestellt:

Erstens, auf welcher Art und Weise die menschliche Gemeinschaft in der lokalen Kirchengemeinde durch die Trinität bestimmt ist und ihrer Gemeinschaft entsprechen soll,

zweitens, welche Konsequenz die Trinitätstheologie für das Verhältnis zwischen der lokalen Kirchengemeinde und anderen Kirchengemeinden bzw. dem universellen Leib Christi hat, und

drittens, welche Auswirkung die trinitarische Theologie auf die kirchliche Leitung hat. Im Folgenden sollen die Ergebnisse dieser Arbeit bezüglich dieser Fragestellung präsentiert werden.

Eine Untersuchung zur Trinitätstheologie ergab, dass die ekklesiale Gemeinschaft das Verhältnis der trinitarischen Gemeinschaft widerspiegeln soll. Das biblische Mysterium der Trinität, wie Gott sich in der Heilsgeschichte offenbart hat, verlangt ein Zusammenhalten von Wesenseinheit und Dreiheit der göttlichen Personen, die beide sich scheinbar widersprechen aber in der biblischen Offenbarung wesentlich sind und deshalb zusammengehören. So ist Gott gleichzeitig als Einheit und Dreiheit zu verstehen.

Weil Gott Einheit in Dreiheit ist, soll die Kirche auch die Gleichzeitigkeit von Einheit und Vielfalt widerspiegeln. Die Einheit der Kirche auf allen Ebenen befindet sich in dem konkreten Wirken des Heiligen Geistes, der alle Christen in Christus vereinigt. Durch diese christologische Begründung ist die Einheit nicht in einer zentralen Struktur selbst zu verorten, sondern verborgen in Christus. Sie wird aber in der Vielfalt auf allen Ebenen des kirchlichen Seins vergegenwärtigt und macht sich so sichtbar. Weil alle Christen und Kirchen in Christus eins sind, sind sie berufen bzw. verpflichtet, die Einheit in dem Zusammenarbeiten der ekklesialen Vielfalt zu suchen. Eine solche Einheit soll konziliar aufgebaut sein, wodurch diese gemeinsame Kirche sowohl der Einheit in Christus als auch der Vielfalt als Zusammenschluss der Kirchen gerecht wird. In diesem Kontext ist es notwendig, dass jede Gemeindegründung oder bestehende Ortsgemeinde sich nicht als unabhängige Gemeinschaft versteht, sondern die enge Zusammengehörigkeit des weltweiten Leibes Christi ernst nimmt und daher auch am ekklesialen Leben partizipiert, das über die Lokalkirche hinausgeht, indem sie auch Teil einer überörtlichen Struktur ist, die danach strebt, die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche zu vergegenwärtigen.

Weil das differenzierte Verhältnis der göttlichen Personen aus unter- schiedlichen Eigentümlichkeiten besteht, die z. B. eine besondere Autorität des Vaters zulassen und zugleich gleichwertige, gleichursprüngliche und gegenseitig bedingende Beziehungen zwischen den göttlichen Personen bedeutet, dürfen besondere Ämter wie die Leitung durch ein Predigtamt, das zur Einheit und Apostolizität der Kirche dienen soll, diese Realität widerspiegeln. Dies widerspricht aber nicht der Vielfalt des charismatischen Lebens der Kirche, in dem jeder nach seiner persönlichen Begabung den Missionsauftrag der Kirche erfüllen soll. So wird dieses Leben der ganzen Kirche durch den Dienst eines solchen Amts nicht beeinträchtigt, sondern in ihrem Dienst gestärkt. Weil die Lokalkirche auch diesseits Teil des ganzen Leibes Christi ist, soll ein solches Amt, das zur Einheit und Apostolizität dient, nicht nur durch die lokale Gemeinde bestimmt werden, sondern die Einsetzung in ein solches Amt soll mit der Beteiligung der ganzen Gemeinde durch Vertreter der ganzen Kirche über die lokale Kirche hinaus stattfinden, so dass dieser Amtsträger sowohl die Einheit der Lokalkirche als auch die Verbindung mit der ganzen Kirche verkörpert.


Weitere Artikel: 

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K i r c h e n z e i t u n g

April 9, 2020
AKD neu bunt

Kirchenzeitung der Anglikanischen Kirche in Deutschland (AKD)

Nachrichten aus der anglikanischen Welt

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Ostern, das höchste Fest

Von Pastor Thomas Kohwagner, Erzdiakon

Tod und Auferstehung

In diesem Jahr ist alles anders. Ostern, das höchste Fest der Christenheit, wird nicht – wie sonst üblich – in öffentlichen Gottesdiensten gefeiert. Die Kirchen bleiben leer.

Ein kleines, unscheinbares Virus hat das Leben, wie wir es kennen, weltweit total verändert. Die sonst schon zur Gewohnheit gewordenen Reisen zu Ostern fallen aus.

Geschäfte bleiben geschlossen – ebenso wie Schulen und Kindergärten. Familienbesuche finden nicht mehr statt. Und was das Schlimmste ist: Alte und Sterbende in Pflegeheimen und Krankenhäusern dürfen nicht mehr besucht werden und bleiben mit ihrer Einsamkeit und ihrer Angst allein.

Das Leben ist zum Erliegen gekommen. Selbst diejenigen, die von der Pandemie nicht direkt betroffen sind, empfinden das als eine Art von Tod. Und das in der Frühlingszeit, in der sich die Natur überall anschickt, zu erwachen. Wir alle warten darauf, dass das ein Ende hat, dass das Leben zurückkehrt und alles wieder „normal“ wird. Im übertragenen Sinn warten wir auf die Auferstehung. Wir warten auf die Erfahrung, dass der Tod besiegt wird und wir neues Leben bekommen.

Was uns in diesen Tagen weltweit – aber doch im Kleinen – verdeutlicht wird, das hat im Tod Jesu und in seiner Auferstehung, derer wir jedes Jahr an Ostern gedenken, seinen absoluten Höhepunkt und seine Erfüllung gefunden. Jesus hat den Tod überwunden und besiegt! Nicht der Tod hat das letzte Wort, sondern das Leben. Daran wollen wir festhalten – auch am Osterfest des Jahres 2020. Denn es eröffnet uns die Möglichkeit, all die kleinen Tode unseres Lebens besiegen zu können: den Tod der Hoffnung und der Zuversicht, den Tod des Lebensmutes und des Vertrauens, den Tod der Beziehungen und der Kommunikation, den Tod des Mitgefühls und der Empathie, den Tod des Glaubens und der Hoffnung. Euch allen wünsche ich eine besinnliche Karwoche und ein

Frohes und Gesegnetes Osterfest 2020

mit der Heilung für alles Zerbrochene, mit Lebensmut und Glauben und mit dem festen Vertrauen darauf, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.


Lasst uns also das Fest feiern

Von Dr. Sebastian Moll

Seder Feier

Denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden. Lasst uns also das Fest feiern, nicht mit dem alten Sauerteig, nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit.

Von „altem Wein in neuen Schläuchen“ spricht der Volksmund, wenn derselbe Inhalt in neuer Verpackung präsentiert wird. Der Ursprung für diese Redewendung findet sich jedoch im Munde Jesu: „Man füllt nicht neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißen die Schläuche und der Wein wird verschüttet und die Schläuche verderben.“ (Matthäus 9,17) In diesen Satz ist viel hineingeheimnisst worden. Manche Theologen glaubten gar, darin eine Rechtfertigung für die Abschaffung des Alten Testaments aus dem kirchlichen Kanon zu erkennen, da es nicht mit dem Neuen kompatibel sei. Doch wie in so vielen anderen Situationen auch, richtet Jesus seine Worte hier nicht gegen das Gesetz als solches, sondern gegen dessen Auslegung durch die Pharisäer, deren Herzen verstockt und die in

ihren althergebrachten Formalien verhaftet waren, was sie unempfänglich machte für das Neue, das lebendige Wort Gottes, obwohl es direkt vor ihnen stand. Ja, sie gaben den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel, aber ließen das Wichtigste im Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben. Nicht aus mangelnder Frömmigkeit gingen sie verloren, sondern aus erstarrter Frömmigkeit. Sie erkannten die Zeichen der Zeit nicht, richteten ihren Blick zurück anstatt nach vorne. Wer dies aber tut, der ist nicht geschickt zum Reiche Gottes.

Ostern steht wie kein anderes christliches Fest für einen Neuanfang. Aber es geht dabei nicht um Rituale, nicht um Äußerlichkeiten, nicht um denselben Inhalt in neuer Verpackung, sondern um eine echte innere Erneuerung.

 Der Apostel Paulus ruft uns zu: „Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.“ (Epheser 4,22-24) Das neue Leben in Christus Jesus ist nicht mit dem alten Adam kompatibel, so wie der neue Wein den alten Schlauch zerreißt.

Angefangen hat diese Gleichnis-Rede Jesu übrigens damit, dass er gefragt wurde, warum die Pharisäer fasten, seine Jünger aber nicht. Er antwortete: „Wie können die Hochzeitsgäste Leid tragen, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“

Was für ein schönes Bild für das Osterfest! Auch Christen fasten, aber ihre Fastenzeit findet ihr Ende zu Ostern, dem Fest der Auferstehung unseres Herrn, dem Tag, an dem der Bräutigam aus dem Reich des Todes zu den Hochzeitsgästen zurückkehrt. An diesem Tag verbietet sich jede Freudlosigkeit. Lasst uns also das Fest feiern!


Ein Hirtenbrief zurzeit der Carona PandemieVon Bischof Meyer

Mit Hinweisen und Verlautbarungen in einer Zeit der Einschränkungen im gesellschaftlichen, persönlichen und kirchlichen Bereich und mit einem hoffnungsvollen Ausblick am Ende.  

1. Wir sagen nicht unsere Synode ab, aber verschieben sie auf Oktober

Liebe Geistliche, Prädikanten, Abgeordnete, Mitarbeiter und Freunde in der AKD. Seit einigen Wochen habe ich oft über die Entwicklung und Auswirkungen von COVID-19 nachgedacht, gebetet und mich mit anderen ausgetauscht. Auch wir stehen als Kirche mit den ständig wachsenden Herausforderungen, nämlich weiter Gottesdienste, Gemeindetreffen, etc. stattfinden zu lassen vor einer immer größer werdenden Verantwortung.

Deshalb hatte ich eine Bistumsrats-/Verwaltungsratssitzung vorzeitig einberufen, um ausstehende Fragen für die nächste Synode (22.-24. Mai) zu besprechen. Doch wegen rasanter Entwicklungen in unserer deutschen Gesellschaft – und mit Blick auf die restlichen EU Länder – berief ich eine vorgezogene BR / BVR Sitzung ein. Nach Beratung mit den Mitgliedern des BR/BVR (Leitung der Kirche zwischen den Synoden) haben wir dann folgende Entscheidung getroffen: Wir stornieren nicht unsere Synode, aber wir verschieben sie auf den 30. 10 – 1.11.2020.

Bezüglich der geplanten Einladung von Canon Rev. Dan Alger, ACNA Beauftragter für Gemeindepflanzung/-gründung zu unserer Synode, haben wir folgendes entschieden: Englischsprechende Interessenten der AKD soll die Gelegenheit gegeben werden, am Gemeinde-Gründung-Seminar der Free Church of England am 26.-28. Oktober in der Nähe von Lancaster teilzunehmen. Sprecher ist dort Canon Dan Alger. Er wird von Bischof Sutton, Bischof Fenwick FCE, aber auch von David Ayres und Jared Wensyel als Experte bezeichnet. Es wird eine Bezuschussung durch die Kirche für einige Teilnehmer vorgesehen, die sich entschließen vor unserer Synode dort teilzunehmen, um dann kurz danach auf unserer eigenen Synode davon frisch zu berichten.

2. Weitere Verschiebungen von kirchlichen Veranstaltungen.

Außerdem wird das St. Benedikt Wochenendseminar vom 20.-22. März sowie eine geplante Ordination von Prädikant Dr. Sebastian Moll zum Diakon am 4. April vorerst verschoben.

Alle kirchlichen Veranstaltungen werden bis auf Weiteres in der AKD solange untersagt, bis sie durch staatliche Behörden und kirchliche Entscheidung wieder erlaubt werden. In der Zwischenzeit sollen jedoch alternative Gottesdienstmöglichkeiten entwickelt und genutzt werden.

3. Alternativen für Live-Gottesdienste

Aus der Arbeitsgruppe Gemeindebau wurde kurzfristig eine Handreichung erstellt zur Nutzung technischer Möglichkeiten für alternative Gottesdienste. Die Handreichung für Online-Gottesdienst wurde schon über WhatsApp verschickt, sie wird hiermit noch einmal zur Verfügung gestellt. Hilfestellung soll durch Diakon Jared Wensyel geschehen. (Dazu speziell folgt ein Extrabericht hier später).

4. Weitere Termine in der anglikanischen Welt, die verschoben wurden.

  • Die Vollversammlung unserer Gesamtkirche – General Council der Reformed Episcopal Church International – http://rechurch.org/

Durch kürzliches Schreiben unseres Erzbischof Dr. Ray Sutton wurde von der Gesamtkirche bekanntgegeben, dass die alle drei Jahre stattfindende Vollversammlung (General Council) abgesagt und auf Juni 2021 verschoben wurde. Sie soll jedoch am gleichen Ort in Charleston, North Corolina, USA, stattfinden. Mehr http://rechurch.org/gc20.html

  • Die GAFCON Kigali-Bischofskonferenz in Kigali.

Es betrifft alle anglikanischen Erzbischöfe und Bischöfe, die nicht an der Lambeth-Welt-Konferenz teilnehmen wollten. (Diese war zur gleichen Zeit wie REC General Council / Vollversammlung geplant). Aufgrund der gegenwärtigen globalen Bedrohung durch die Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 haben die Erzbischöfe der Global Anglican Future Conference (GAFCON) beschlossen, die für Juni geplante Kigali-Bischofs- und Ehefrauenkonferenz in Kigali, Ruanda, zu verschieben. Über 300 Bischöfe und ihre Frauen wurden zur Konferenz erwartet.

  • Anglikanische Kirche von Nordamerika

Die Provinz Vollversammlung 2020 findet als Online Konferenz statt.

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie und der Unsicherheit über die Möglichkeit, in den kommenden Tagen zu reisen und sich zu treffen, wurde die ACNA Provinz Vollversammlung 2020 auf ein Online-Format umgestellt. Das Treffen findet am 23. Juni 2020 per Video Konferenz statt.

In der Vergangenheit wurde die ACNA Provinz Vollversammlung für Beobachter bereits Live übertragen, die sich On-Line aus der Ferne zuschalten wollten. Dies ist jedoch das erste Mal, dass ACNA Diözesandelegierte (inklusiv REC) an dem Treffen teilnehmen und online abstimmen.

Hinweise:

* Mehr zur Anglikanischen Kirche in Nordamerika unter: http://anglicanchurch.net/

* Kostenloses Download des neuen „Book of Common Prayer” in Englisch:

  http://bcp2019.anglicanchurch.net/index.php/downloads/

  (Benutzung in Englisch nur mit Genehmigung des Bischofs)

  • Die Lambeth-Konferenz

Die Lambeth Konferenz, an der Bischöfe aus allen Provinzen der weltweiten Anglikanischen Gemeinschaft teilnehmen, sollte im Juli und August 2020 in Canterbury stattfinden. Doch auch die Lambeth-Konferenz wurde wegen der Covid-19-Pandemie auf nächstes Jahr verschoben. Dies gab kürzlich der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, allen Bischöfen der Anglikanischen Gemeinschaft bekannt. Mehr:

https://www.churchtimes.co.uk/articles/2020/27-march/news/world/lambeth-conference-postponed-until-2021


Gebetsvorschläge

Von Pastor Gerhard Kirchgessner  

Jeder für sich und doch zusammen: Auch wenn das religiöse Leben in Deutschland und vielen Ländern der Welt massiv eingeschränkt ist, kann man trotzdem gemeinsam beten – wenn auch räumlich getrennt.

Krankheit erleben wir Menschen immer als Bedrohung. Die gegenwärtige Pandemie beeinträchtigt und verändert unser Leben und das vieler Menschen. Sie verunsichert uns, ruft die Sorge um unsere Gesundheit wach, um unser Leben und das der Menschen, die wir lieben. Fragen steigen auf, Sorgen und Ängste treiben uns um.

Die vorübergehend notwendigen Maßnahmen des Rückzugs aus unseren Beziehungen, die Unterbrechung gewohnter Alltagsrhythmen und der Verlust der gottesdienstlichen Gemeinschaft können zum Gefühl der Isolation führen.

Nachfolgend eine Auswahl einer Sammlung von Gebeten für die Zeit der Corona-Krise:

Gesamt Download unter: http://www.anglikanisch.org/corona-zum-trotz/.

(1)  Gebet gegen die Angst

Guter Gott, Du Herr des Lebens,

ich fühle mich nicht wohl und habe immer wieder Angst.

So viele Fragen schießen durch meinen Kopf. Wie geht es jetzt weiter? Bleibe ich gesund? Wie geht es den erkrankten Menschen bei uns und überall?

Mit all den Ängsten und Zweifeln komme ich zu Dir.

Du warst und bist noch immer der liebende Gott meiner Kindertage.

Ich schaue auf deinen Sohn am Kreuz, der all die Nöte von uns Menschen selbst durchleben und Schmerzen erleiden musste. Und ich sehe die vielen Kreuze in unserer Zeit, die Leid und Trauer bringen, die manche Hoffnung auf Zukunft zerstören.

Bist du der gute Gott, der auch jetzt zu mir steht?

Ich will glauben, dass Du mir nah bist in deiner Liebe.

Ich will vertrauen, dass Du treu bleibst in deiner Kraft der Nähe und des Trostes.

Ich will hoffen, dass du mir begegnest und mich erfüllst mit deiner Barmherzigkeit.

Guter Gott, gib uns einen neuen Geist der Solidarität und Stärke, der Hoffnung und Zuversicht, des Lichtes und Friedens.

Lass uns erkennen, was jetzt wichtig ist und zählt.

Du bist der gute Gott, der uns befreit und begleitet!

Lass uns in diesem Glauben die nächsten Schritte wagen.

Das bitte ich in Christus Jesus unserem Bruder und Herrn. Amen.

(4)         Fürbittende Gebete in Zeiten der Corona-Krise für Betroffene und andere

Gebet 4.5

Gott unser Vater, wir kommen in unserer Not zu dir, um dich um Schutz vor dem Corona-Virus zu bitten, der Leben gekostet hat und viel Schaden über die Menschen bringt. Wir beten um deine Gnade:

Für die Menschen, die das Virus erforschen und gegen seine Verbreitung kämpfen; für alle die auf der Suche nach einer Heilung und einer Lösung der Epidemie sind.

Führe die Hände und Gedanken der Mediziner und Pflegenden, auf dass sie den Kranken dienen durch ihr Können und ihr Mitgefühl.

Wir beten für die Kranken.

Mögen sie bald wieder gesund werden.

Gewähre all das durch unseren Herrn, Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, jetzt und in Ewigkeit. Amen.



AKD-Online

Das digitale Engagement unserer Kirche angesichts der Corona-Krise

Von Pastor Jared Wensyel – Frankfurt

Für mich ist diese Corona-Krise so etwas wie ein Sandsturm. Wir sind jetzt mitten im Sturm und sehen nichts. Eine klare Idee, was los ist und wie die Zukunft aussehen wird ist erst möglich, wenn der Sandsturm endlich vorbei ist. Auf einmal sind so viele unserer Pläne verändert, gestrichen oder unklar.

In solchen Zeiten sind doch Jakobus’ Worte ganz verständlich: “Ihr aber, die ihr sagt: Heute oder morgen werden wir in diese oder jene Stadt reisen, dort werden wir ein Jahr bleiben, Handel treiben und Gewinne machen – ihr wisst doch nicht, was morgen mit eurem Leben sein wird. Rauch seid ihr, den man eine Weile sieht; dann verschwindet er. Ihr solltet lieber sagen: Wenn der Herr will, werden wir noch leben und dies oder jenes tun.” (Jakobus 4, 13-15 – EU)

Einige Aspekte kann man vielleicht genießen. Mehr Zeit zu Hause. Endlich eine Chance zur Ruhe und Entspannung. Die ironische Möglichkeit durch digitale Wege doch Kontakt mit Leuten zu haben, die man sowieso vor Ort nicht sehen kann. Für manche ist es auch eine Zeit, die persönliche Beziehung mit Gott zu stärken. Man könnte sogar den Witz machen, dass Luthers “Priestertum aller Gläubige” in solchen Zeiten zum “Mönchtum aller Gläubige” geworden ist.

Andere Aspekte sind weniger ein Genuss. Einsamkeit. Langeweile. Angst um das, was auf einen zukommt. Finanzielle Herausforderungen angesichts der wirtschaftlichen Folgen. Ab und zu hört man auch von einem Kontakt, der davon berichtet, dass ein Angehöriger angesteckt wurde oder sogar gestorben ist. Manche haben es schwieriger als andere.

Umso mehr merkt man in solchen Zeiten die Relevanz von Kirche. Menschen brauchen immer die Hoffnung des Evangeliums. Auch ich. Aber gerade spürt man das irgendwie deutlicher. Die Ruhe hat auch ihre Vorteile. Aber die Stille kann auch einen anfechten. Im Licht einer solchen Krise drängen manche Dinge ins Bewusstsein, die vielleicht vorher in Vergessenheit geraten sind. Vielleicht kann diese Krise auch eine Zeit der Besinnung sein. Eine Zeit, in der Menschen die Beziehung zu Gott und all deren Konsequenzen deutlicher vor Augen führen können. Und dabei hat Kirche eine wichtige Aufgabe. Die Verantwortung, den Menschen und ihre Bedürfnisse nah zu sein. Trotz dieser Krise eine Gemeinschaft des Evangeliums zu ermöglichen.

NT Wright, der anglikanische Theologe und ehemaliger Bischof von Durham, hat bei der amerikanischen Zeitschrift Time die spannende Situation der Corona-Krise passend beschrieben: “Für viele Christen kommen die Beschränkungen des Lebens, die durch das Corona-Virus verursacht werden, gerade zur Fastenzeit — die traditionelle Zeit des Verzichts. Aber die neuen, scharfen Vorschriften — kein Theater, Schulschließungen und quasi Hausarrest für diejenigen von uns über 80 — machen unsere kleinen Exerzitien zur Fastenzeit zum Gespött. Auf Whiskey oder Schokolade zu verzichten ist ein Kinderspiel im Vergleich mit dem Verzichten auf Kontakt mit Freunden oder Enkeln und auf Besuchen zur Kneipe, Bibliothek oder Kirche.”[1]

Keiner von uns dachte, als wir diese Fastenzeit angefangen haben, dass wir für 40 Tage (und noch mehr) nicht nur auf Kleinigkeiten verzichten, sondern sogar auch ganz auf Gottesdienste und andere kirchliche Versammlungen. Diese Fastenzeit wird stark in unserer Erinnerung bleiben als das Jahr des besonderen Verzichts. Aber viele Kirchen haben diesen Schock irgendwie gut überstanden und reagieren schnell, um trotzdem Evangeliumsgemeinschaft zu solchen Zeiten zu ermöglichen. Gerade jetzt merkt man, dass Gottesdienste und geistliche Gemeinschaft vor Ort uns fehlen. Und trotzdem scheinen viele Kirchen mit digitalen Angeboten gut auf die Bedürfnisse von Menschen einzugehen. Vielleicht steckt darin nicht nur Herausforderung, sondern auch eine günstige Gelegenheit?  Auch unsere AKD versucht, ihren Beitrag in solchen Zeiten zu leisten.

Kurz nach dem Beginn dieser Krise erstellten wir eine Handreichung zu digitalen Alternativen, die unsere Geistliche beraten sollte, welche Möglichkeiten vorhanden sind, um geistliche Angebote für ihre Gemeinden auf digitalen Wegen zu ermöglichen. Dies findet man unter dem folgenden Link:

https://www.dropbox.com/s/3krts38o30hhlql/AKD%20Infographic%20Digitale%20Alternativen.pdf?dl=0.

Pastor Marc Jankowski und die Anglikanische Sankt Thomas Mission in Mönchengladbach ergriffen schnell Initiative und hielten schon mehrere digitale Gottesdienste. Dafür verwenden sie das Chat-Programm “Zoom”, mit dem Teilnehmer sich von zu Hause bei einem digitalen Treffen einloggen können. Dabei werden die Teilnehmer durch die anglikanische Liturgie des Morgen- oder Abendlobs durchgeleitet. Gottesdienste werden angesichts der verschiedenen Bedürfnisse in ihrer Mission auf Deutsch und auf Englisch angeboten. Währenddessen ist Live-Partizipation der Teilnehmer am Gottesdienst trotz der Herausforderungen dieser Krise möglich.  Ein Beispiel der Werbung für ihre digitale Gottesdienste:

Pastor David Ayres und die Christ Church in Berlin versuchen auf ähnlichen Wegen digitale Gemeinschaft zu ermöglichen, indem sie ihre Hausgruppenabende unter der Woche weiterhin durch Telekonferenzen halten lassen. Gemeindeglieder können sich per Telefon einklinken. In der ersten Aprilwoche hat die Gruppe z. B. über Psalm 42 und 43 ausgetauscht. Für Sonntage werden aber Gemeindeglieder eingeladen, sich an den Zoom-Gottesdienste der Sankt Thomas Mission zu beteiligen. Dabei hat auch Pastor Ayres mal zur Unterstützung eine Predigt über Psalm 43 gehalten.  Pfarrer Michael Winkler und die St. Paulus Kapellengemeinde nehmen auch an den deutschsprachigen Zoom-Gottesdiensten der Sankt Thomas Mission teil und freuen sich über die Chance, Gottesdienst trotz Distanz mit anderen Menschen aus der AKD zu feiern und gleichzeitig von den digitalen Stärken von Pastor Jankowski zu profitieren. Eine besondere Herausforderung lässt auch besondere Chancen der Gemeinschaft und Verbundenheit innerhalb der AKD zu.

Ähnlich bieten Bischof Gerhard Meyer und die Christusgemeinde in Schwarzenborn gelegentliche Andachten auf dem digitalen Programm “Skype” an. Gemeindeglieder werden aber auch aufgerufen, zu Hause regelmäßig persönliche Andachten mit anglikanischer Liturgie zu halten. Die Liturgie dafür findet man im Allgemeinen Gebetbuch der AKD, aber können auch z. B. auf der Website der AKD gefunden werden: http://www.rekd.de/index.php?id=53.

Bischof Meyer schreibt aber auch regelmäßige Hilfen sowohl unter der Woche – z. B. https://gebetbuch.org/hauskirche/

als auch an Sonntagen, z. B. zum Palmsonntag – Hier ein Ablauf mit Video Predigt von mir (Jared Wensyel): https://rekd.wordpress.com/2020/04/05/palmsonntag-hauskirche-andacht/

Wenn man Interesse hat, tägliche Andachten der Christusgemeinde nach der Leseordnung des Allgemeinen Gebetbuchs zu bekommen, bitte hier nachschauen https://gebetbuch.org/hauskirche/ oder eine E-Mail an das Ordinariat der AKD schreiben: ordinariat@rekd.de.

Pastor Gerhard Kirchgessner der Christus-König Mission in Buchen hat sich auch engagiert, um Hilfsmittel für persönliche Andachten in Zeiten der Corona-Krise zur Verfügung zu stellen. Diese Hilfsmittel wurden von Pfarrer Joachim Feldes an seine Gemeinde mitgeteilt und sind dort auf der Website des anglikanischen Pfarramts Juliana von Norwich im Rhein-Neckar-Gebiet zu finden: http://www.anglikanisch.org/corona-zum-trotz/.

Dort schreibt die Gemeinde: “Fester Bestandteil unserer Gebete ist dabei die Fürbitte für alle, die vom Virus betroffen sind und deren Leben Einschränkungen erfährt. Genauso beten wir für die, die ihrer Verantwortung anderen gegenüber gerecht werden und Solidarität leben wollen. Schließlich gilt unser Gebet allen, die Corona zum Trotz ihre Hoffnung und Zuversicht leben und mit anderen teilen.”

Sie nehmen auch als Gemeinde an der ökumenischen Aktion “Licht der Hoffnung” teil, und zünden dabei abends um 19:00 eine Kerze an als Licht der Hoffnung und stellen sie ans offene Fenster.

Ich versuchte auch meinen Beitrag in diesen Zeiten zu leisten, indem ich eine Andacht für Karfreitag erstellt habe, den man aber auch zu anderen Zeiten gut gebrauchen kann. Diese Andacht nimmt die sieben Worte Jesu am Kreuz und betrachtet sie mit Hilfe des Lieds “Hör an mein Herz die sieben Wort” von Paul Gerhardt, dem bekannten lutherischen Pfarrer und Dichter aus dem 17. Jahrhundert. Dieses Lied ist zwar vom Text her manchmal eine Herausforderung für moderne Leser und ist gleichzeitig ein Schatz der deutschen Frömmigkeit und auf jeden Fall der Anstrengung wert. Man findet die Andacht auf Deutsch hier:

https://www.dropbox.com/s/3sfqoz1vnqb7lr0/7%20Worte%20Jesu%20-%20Meditation%20Karfreitag.pdf?dl=0

oder auch auf Englisch:

https://www.dropbox.com/s/j51yl4iaux5aozm/7%20Word%20of%20Jesus%20-%20Meditation%20Good%20Friday.pdf?dl=0.

Ich wünsche Ihnen trotz dieser Corona-Krise eine Zeit der Besinnung und Geborgenheit in Gottes Händen. Lasst uns im Gebet füreinander und für unsere Gesellschaft sein und die Chance nutzen, ein Licht der Hoffnung zu sein für unsere Mitmenschen und die Schönheit des Evangeliums zu strahlen.


[1] N.T. Wright, Christianity Offers No Answers About the Coronavirus. It’s Not Supposed To, https://time.com/5808495/coronavirus-christianity/.


Stefan Lehnert

VIER FRAGEN AN DIE ANGLIKANISCHE KIRCHE

Ein Interview, dass Stefan Lehnert mit Bischof Meyer führte und in der Zeitschrift AUFWIND 2020/1 veröffentlicht wurde.

1. Was lieben Sie am meisten an der Anglikanischen Kirche?

Wir lieben sie als Kirche der Mitte zwischen feierlich katholisch und schriftgebunden evangelisch mit dem Ziel einer biblischen Evangeliumsverkündigung und der daraus entstehenden Ethik für den Gemeindeaufbau.

Die weltweite Anglikanische Kirche ist eine Kirche der Mitte – oder auch Via Media genannt – wie es der anglikanische Theologe Richard Hooker bereits in den Anfängen der englischen Kirche um die Nachreformationszeit ausgedrückt hat. Sie gründet sich zentral auf Schrift, Vernunft und Tradition, jedoch auf die Schrift zuerst. In ihr findet man mit High Church, Low Church und Broad Church[1] hochkirchliche, evangelikale und liberale Gruppierungen nebeneinander in einer Kirche.

In der heutigen Zeit rücken konservative Anglikaner zusammen unter der Weltweiten Anglikanischen Zukunfts-Konferenz GAFCON[2]. Dies ist eine Evangelisations- und Erweckungsbewegung in der weltweiten Anglikanischen Kirche, die zwei Drittel der ca. 85 Millionen Anglikaner umfasst. Darin sind Hochkirchler, Evangelikale und Charismatiker vertreten, die das Evangelium von Jesus Christus nach dem Neuen Testament und der Ethik des Testaments verkündigen wollen. We Proclaim Christ to the Nations, Christus den Nationen verkündigen – das war u. a. der tägliche dreimalige „Losungs- ruf“ der 2000 Vertreter im Jahre 2018 im Inter­nationalen Kongresszentrum in Jerusalem.

2. Welche Möglichkeiten schätzen Sie in Ihrer Kirche besonders, Jesus Christus zu begegnen und ihm zu dienen?

Vor oder in anglikanischen Kirchen findet man öfters ein Schild mit der Aufschrift „Vor dem Gottesdienst: Stille! Im Gottesdienst: Hören! Nach dem Gottesdienst: Reden!“ Diese Hinweise sind hilfreich zur Christusbegegnung. Weiter verwenden Anglikaner das Allgemeine Gebetbuch als Mittel zur biblischen Christusanbetung. Die durch den Gottesdienst hervorgerufene Veränderung und innere Stärkung des Christen soll ihn bewegen, in die Welt hinauszugehen und Christus gemäß seinen Gaben im Alltag zu dienen.

Die Begegnung mit Christus wird schon vor dem Gottesdienst vorbereitet. Man sieht in anglikanischen Gotteshäusern oft, dass die Menschen vor dem eigentlichen Gottesdienstbeginn stille werden, knien und beten. Sie möchten vorbereitet sein, Christus und sein Wort zu hören und beim Empfang des Herrenmahls zu erfahren: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist“. Auch hier wird nach dem Empfang der Kommunion, wenn gewünscht, für Kranke und Besorgte gebetet.

Bei den empfohlenen Familienandachten lesen wir nach dem Gebetbuch morgens und/oder abends gemeinsam die Schrift nach der Jahreslese und sprechen kurze wichtige Morgen- oder Abendgebete. Auch hier kann man täglich Christus neu begegnen.

Über den eigentlichen Dienst heißt es im Gebetbuch, dass nicht nur der Bischof und der Geistliche mit Wort und Leben als Vorbild der Gemeinde dienen sollen, sondern jeder Christ, wenn er mit dem Gebetbuch betet: „Wir wollen Dir unseren Leib und Seele hingeben und uns durch ein frommes, gerechtes und besonnenes Leben in Deinen Dienst stellen. Bestätige und stärke uns in dieser Absicht, barmherziger Gott.“

Bei der Aufnahme in die Gemeinde weisen wir immer auf das Mitdienen in der Gemeinde hin, je nach Begabungen der Christen und entsprechend der Größe und Aufgaben der Gemeinde. Das kann durch Hilfe bei der Vorbereitung des Altars, über Mitarbeit im Gemeindeverwaltungsrat, Erstellen des Gemeindebriefs geschehen, durch Mitarbeit im Frauen-/Männertreff oder durch Kalenderverteilung und Krankenbesuche.

Für jede Missionsarbeit oder Gemeinde empfehlen missionarische Anglikaner, schon bald eine weitere Gemeindegründung in näherer oder weiterer Entfernung im Sinn zu haben. Wie eine Erdbeere natürliche Ranken bildet, so soll auch jede Gemeinde nach außen missionieren und Tochtergemeinden bilden. Das sollte ihre natürliche DNA nach dem Evangelium sein.

3. Wer oder was aus der Geschichte der Anglikanischen Kirche ist Ihnen besonders wichtig?

Das sind vor allem zwei Aspekte: Das Gebetbuch der Kirche zur Prägung des biblischen Glaubens im Gottesdienst und das Anglikanische Viereck als Grundlage zur ökumenischen Einheit der Kirchen.

Cramner und die Bedeutung des Allgemeinen Gebetbuchs

Erzbischof Thomas Cramner ist der „Luther Englands“. Mit ihm beginnt die Englische Reformation. 1549 wird das erste Gebetbuch (Book of Common Prayer) für die Gesamtkirche nicht in Latein, sondern in Englisch veröffentlicht. Cramner hat das Stundengebet (sieben Gebetszeiten der Mönche) in Kurzform als Morgen- und Abendgebet zusammengefasst. Die Gebete sind zu ca. 80 % paraphrasierte Bibeltexte. Der Priester soll täglich zum Morgen- und Abendgebet einladen und mit dem Volk in der Kirche bibeltreue Gebete sprechen. Lex orandi, lex credendi – was wir beten ist, was wir glauben. Die Theologie ist hier vorrangig in den Gebeten der Kirche verankert und das Gemeindevolk soll dadurch geprägt werden. Weiter soll der Pfarrer morgens und abends die Texte des Lektionars – Bibellese aus dem Alten und Neuen Testament – verlesen, so dass in der Gemeinde in einem Jahr die ganze Bibel durchgelesen wird.

Erzbischof Thomas Cramner

Damit begann die englische Reformation. Thomas Cramner wurde wegen dieses Glaubens 1556 verbrannt. Das heute noch von allen Anglikanern weltweit als historisch anerkannte und gültige Gebetbuch stammt aus dem Jahre 1662 und wird in Abänderungen und Revision weltweit in vielen Sprachen verwendet.

Das „Anglikanische Viereck“

Dies ist ein weiterer Aspekt für die Anglikanische Kirche, mit Auswirkung auf die ökumenische Entwicklung. Das Lambeth-Quadrilateral bezeichnet vier Prinzipien, die von der Lambeth-Konferenz 1888 als Grundbedingungen der kirchlichen Einheit vorgeschlagen wurden, auch mit der Möglichkeit der Vereinigung mit katholischen und orthodoxen Kirchen:

  • Das Alte Testament und das Neue Testament als geoffenbartes Wort Gottes;
  • Das Nicänische Glaubensbekenntnis (Nicäno-Konstantinopolitanum) als Feststellung des christlichen Glaubens;
  • Die zwei Herren-Sakramente, d. h. die Taufe und das Abendmahl/Eucharistie;
  • Das historische Bischofsamt, angepasst jeweils an die Kultur des Landes.
  • 4. Was schätzen Sie an anderen Kirchen bzw. Konfessionen besonders, was die Anglikanische Kirche von ihnen lernen könnte – und umgekehrt?

Wir schätzen die missionarische Flexibilität, die wir oft bei Freikirchen finden. Wir bieten selbst erprobte Glaubenskurse und bibeltreue Gottes- dienste an, in denen Anbetung, Schrift, Verkündigung, Gebet für die Welt und persönliche Anliegen mit dem Herrenmahl im Mittelpunkt stehen. Besonders von jungen Kirchen, Freikirchen mit evangelikaler und charismatischer Prägung kann die Anglikanische Kirche auf vielen Gebieten lernen. Da finden wir missionarischen Eifer, der in liturgisch geprägten anglikanischen Gemeinden oft fehlt. Dort geht es um die Entdeckung der eigenen geistlichen Gaben, damit sie innerhalb der Gemeinde und im sozialen Umfeld eingesetzt werden können. Wir finden dort auch größere Flexibilität, sich auf andere Kulturen und Volksgruppen einzustellen, sie zu studieren und mit ihnen Kontakte für das Evangelium aufzubauen. Es gibt oftmals eine größere Experimentierfreudigkeit und Offenheit, neue Wege in der Gemeindegründung zu gehen. Man arbeitet dort z. B. über eine längere Zeit mit Zellgruppen, bevor man die Gründung bekannt gibt, oder kümmert sich speziell um Studenten, Sportler, Akademiker, soziale Schichten oder auch nur um einzelne Sprach- gruppen oder Migranten.

Was jedoch die mehr freikirchliche Bewegung von der Anglikanischen Kirche lernen kann, betrifft die bewährten anglikanischen Glaubenskurse wie den Alpha Kurs oder Christsein entdecken[3] (auch für Jugendliche und Kinder), angepasst an verschiedene Denominationen von katholisch bis evangelisch und freikirchlich. Zusätzlich ist der Anglikanische Katechismus[4] zur Glaubensgründung zu empfehlen.

Weiter fragen sich viele Evangelikale, die jeden Sonntag von einem Moderator durch den sich immer wechselnden Gottesdienst mit neuen In- halten, Formen und Abläufen geführt werden: Was ist denn eigentlich Gottesdienst? Wer präsentiert sich hier im Mittelpunkt des Gottesdienstes – der Mensch auf der Bühne oder Gott? Gerade da können Anglikaner mit ihren bibeltreuen Gebetbüchern eine Antwort geben:

„Die Heilige Schrift ermahnt uns innig, unsere Sünden dann zu bekennen, wenn wir uns gemeinsam versammeln, Gott für seine Wohltaten zu danken, ihm den schuldigen Lobpreis zu bringen, sein heiliges Wort zu hören, und von ihm zu erbitten, was uns und anderen an Leib und Seele notwendig ist.“ [5]


[1] hochkirchlich, evangelikal, liberal

[2] Global Anglican Future Conference

[3] www.alphakurs.de; www.christsein-entdecken.de

[4]  http://www.rekd.de/index.php?id=153

[5] Aus: Das Allgemeine Gebetbuch


Caronavirus & Sündenvirus

März 12, 2020


Angst und Hoffnung – Coronavirus & Christus

Heute werde ich in einem großen Alten-und Pflegeheim eine Andacht halten. Da oft bis 60 und mehr Menschen anwesend sind, haben wir uns entschieden, die Andacht über Mikrofon in die Zimmer und Räume zu übertragen.

Das Corona Virus macht vielen Angst. Immer mehr Menschen werden auch in Deutschland angesteckt. Bis heute (zum 12.03.20) sind es ca. 1600. In Italien sind es bereits 12500 und weltweit in 118 Ländern  der Erde bereit 124,600.

Röm 8, 35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« 37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Haben denn Christen auch Ängste?  Römer 8, 35 – gibt uns Antwort: Denn auch Trübsal und Angst können uns nicht scheiden von der Liebe Christi.

Wer profitiert heute und auch sonst am meisten von der sich umhertreibenden Angst? Verschiedenen Wirtschaftszweige, die Lebensversicherungen, alle anderen Sicherheitssysteme, Hygiene Produzenten, uw. Viele versuchen mit den Ängsten Geld zu machen, sich bei Todesfall, Unfall, Arbeitsunfähigkeit oder unerwarteter Krankheit abzusichern. Im Leben haben wir es immer mit der Angst zu tun. Doch im Leben kann man sich nicht 100% absichern.

Auch als Christen haben wir Ängste, aber sie können uns nicht trennen von der Liebe Christi, unseres Herrn.

2 Kor 2,4 sagt Paulus: Denn ich schrieb euch aus großer Trübsal und Angst des Herzens unter vielen Tränen; nicht damit ihr betrübt werden sollt, sondern damit ihr die Liebe erkennt, die ich habe besonders zu euch.

Auch Paulus und Geistliche, Missionare und christliche Mitarbeiter kennen Ängste. In diesem Fall hatte Paulus Angst, dass die Korinther seinen Brief, seine Botschaft, falsch verstanden und aufgenommen haben könnten.

Heute nun macht uns das Corona Virus Angst. Immer mehr Menschen werden in Deutschland angesteckt. Bis heute sind es ca. 1600. In Italien sind es bereits 12500 und weltweit in 118 Ländern  124,600. Weder bei Veranstaltungen noch auf Reisen oder bei der Arbeit können wir uns direkt abschotten. Auch nicht in der christlichen Gemeinde. Menschen sind beruflich oder auch für unseren Herrn Jesus unterwegs. Was machen wir da mit unseren Ängsten? Bringen wir sie zu Jesus? Oder verkrampfen wir uns im Kopf und dann im Bauch, Nieren, Rücken? Menschen werden schon krank bei dem Gedanken der jetzigen Unsicherheit und Hilflosigkeit. Auch die geschieht durch die überall gegenwärtigen Medien, christliche oder weltliche, besonders durch aufgebauschte Warnungen.

Doch von Paulus lernen wir: Er ist mit seinen Ängsten zum Herrn gegangen. Hast du jetzt vielleicht Angst vor dem Himmel und auch dem Ende deines Lebens? Oder kennst du die Hoffnung und die Freude über deinen eigenen Tod hinaus? Hast du vielleicht Angst, dass du dein Heil verlieren könntest? Oder hast du Gewissheit des Heils und des ewigen Lebens?

Bringen wir unsere Sorgen über irdische und himmlische Ängste und die um unsere Heilsgewissheit doch zu Jesus! Solche Ängste sind aber heilsam und nützlich. Wenn wir krank sind oder alt werden fragen wir uns: Sind wir gerettet?

In Joh 10,29 hören wir: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; 28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 29 Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen. 30 Ich und der Vater sind eins.

Wir sollen sicher sein: Jeder, der Jesus angenommen hat und ihm nachfolgt, der kann nicht verloren gehen. Denn niemand kann dich aus der Hand des Vaters reisen, und niemand kann uns aus der Liebe Gottes reißen. Doch weiter: Wir sollen heute auch nicht leichtfertige leben.

Der Sitz im Leben – Das  Coronas Virus.

Mit dem sächlichen Hauptwort virus bezeichneten die alten Römer Schleim, Saft oder Gift. Ärzte sagen das – in der Umgangssprache hat es sich schon angepasst wie die Viren auch mit dem Artikel DER, und dies ist auch richtig. –  Wo ist also der/das Virus zuhause? Das Virus kann sich nur in den Zellen auswirken, aber, wie breitet es sich aus?  Es breitet sich durch Tröpfchen aus. Das wissen wir von der Biologie. Wie aber breitet sich das geistliche Coronavirus aus?  Das geistliche Caronavirus ist die Sünde, sie breitet sich auch durch den Menschen aus von einem zum anderen.  Aber er wirkt nur in dem Menschen im Innern. Doch wir müssen uns von dem Virus der Sünde fernhalten. Wir dürfen uns nicht von dem Virus Sünde anstecken lassen. Wie geschieht dies? Indem wir vor ihm fliehen, uns fern halten von den Sünden: Von Hochmut, Hurerei, Halsstarrigkeit, Selbstsucht etc.  Wir wollen keine gemeinsame Sache mit Sündern, bösen Ideen und Handlungen haben. Siehe Psalm 1,1 sich nicht in den Versammlungsstätten der Sünder Narren treffen.

Jesus sagt aber zu den Sündern: Kehrt um, bekennt eure Sünde, haltet euch dann aber fern von der Sünde.

Deshalb wollen wir auch nicht die große Veranstaltung der Sünder besuchen, wollen nicht gemeinsam mit den Sündern feiern. Denn wir wollen werde körperlich noch geistlich zum Verderben angesteckt werden.  Jesus sagt über böse Lehren und böse Werke, dass sie im Herzen beginnen. Die Schrift sagt, wir sollen uns von ihnen trennen. Dann brauchen wir keine Angst von dem geistlichen Coranavirus haben, nämlich, dass wir uns anstecken oder dass wir dann andere anstecken werden.

2 Johannesbrief sagt uns:9 Wer darüber hinausgeht und bleibt nicht in der Lehre Christi, der hat Gott nicht; wer in dieser Lehre bleibt, der hat den Vater und den Sohn. 10 Wenn jemand zu euch kommt und bringt diese Lehre nicht, so nehmt ihn nicht ins Haus und grüßt ihn auch nicht. 11 Denn wer ihn grüßt, der hat teil an seinen bösen Werken.

Wir wünschen, dass Sie sich von dem geistliche Virus der Sünde und dem Coronavirus absondern, Abstand halten, sich nicht permanent auf Sünde einrichten, sondern geistlich und körperlich gesund bleiben. Aber auch in der Fastenzeit vorsichtig bei weltlichen Treffen bleiben.

Weitere Informationen: s.d. Bundesamt für Bevölkerungsschutz

https://www.bbk.bund.de/DE/TopThema/TT_2020/TT_Covid-19.html

Erklärung zum Austritt eines Priesters in der AKD

März 11, 2020

Anglikanische Kirche i. D. / REK

Anglican Church in Germany – http://www.anglikaner.org
www.anglicanchurch.net
The Rt. Rev. Gerhard Meyer / Bischof Ordinarius -Richbergstr.11, 34639 Schwarzenborn, Fon & Fax +49-5686–9309235; E-Mail: Bischof.Meyer@rekd.de;

Da die Kirche immer wieder Anfragen diesbezüglich erhält, veröffentlichen wir eine allgemeine Meldung zur Information.

Erklärung zum Austritt von James D. Crofts
Am 12. Juni 2019 trat Herr James D. Crofts durch ein Schreiben an den Erzbischof Dr. Ray Sutton (REC USA) aus dem Dienst der Anglikanischen Kirche in Deutschland aus.
Bereits zuvor während seines inaktiven Dienstes hatte The Rev. Marc Jankowski das Amt des Senior-Pastors für „The Anglican Mission of Saint Thomas“ übernommen. https://anglicanmission.wordpress.com/contact-form/.
Das bedeutet, dass Herr Crofts seit dem Zeitpunkt seines Austritts nicht mehr das Amt eines Priesters in der Anglikanischen Kirche Deutschland (AKD), bei der Ref. Episcopal Church, USA, und der Anglican Church of North America innehat. Die AKD ist seit dieser Zeit für keinerlei seiner Dienste oder Aktivitäten mehr verantwortlich.

Auch alle Bild- oder Videoaufnahmen, die bis zu jener Zeit von Mitarbeitern der AKD während seines Dienstes aufgenommen wurden, sind Eigentum der Kirche und dürfen nicht weiter von ihm veröffentlicht werden.

Gerhard Meyer M.Div.; D.D.

Diözesanbischof der AKD www.anglikaner.org

https://rh-seminar.blogspot.com/

Kirche der Mitte – Heiliges Christfest 2019

Dezember 26, 2019

    Kirchenzeitung der Anglikanischen Kirche in Deutschland

           Ausgabe Nr. 7 – Heiliges Christfest | W e b: http://www.anglikaner.org

Weihnachten – den Messias finden

Von Pastor Gerhard Kirchgeßner

‚Tauet, Himmel, den Gerechten! Wolken, regnet ihn herab,‘ so singen wir in der Adventszeit mit den Worten des bekannten Adventslieds aus dem 18. Jahrhundert. Diese Sehnsucht nach Gottes Recht und Gerechtigkeit geht zurück bis in die alttestamentlichen Zeiten, als Moses das ganze Bundesvolk Israel am Horeb zusammenrief, um ihnen zu sagen: „Höre, Israel, die Satzungen und Rechte, die ich euch heute verkünde; lernt sie, haltet sie und handelt danach“ (5. Mose/Deuteronomium 5,1 [ZB]).

Später sehnte sich das Volk Israel aufgrund des in ihrer Umwelt erlebten Unrechts nach Gottes Gerechtigkeit, denn seine Herrschaft ist grundlegend bestimmt von Recht und Gerechtigkeit. In Psalm 97,1 – 2 [ZB] lesen wir:

Der HERR ist König. Es jauchze die Erde, freuen sollen sich die vielen Inseln. Gewölk und Wolkendunkel ist rings um ihn her, Gerechtigkeit und Recht sind die Stützen seines Throns. Gott liebt Gerechtigkeit und Recht, von der Gnade des HERRN ist die Erde voll“ (Psalm 33,5 [ZB]).

Jesaja prophezeit über den kommenden Messias: „Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt. Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. Die große Herrschaft und der Frieden sind ohne Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit, von jetzt an bis in Ewigkeit“ (Jesaja 9,5 – 6 [EÜ]).

Der Apostel Andreas bezeugt uns, wer der vom Volk ersehnte, gottgesandte Gerechte und Messias ist, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern; nach Johannes 1,41 – 42 sagte Andreas als er seinen Bruder Simon trifft: „Wir haben den Messias gefunden – das heißt übersetzt: Christus. Und er führte ihn zu Jesus.“

20. Synode der Anglikanischen Kirche i. D.

Kommission für Verfassung und Kanones

Vorsitzender der Kommission

Fortsetzung – Pastor Gerhard Kirchgeßner

Beschlüsse der 20. Synode zum Kirchenrecht

Paulus vergleicht die Kirche mit einem Leib, dessen Haupt Christus ist und in den die Christen durch die Taufe eingegliedert werden (vgl. 1 Kor 12,13 [EÜ]). Von Christus als dem Haupt her wird der ganze Leib durch Gelenke und Bänder versorgt und zusammengehalten und wächst durch Gottes Wirken (vgl. Kol 2,19 [EÜ]). Wir dürfen unser überschaubares Bistum als Teil des mystischen Leibes Christi verstehen. Um es zu festigen und zu stützen, möchten wir als Kommission dazu auch unseren Beitrag durch ein adäquates Recht leisten.

Gewiss haben die Beschlüsse der 20. Synode des Bistums der Anglikanischen Kirche in Deutschland (AKD) vom 26. Oktober 2019 keine staatspolitischen oder allgemeingesellschaftlichen Auswirkungen für das deutsche Rechtssystem. Aber sie haben innerkirchliche Bedeutung für die rechtliche Stellung unseres Bistums, für das Miteinander von Bischof und Synode, Bistumsrat und Erzdiakon, Geistlichen und Gemeinden, Orden und dem Theologischen Seminar in der AKD usw. Nicht zuletzt erhält der Stand der Diakoninnen eine rechtliche Grundlage, wie sie es in Canon 22 der Constitution & Canons der Reformed Episcopal Church (REC) in den USA schon seit geraumer Zeit gibt.

In mehreren Vorentwürfen der Kommission für Verfassung und Kanones zur Aktualisierung und Ergänzung des bestehenden Kirchenrechts zur 19. Synode revidierte die Kommission aufgrund der klarstellenden Hinweise von Presiding Bishop Dr. Ray Sutton, REC, und Ordinarius, Bischof Gerhard Meyer, die ursprünglichen Anträge für eine umfassendere Novellierung der Verfassung und Kanones der AKD. Näheres zu den Beweggründen kann hierzu auch aus dem erzbischöflichen Hirtenschreiben vom 16. Juni 2019, veröffentlicht in der Kirchenzeitung der AKD, Ausgabe Nr. 6 (S. 10 – 14), entnommen werden. Die Kommission hat ihre Arbeit daraufhin auf zwei Anträge an die 20. Synode konzentriert.

Antrag 1 betraf zum einen die Aktualisierung der Verfassung und Kanones (VuK) der AKD bezüglich der Namensgebung und des Übergangs von einem Missionsbistum zu einer vollwertigen Diözese.

Das Missionsbistum – bekannt geworden als Reformierte Episkopalkirche in Deutschland – wurde durch den vormaligen REC Presiding Bishop Royal U. Grote im Rahmen der 16. Synode zu einer Diözese der REC mit einem eigenen Bischof als Ordinarius erhoben und trägt nunmehr den Namen „Anglikanische Kirche in Deutschland“.

Zum anderen wurde mit dem Antrag 1 in Abgrenzung zu dem bisherigen Begriff „Lektor“ die für deutsche Verhältnisse treffendere Bezeichnung „Prädikant“ eingeführt.

Antrag 2. In einem zweiten Antrag wurde der Synode der Entwurf einer Bistumsordnung vorgestellt, worin verschiedene Bereiche ergänzend oder klarstellend für das deutsche Bistum geregelt werden sollten. Eine formale Änderung der aktuell gültigen Verfassung oder der Kanones war damit ausdrücklich nicht verbunden.

Erzbischof Dr. Ray Sutton

Die Kommission hat für den Antrag 2 die Anregung von Presiding Bishop Sutton während der Aussprache auf der 19. Synode der AKD entsprechend aufgegriffen und einige Ergänzungen des Kirchenrechts als rechtlicher Zusatz zu der aktuell gültigen VuK der AKD in Form einer Bistumsordnung (BiO) vorgeschlagen. Die BiO steht unterhalb des rechtlichen Rangs der Verfassung und Kanones; die enthaltenen diözesanen Bestimmungen sind auf Geschäftsordnungsebene angesiedelt und können als Ausführungsbestimmungen oder als rechtliches Addendum zum geltenden Recht gesehen werden. Die eingeführten kirchenrechtlichen Zusatzregelungen sind zudem zunächst zur praktischen Erprobung auf vorläufiger Basis vorgesehen und sollen somit testweise Anwendung finden. Die Erprobungsphase läuft befristet bis 2024. Die Synode kann dann über eine Verlängerung, Änderung oder auch Aufhebung entscheiden.

Bei festgestellter Bewährung wäre es möglich, einzelne Regelungen der BiO in die Verfassung und Kanones zu übernehmen oder auch einzelne Teile als eigenständige Geschäftsordnung für die Synode oder den Bistumsrat herauszulösen und weiterzuentwickeln.

Nicht nur wegen der Bestimmungen über die Wahl des Bischofs, sondern auch bezüglich der Einführung des Amtes eines Erzdiakons und der möglichen Einrichtung von Dekanaten sieht die Kommission die BiO als eine Weichenstellung für die zukünftige Entwicklung des Bistums an und will einen rechtlichen Rahmen dafür zur Verfügung stellen.

Während des Verfahrens wurden von der Kommission im Zuge von verschiedenen Konsultationen bzw. Beteiligungsmöglichkeiten der Geistlichen sowie bei der Sitzung der Synode Beiträge zum Inhalt der Anträge gesammelt; diese Anregungen konnten weitgehend eingearbeitet werden.

Durch die Einstimmigkeit der Synoden-Beschlüsse zu beiden Anträgen sieht sich die Kommission in ihrer rechtlichen Arbeit insoweit bestätigt. Durch geeignete Bekanntmachung in der Kirchenzeitung sollen die betreffenden Bestimmungen verkündet und in Kraft gesetzt werden.

Für die Kommission, Buchen, im Advent 2019

Reformationstreffen Lutheraner – Anglikaner in Wittenberg

Vom 28.-31. Oktober fand ein Reformationstreffen von Anglikanern und Lutheranern in der Alten Lateinschule zu Wittenberg statt. Teilnehmer waren die Missouri Synod USA; Lutheran Church of Canada,  Anglican Church of North America, Reformed Episcopal Church, Anglikanische Kirche in Deutschland, Free Church of England und REC Kroatien.

Weitere Bilder unter  https://youtu.be/SDbA7ioqf-g

Die Teilnehmer wohnten in der Alten Lateinschule. Das Treffen begann täglich mit gemeinsamen Andachten. Die Bischöfe Foley Beach und Ray Sutton sprachen über die Entstehung von ACNA (Anglikanische Kirche in Nordamerika) und die Beteiligung der REC als Mitbegründerin der ACNA Kirchengemeinschaft, auch über GAFCON (Globale Anglikanischen Zukunftskonferenz) und über den Stand der ökumenischen Beziehung zur Lutherischen Kirche in Kanada und der Missouri Synode. Bischof Voigt von der SELK (Selbständig Lutherische Kirche) sprach über die Geschichte der SELK und von ihrer Entstehung bis heute. Von der Missouri Synode hörten wir die Geschichte ihrer Entstehung, ihren jetzt 2 Millionen Mitgliedern, ihren verschiedenen Aufgaben im Lutherischen Weltbund sowie über Theologie, Mission, ihre Ekklesiologie und dem damit verbundenen Verständnis des historischen Bischofsamtes. Weiter gab eine gemeinsame Besichtigung der wichtigsten historischen Stätten in Wittenberg. Ein Teil der Gruppe fuhr nach Eisleben, andere besichtigten das moderne rote Panorama Gebäude in Wittenberg mit einem 360° Innenbild der Stadt um 1517 mit Multimediashow.

Teilnehmer des Treffens aus Kanada, USA, England, Kroatien und Deutschland

Der Seminarleiter der SELK von Oberursel traf am Ende des Treffens ein. Er stellte die SELK Ausbildungsstätte vor, ihre Entstehung, die höchste Studenten Zahl von einst 140, die z. Z. sich auf 24 beläuft, das Curriculum und auch die Möglichkeit, dass Gaststudenten und auch Zeit-Studenten bei ihnen wohnen oder teilnehmen können. Ich selbst stellte das St. Benedikt Seminar der AKD vor, wies auf die Ausbildung für unsere Kirche ohne staatliche Anerkennung hin, erklärte, dass das 1. Jahr zum Prädikanten, das 2. Jahr zum Diakon und das 3. Jahr zum Presbyter/Priester ausbildet. Zuvor hatte ich allen Teilnehmern unser Curriculum auf Deutsch und Englisch zugesandt. In diesem Zusammenhang überreichte ich auch dem amtierenden Bischof Vogt (SELK) unseren neuen anglikanischen Katechismus. Auch Bischof Milic aus Kroatien war anwesend und stellte das eigene Seminar in Osijek als Ausbildungsstätte der REC in Kroatien dar. Weiter nahm ein ehemaliger Dozent aus Osijek, jetzt methodistischer Pastor in der Nähe von Hanau, an diesem Lutherisch-Anglikanischen Treffen teil.

Thanksgiving Day“ in Berlin

Von Gregor Janik

Am Samstag, dem 30.11.2019 folgten 30 Personen der Einladung zur Feier des Thanksgiving Day in unsere Gemeinde Christ Church Anglican in Berlin. Eigentlich hätten wir diesen Tag am Donnerstag feiern müssen, denn in den USA wird dieser Feiertag – am vierten Donnerstag im November gefeiert.

Aber da Thanksgiving in Deutschland (noch) kein Feiertag ist und viele in der Woche arbeiten mussten, sind wir auf den Samstag ausgewichen. Es war übrigens bereits das zweite Mal, dass wir diesen Tag mit Gästen gefeiert haben.

Thanksgiving war ursprünglich ein Erntedankfest und wurde erstmals von den aus England nach Amerika ausgewanderten Pilgrimfathers 1621 begangen, als sie die erste Ernte in der neuen Welt einbrachten. George Washington hat sich 1789 für diesen Tag engagiert, der sich nach und nach in den einzelnen Bundesstaaten der USA durchsetzte, bis 1940 Präsident Roosevelt im Einvernehmen mit dem Kongress den vierten Donnerstag im November zum gesetzlichen Feiertag erklärte. Thanksgiving ist ein Tag des gemeinsamen Essens mit Freunden und Verwandten. Bestimmt war unsere Feier in Berlin auch typisch amerikanisch:

Es gab Truthahn (Turkey), Stuffing (Beilagen:geröstete Brotstücke mit Pilzen), Green Beans (Grüne Bohnen mit Speck) und andere Köstlichkeiten aus der amerikanischen Küche sowie selbst gemachte Salate und den unverzichtbaren Pumpkin Pie (Kürbiskuchen).

Jedenfalls war mehr vorhanden als wir verzehren konnten. Die Stimmung war gut und es waren viele Gäste anwesend, die bisher noch nicht in den Räumen der Connections Library, die Christ Church nutzt, gesehen wurden.

Viele sind der Einladung unserer Mitglieder und regelmäßigen Gottesdienstbesucher gefolgt und haben das, wie sich aus den Gesprächen ergab, nicht bereut. Viele anregende Gespräche wurden geführt, die unterbrochen wurden von wiederholten Nachschlägen am Buffet. Es war ein interessanter und spannender Abend, von dem sich alle einig waren, ihn nächstes Jahr zu wiederholen.

New Wineskins Konferenz in USA und Gemeindebau in Frankfurt

Jares Wensyel, l., David Ayres, Berlin; m., Abbi Wensyel, r.

Gebet und Netzwerk, um Gottes Reich voranzubringen bis zum Ende der Welt – von Jared Wensyel, Frankfurt

Ende September flogen meine Frau, Abbi, und ich nach USA, um unsere Familie zu besuchen und in manchen Gemeinden zu reden, um einen Spenderkreis aufzubauen. Für unsere neue Gemeindegründung in Frankfurt bin ich gerade dabei Spenden zu sammeln, um mein Gehalt als Pastor für die Gemeindegründung zu finanzieren. Wir hatten die Möglichkeit, uns mit mehreren Gemeinden und Personen zu treffen, die unsere Gemeindegründung jetzt schon finanziell unterstützen oder auch zukünftig unterstützen werden.

Während dieser Zeit durften wir zusammen mit Pfr. David Ayres aus Berlin eine tolle Konferenz in North Carolina erleben, genannt New Wineskins. Dort kamen mehr als 1200 Anglikaner zusammen, um über Weltmission zu sprechen. Es gab mehrere Präkonferenzen, u. a. eine Tagung mit dem Namen “Always Forward” über Gemeindegründung, bei der sich Gemeindegründer aus der ganzen Welt trafen, um solche Vorträge zu hören und über eigene neue Gemeindegründungen auszutauschen.

Bei der Hauptkonferenz gab es neben sehr lebendigen Lobpreiszeiten auch intensive Gebetszeiten und sehr spannende Vorträge aus der ganzen Welt. Zwischen den Hauptzeiten wurde man reichlich mit Essen und Getränken versorgt und es gab die Möglichkeit, Workshops zu verschieden Themen zu besuchen, bei der Buchhandlung vorbei zu schauen oder Menschen auch bei Kaffee oder Spaziergängen durch die schöne bergige Landschaft kennen zu lernen. Am Sonntag gab es einen feierlichen Abschlussgottesdienst mit einer sehr schönen, energiegeladenen Liturgie, angefangen durch einen festlichen Einzug von etwa 40 Bischöfen aus der ganzen Welt. Benjamin Kwashi, ein Bischof aus Nigeria, hielt eine erweckliche Predigt, wonach Foley Beach, der Erzbischof der Anglikanischen Kirche in Nordamerika, die Eucharistie feierte. Das war wirklich eine tolle Zeit und meine Frau Abbi, Pfr. David Ayres und ich konnten mit vielen neuen Kontakten und mehreren Impulsen für die neue Gründungsarbeiten in Frankfurt und Berlin abreisen.

Hier in Frankfurt sind wir gerade dabei eine neue anglikanische Gemeinde zu gründen. Nach vielen Jahren Mitarbeit bei der Nordstern Gemeinde in Frankfurt, fängt für meine Frau und für mich ein neuer Lebensabschnitt in dem bekannten Stadtteil Frankfurt-Sachsenhausen an. Wir bekamen nach langer Suche und viel Gebet endlich eine tolle Wohnung. Es ist in Frankfurt, vor allem im inneren Stadtkern oft nicht so einfach, eine Wohnung zu finden. Aber mit Gottes Fürsorge bekamen wir nach langem Warten eine neue Wohnung, in der wir diesen neuen Lebensabschnitt beginnen, auch irgendwann Familie gründen und die neue Gründungsarbeit starten können.

In November begannen wir mit unserem Gründungsteam zweiwöchentliche Gebetstreffen zu halten, bei denen wir zuerst etwa eine Stunde miteinander essen und Gemeinschaft haben. Danach feiern wir ein Diakonen-Abendmahl, im sehr familiären Kontext mit einem Austausch über die Lesungen und danach folgt eine intensive Gebetszeit, bei der wir für unser Team und unsere Zukunft als Gemeinde beten.

Wir wollen als Team vorrangig mit intensivem Gebet beginnen und uns zu Beginn besser kennen lernen, bevor wir gemeinsam einen Plan entwickeln, wie diese gemeinsame Gründung durchgeführt werden soll. Wir vertrauen auf Gott, dass er uns viel Weisheit und Kraft gibt, um diese Arbeit in Frankfurt zu tun. Zurzeit sind wir fünf Personen, zwei weitere werden noch auf jeden Fall dann im Jahr 2020 nach Frankfurt ziehen und Teil des Teams werden. Wir wollen diese Anfangszeit bewusst intern nutzen, in der wir das Gründungsteam aufbauen, bevor wir “öffentlich” starten. Irgendwann in 2020, wenn wir als Team den richtigen Zeitpunkt erkennen und das Gefühl haben, dass wir wirklich eine effektive Grundlage haben, werden wir die notwendigen Schritte unternehmen, um miteinander diese Arbeit öffentlich zu beginnen.

Unser Ziel besteht darin, darauf hinzuarbeiten, dass es unter Gottes Leitung so geschehen möge, damit es in den nächsten Jahren eine neugegründete, blühende anglikanische Gemeinde in Frankfurt am Main gibt.

Wir würden uns sehr darauf freuen, wenn ihr für unsere Arbeit in Frankfurt betet! Eine schöne Weihnachtszeit und Gottes Segen im neuen Jahr!

(Hinweis vom Bistum: Bitte um Spenden für diese Gemeindegründung, Verwenden Sie das AKD Kirchenkonto mit Zweck „Frankfurt“ verwenden) – S.d. am Ende: Impressum.

Ordination zum Diakon

Am 18. August fand in der Melanchthonkirche, Schauernheim, (Nähe Mutterstadt) die Ordination zum Diakon von Jared Michael Wensyel statt. Jared Wensyel ist Absolvent der Freien Theologischen Hochschule, Gießen. Er arbeitete bereits während und nach der Absolvierung in einem Gemeindegründungsteam und war zum Schluss verantwortlich für die Nordsterngemeinde, einer jungen Kirche mitten in Frankfurt. Zu seiner Ordination kamen Freunde und Kollegen aus dem Umfeld des Studiums und der Nordsterngemeinde, Glieder und Freunde der anglikanischen Gemeinde Julian von Norwich etwa 30 Personen.

Pfr. Dr. Joachim Feldes leitete durch die anglikanische Liturgie der Heiligen Kommunion, Bischof Meyer hielt die Predigt und ordinierte in Übereinstimmung mit Verfassung, Kanones und Gottesdienstordnung der Anglikanischen Kirche i. D. den Prädikanten Jared Michael Wensyel zum Diakon für den Bereich Frankfurt am Main.

Jared und seine Frau Abbi in der Mitte, umgeben vom zukünftigen Team und Studienkollegen der FTA Gießen, links Pfr. Feldes, rechts Bischof Meyer.

Anglikanische Welt: Ruanda

Anglikanischen Bischöfe in Ruanda senden Evangelisten aus

Hier in Ruanda gibt es erstaunliche Entwicklungen. Am 6. September begannen alle elf unserer Diözesen ein Projekt, das vom Gafcon Church Planting-Netzwerk in Zusammenarbeit mit Missionsorganisationen wie CRU (Campus Crusade for Christ) und der Christian Motorcycle Association (CMA) koordiniert wurde. Jede Diözese hat ein neues Motorrad und einen Jesus-Film-Rucksack für die Evangelisation und Gemeindegründung erhalten. Dieses Pilotprojekt wird ermöglichen, dass wir mehr Männer, Frauen und Kinder in ganz Ruanda mit dem Evangelium erreichen. Es wird in den nächsten zehn Monaten sorgfältig überwacht und ich hoffe, dass es weiterentwickelt werden kann, um mit dem Evangelium auf der ganzen Welt noch viel mehr zu erreichen.

The Most Rev. Dr. Laurent Mbanda 

St. Benedikt Seminar – Schwarzenborn

WS 2019/20 – 2. Präsenzwochenende

10.-12. Januar 2020

Die Horen und der Gottesdienst finden in der Kapelle, die Unterrichtseinheiten im Hauptgebäude statt.

Freitag

Anreise, Zimmer beziehen, Begrüßungskaffee

18.00 Abendlob

19.00 Abendbrot

19.30 – 21.00 Vorlesungen:

1. Jahr: Synoptische Evangelien und Apostelgeschichte (NT 102, Bertram)

2. Jahr: Kirchengeschichte des 17. Jhs. (KG 202, Thomann)

Samstag

7.30Morgenlob

8.15 Frühstück

9.00 – 10.30 Vorlesungen:

1. Jahr: Gotteslehre (SYS 101, Meyer) –

2. Jahr: Kasualpredigt II (PT 202, Bertram)

10.30 – 11.00  Pause

11.00-12.30: Vorlesungen:

1. Jahr: Religionsphilosophie II (SYS 102, Feldes)

2. Jahr: Soteriologie (SYS 201, Meyer)

12.45 Mittagessen

14.00 – 15.30 Vorlesung:

1. Jahr: Frühe Kirche II (KG 102, Moll)

15.30 –  16.00 Pause

16.00– 17.30 Vorlesungen:

1. Jahr: Katechese ( PT 103, Meyer)

2. Jahr: Ekklesiologie (SYS 202, Feldes)

18.00 Abendlob

19.00 Abendessen

Gespräche am Kamin

Sonntag

7.30 Morgenlob

8.00 Frühstück

8.30 – 9.30 Vorlesung:

1. Jahr: Homiletik II (PT 102, Feldes)

10.00 – 11.15 Gottesdienst in der Christuskapelle

anschl. Nachgespräch Präsenzwochenende

12.30 – 14.00 Mittagessen, Kaffee, Reisesegen

Bestätigung Kirchengemeinschaft

Bestätigung der Kirchengemeinschaft zwischen der AKD und der REC
http://rechurch.org/#

Artikel des Kirchenbundes zwischen Reformierter Episkopalkirche in Deutschland /AKD und Reformed Episcopal Church in North America.

Artikel I. Als ein Beweis der bestehenden Kirchengemeinschaft zwischen Reformierter Episkopalkirche in Deutschland und Reformed Episcopal Church in North America wird eine Delegation aus Geistlichen und Laien von der Synode zum General Council und vom General Council zur Synode entsandt, mit dem Recht, an den Beratungen dieser Gremien teilzunehmen.

Artikel II. Bei Bischofsweihen und Ordinationen in jeder der beiden Kirchen sind die Bischöfe und sonstigen Geistlichen der jeweils anderen Kirche zur Mitwirkung berechtigt.

Artikel III. Die Geistlichen beider Kirchen sind berechtigt, (jurisdiktionsüberschreitend) in Gemeinden der jeweils anderen Kirche ihr Amt auszuüben, und können, die Einhaltung der jeweiligen kirchenrechtlichen Bestimmungen beider Kirchen vorausgesetzt, einen Seelsorgeauftrag oder eine Pfarrstelle in der anderen Kirche übernehmen.

Artikel IV. Vollmitglieder (Kommunikanten) beider Kirchen werden von der jeweils anderen bei Vorlage einer Überweisung aufgenommen.

Artikel V. Missionsarbeiten und Gemeinden beider Kirchen können sich der jeweils anderen Kirche anschließen, wobei über die Bedingungen des Anschlusses jeweils beiderseitiges Einvernehmen hergestellt wird.

Artikel VI. In Anbetracht des großen Auftrags, der beide Kirchen in ihrem Werk verbindet, und auf dessen Grundlage versichern sie sich gegenseitig ihrer wechselseitigen Zusammenarbeit, Zuneigung und Unterstützung.

Impressum

Verantwortlich für den Inhalt

Bischof Gerhard Meyer, M.Div.; D.D.

Richbergstraße 11, 34639 Schwarzenborn

Fon & Fax +49-5686-9309235;

Email: bischof.meyer@rekd.de

Copyright

Alle Rechte über das Layout, das Logo und im Layout verwendete Grafiken, angebotene Inhalte und abrufbare Daten liegen bei der Anglikanischen Kirche in Deutschland (AKD) / REK. Die angebotenen Inhalte dürfen ausschließlich für den privaten Gebrauch verwendet werden; deren Vervielfältigung und Verbreitung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung.

Spenden:

Anglikanische Kirche i.D. e.V Spar- und Kreditbank (SKB) Witten: BLZ: 452 604 75; Konto Nr. 519 590 0

IBAN: DE15 4526 0475 0005 1959 00; BIC: GENODEM1BFG

(Verwendungszweck: allgemein oder eine Gemeinde / Mission angeben):

Sie erhalten Spendenquittungen für das Finanzamt jeweils im neuen Jahr

Diakonenweihe

August 18, 2019

Ordination von Jared Wensyel zum Diakon.

Gottesdienst und Einsegnung in der Melanchthonkirche in Schauernheim.

A K D Kirchenzeitung

Juli 24, 2019
AKD neu bunt

N a c h r i c h t e n

aus der  anglikanischen Welt

Ausgabe Nr. 6 – St. Johannis  2 0 1 9

Predigt zum Victoria und Albert Jubiläum


Coburg, 2.6. 2019 – Pfr. G. Thomann

Begonnen hatte das Festival mit einem anglikanischen Gottesdienst – schließlich stand auch dieser Tag im Zeichen der deutsch-britischen Feierlichkeiten zu den 200. Geburtstagen von Prinz Albert und Queen Victoria. Mitwirkende waren deshalb außer dem evangelischen Dekan Stefan Kirchberger noch Bischof Gerhard Meyer, Liturg, und Pfarrer Günther Thomann, Prediger, von der anglikanischen Kirche. Die musikalische Ausgestaltung übernahm Gary O’Conell.

Herzogliche Hoheiten, werter Bürgermeister und werte Gastgeber der Stadt Coburg, liebe christliche Gemeinde!

Es ist uns als Geistlichkeit der Anglikanischen Kirche in Deutschland eine große Ehre, Ihrer Einladung zu folgen und diesen Festgottesdienst gestalten zu dürfen. Wie Sie vermutlich alle wissen, begann mit Königin Victoria (später auch Kaiserin von Indien) und Prinzgemahl Albert nach dem Ende der Hannoverkönige eine neue Dynastie in Großbritannien: das Haus Sachsen-Coburg und Gotha. Es veränderte den deutsch klingenden Namen erst 1914 in Haus Windsor, also zu Beginn des unseligen Ersten Weltkriegs, der das Ende des alten Europas bedeutete. Aber darüber möchte ich heute nicht sprechen. Ich möchte mich vielmehr einmal Victoria und Albert als religiösen Charakteren im Rahmen ihrer Zeit zuwenden. Beide waren in ihren Überzeugungen noch im christlichen Europa begründet, einer Welt, die vielen heute zunehmend fremd geworden ist. Ja, Victoria und Albert hatten beide eine tiefe evangelikale Frömmigkeit. Die katholische Erneuerung der Kirche von England, die 1833 mit der Oxford Bewegung von John Keble, Edward Bouverie Pusey und John Henry Newman begann und die in ihrer späteren Phase als Ritualismus oder Anglo-Katholizismus bekannt ist, war ihnen abgrundtief zuwider.

Beide wollten nur auf die einfachste Weise Gottesdienst feiern. Victoria empfing sogar das Abendmahl bei den schottischen Presbyterianern – etwas, was wir heute als ökumenische Geste oder Akt persönlicher Freiheit verstehen würden, aber damals als Skandal galt. Victoria erlaubte sich durchaus auch einen Eingriff in das Book of Common Prayer, also die anglikanischen Liturgie: 1859 ließ sie, ohne Rücksprache mit der Konvokation der Bischöfe und des Klerus, drei Feiertage aus der Liturgie entfernen: den Gedenktag König Karls des Märtyrers (Charles I. Stuart) am 30. Januar, den Tag der Restauration der Monarchie am 8. Mai (1660) und den Gedenktag der sog. Pulververschwörung vom 5. November, einer jesuitischen Verschwörung und ihrer Aufdeckung im Jahr 1605. Dieser Vorgang wäre heute undenkbar und gilt bis heute in der anglikanischen Welt als kontrovers. Wir wissen nicht genau, was die eigentlichen Ursachen dafür waren – nur eine persönliche Abneigung gegen diese Elemente oder der ernsthafte Versuch, den konfessionellen Frieden des Landes zu erhalten? Prinz Albert hielt sich in kirchlichen Dingen eher zurück. Seine Liebe galt der Kunst, der Musik und dem Gartenbau. Die berühmte Royal Albert Hall m Londoner Stadtteil Kensington verdankt ihm ihre Existenz.Auch die königliche Gartenbaugesellschaft, die Royal Horticultural Society, förderte er. Sie sammelte Pflanzen aus allen Teilen des Reiches. Die Zeit unserer Jubilare war ja die Zeit der größten Ausdehnung des Britischen Empire, des größten Reiches, das jemals auf der Erde bestand. Großbritannien war das am frühesten und am meisten entwickelte Industrieland Europas, das Land der sogenannten Industriellen Revolution. Die Städte wuchsen rasant an, die verarmte Landbevölkerung drängte in die Städte, neben Wohlstand entstanden in den Städten Armut und düstere Slums, die zu Brutstätten von Ausbeutung, Laster und Choleraepidemien wurden. Für die innere und äußere Mission der Kirchen entstand eine gewaltige Aufgabe, die mit den alten Mitteln nicht mehr zu bewältigen war. Die neu gegründeten Orden und Schwesternschaften, die aus der Oxford Bewegung hervorgegangen waren, nahmen sich dieser Aufgabe an, nach anfänglichen Widerständen in Kirche und Gesellschaft freilich. Auch die Freikirchen standen nicht abseits. So entstand etwa die Salvation Army (Heilsarmee) und deren kirchliche Konkurrenz, die Church Army. Nach deutschem Vorbild, etwa Kaiserswerth, entstand auch eine Schwesternschaft von Diakonissen. Es ist erfreulich zu sehen, dass auch der Gründer der lutherischen Diakonissen, Wilhelm Löhe, Kontakte zur anglikanischen Schwesternschaft von Thomas Thelusson Carter in Clewer bei Windsor hatte. Man betrat ja überall Neuland!

Die soziale Frage brannte den Menschen im Zeitalter der Industrialisierung unter den Nägeln. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch der Revolutionär Karl Marx damals in London Zuflucht fand. In keiner Zeit der Geschichte des Landes wurden so viele Kirchen und Kapellen gebaut wie im viktorianischen Zeitalter, von denen viele heute leider nicht mehr existieren. Sie dienten der wachsenden Bevölkerung, waren aber auch Ausdruck des missionarischen Geistes und der liturgischen Erneuerung dieser Zeit. Hand in Hand ging damit die Architektur der Neugotik, die sich bewusst als christliche Architektur verstand. Auch die äußere Mission bedeutete eine riesige Herausforderung, der sich zunächst Missionsgesellschaften, später auch Orden annahmen. Nicht ohne Grund lebt ja heute der größte Teil der Anglikaner, wie auch bei den anderen großen Kirchen, in den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, nicht mehr in Europa und Nordamerika. Wir Europäer tun uns heute oft schwer damit, dies anzuerkennen. Wir sind eben nicht mehr der Nabel der christlichen Welt.

Königin Victoria wurde oft die ‚Großmutter Europas‘ genannt, da sie mit den meisten Dynastien ihrer Zeit verwandt war. In den späteren Jahren ihres Lebens wirkte sie oft wie eine Matrone, durchaus bescheiden in ihrem Wesen und wenig pompös. Der Unterschied zu anderen Kaiserinnen ihrer Zeit wurde kaum jemals deutlicher, als die Kaiserin von Österreich, die für ihre Extravaganzen berühmte Sisi, Victoria anlässlich eines Jagdaufenthalts besuchte und sie dafür mitten aus einem Gottesdienst in Windsor holte. Auch mit der Kaiserin von Frankreich, Eugenie, die es liebte zu provozieren und zu schockieren, tat sich Victoria schwer. Eugenie hatte ihre Krone nach dem preußisch-französischem Krieg von 1870 verloren (der ja bekanntlich zur Gründung des Deutschen Reiches ausgerechnet im Spiegelsaal von Versailles führte) und musste vor den Aufständischen in Paris nach Großbritannien flüchten, wo sie auch in der katholischen Benediktinerabtei Farnborough in Hampshire begraben liegt.

Die ‚Großmutter Europas‘ war durchaus eine gläubige Frau. Als sie 1901 starb, ging eine Epoche der Geschichte mit ihr zu Ende. Sicher sehen wir heute vieles anders als damals, etwa den Kolonialismus, der damals nicht anstößig war. Aber auch unsere Perspektive ist ja, wie die aller Menschen, begrenzt. Was werden unsere Nachfahren einmal von uns denken – wir wissen es nicht. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es üblich, das ganze 19. Jahrhundert zu verurteilen. Aber ist das gerecht? Wir müssen uns immer bewusst bleiben, dass im menschlichen Leben Licht und Schatten sehr oft nahe beieinander liegen!

Liebe Gemeinde, wir haben gerade die Wahlen zum Europaparlament hinter uns, einer Einrichtung, die ja den meisten von uns wertvoll und wichtig ist. Aber lassen wir uns nicht täuschen: Nichts was der Mensch schafft, ist ewig! Gott allein ist ewig! Es kann gut sein, dass die Landkarte Europas in 50 oder 100 Jahren wieder eine andere sein wird als heute. Krieg, Aggression und soziale Konflikte sind keineswegs gebannt. Auch die Zeitgenossen Victorias und Alberts glaubten an den langen Bestand des Britischen Empire, obwohl schon damals leise Stimmen davor warnten. Der Landpfarrer John Ellerton (er starb 1893), dessen Abendlied ‚The day thou gavest, Lord, is ended‘ (‚Der Tag, den Du gegeben hast, Herr, ist zu Ende‘), das sich heute in fast allen anglikanischen Gesangbüchern findet, schrieb schon damals: ‚Lord, thy throne shall never like earth‘s proud empires pass away‘, ‚Herr, dein Thron wird niemals wie die stolzen Reiche der Erde vergehen‘. Tatsächlich zeigten sich schon 1916 Risse im Empire: Beim Osteraufstand in Dublin, der zur Gründung der Irischen Republik führte und nach einem Hungerwinter begann.

Nichts, was der Mensch aufbaut, ist für die Ewigkeit! Aber wir haben eine starke Orientierung im Wandel der Zeiten: Jesus Christus, den Gekreuzigten! Er ist die Sühne für unsere Sünden, wie der Apostel Johannes sagt (1.Joh. 2,2;4,10; auch der Apostel Paulus in Röm. 3,25). Jesus Christus, der Sohn Gottes, die zweite Person der Heiligen Dreieinigkeit, er wurde Mensch und erniedrigte sich bis ans Kreuz. Der Unschuldige litt für die Schuldigen, der Reine für die Unreinen, der Gott-Mensch für seine Geschöpfe, denn Gott konnte und wollte die Sünde und Schuld der Welt nicht einfach unter den Tisch kehren. Sie war, ist und bleibt eine Realität! Es war das Zeichen der höchsten Liebe Gottes zu den Menschen, seiner Schöpfung. So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab, wie wiederum der Apostel Johannes sagt (Joh. 3,16). Das war auch die tiefe Überzeugung unserer Jubilare! Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, die Auferstehung und die Hoffnung für uns alle. Amen!

City to City DACH Treffen – Hamburg

11. – 12. Juni 2019 – Jared Wensyel, Frankfurt

Dieses Jahr traf sich das Gemeindegründungsnetzwerk City to City DACH – Deutschland, Österreich und Schweiz – zusammen in der schönen Stadt Hamburg. Es kamen verschiedene Gemeinden und Gemeindeneugründungen aus den verschiedenen deutschsprachigen Städten Europas, um 10 Jahre City to City DACH zu feiern, mit verschiedenen Leuten Gemeinschaft zu genießen und miteinander kreativ ins Gespräch kommen und sich darüber auszutauschen, wie wir unsere Städte mit dem Evangelium erreichen können.

Ich, der ich schon seit fünf Jahren im Netzwerk aktiv bin, freute mich sehr, dieses Jahr meine anglikanischen Brüder David Ayres aus Berlin und Michael Winkler aus Hamburg an meiner Seite zu haben! Es war eine schöne Zeit mit ihnen, und viele andere Pastoren und Gemeindegründer aus verschiedenen Denominationen haben sich auch bei mir gemeldet, um zu sagen, wie sehr sie sich freuen, dass es jetzt auch Anglikaner mit ihrer starken Tradition in unserem Netzwerk gibt.

Am ersten Abend trafen wir uns im Schanzenviertel, im Büro des Hamburgprojekts, einer junge Kirche in Hamburg und eine der ersten City to City Gemeindegründungen in Deutschland. Dort konnte man erst einmal gemütlich ankommen, sein Namensschild ausfüllen und Kaffee trinken, während man die ersten Leute kennen lernte.

Danach fing das Programm mit einer Zeit der Anbetung an, in der Pastor Steffen Weil aus der Gemeindegründung Mittendrin Potsdam uns einen kurzen Impuls aus Apg 13, 1-3 gab, und wir ein paar geistliche Lieder miteinander gesungen haben. Er sprach über die Berufung der ersten Gemeindegründer für Europa, Barnabas und Paulus, und welche Bedeutung Gebet, Fasten und völlige Abhängigkeit von Gottes Plan für die Gemeindegründungsarbeit hat.

Danach zeigte der Direktor von City to City Europe, Stephan Pues, der vor kurzem auch bei unserer Synode gesprochen hatte, was Gott in den letzten 10 Jahren von City to City DACH alles vollbracht hat, u.a. die Gründung von über 25 neuen Gemeinden. Wie toll! Er träume davon, was Gott alles in der Zukunft durch unser Netzwerk noch machen wird.

Für die Konferenz wurde ein Redner aus Birmingham, England, eingeladen, Jonathan Bell aus der Gemeindegründungsbewegung Birmingham 20/20, der am ersten Abend über die Herausforderung der jungen Generation Y, auch Millenials genannt, gesprochen hat. Dabei hat er auf interessante Art und Weise erläutert, welche Chancen und Herausforderungen diese Generation für die Gemeindegründungsarbeit mit sich bringt. Dieses Thema – wie können wir die junge Generation der Millenials erreichen – war zum großen Teil Hauptthema unseres Treffens in diesem Jahr.

Danach gingen wir alle miteinander zum Restaurant Peter Panne Burger essen. Nachdem alle gut satt waren, kehrten wir zurück zu Haus 73 in der Schanze, um miteinander 10 Jahre City to City DACH mit Musik, Festreden und gutem Bier zu feiern. Sowohl das Essen als auch die Geburtstagsfeier wurden von amerikanischen Spendern finanziert, die viele Kosten des Treffens auf sich genommen haben, um den Gemeindegründern der deutschsprachigen Städte den Rücken zu stärken.

Am nächsten Morgen trafen wir uns noch mal, aber dieses Mal in der HafenCity bei einem Co-Working Space, ein Ort, an dem verschiedene Unternehmen zusammen Büroplätze mieten. Nach einer Andacht zum Beginn teilten wir uns in verschiedene Gruppen auf, um in kreativen Austausch über bestimmte Fragen zu kommen, die das Thema, Millenials mit dem Evangelium erreichen, betrafen, wie etwa die Frage der Digitalisierung oder welche Bedürfnisse und Fragen Millenials haben, die nur durch das Evangelium erfüllt und angesprochen werden können.

Nach einer gemütlichen Mittagspause kamen wir wieder dort zusammen, um den zweiten Beitrag von Jonathan Bell aus Birmingham zu hören. Dort sprach er jetzt über Wege, wie man Millenials mit dem Evangelium erreichen kann. Er sprach davon, wie wir Millenials mit Wahrheit, Wurzeln und Auftrag begegnen müssen.

1. Wahrheit: Wir müssen nicht für Millenials die Wahrheit des Evangeliums aufweichen. Damit werden wir nur oberflächliche Gemeinden gründen, die nicht so lange Stand haben. Wir müssen stattdessen die Wahrheit des guten, alten Evangeliums ihnen auf einer Art und Weise kommunizieren, dass sie es verstehen und darin wachsen können.

2. Wurzeln: Millenials haben eine Sehnsucht nach starken Wurzeln. Viele von ihnen kommen aus gebrochenen Familien und sind Scheidungskinder. Sie sehnen sich nach einer starken Familie geprägt von starken Wurzeln. Dieses Bedürfnis können wir mit evangeliumszentrierten Gemeindegründungen stark ansprechen.

Und 3. Auftrag: Millenials fühlen eine starke Verantwortung für ihre Welt und wollen viel tun, um sie zu verändern. Oft kommt diese Generation mehr durch praktische Erfahrung als durch große Vorträge zur Wahrheit des Evangeliums. Wir müssen ihnen den starken Auftrag des Evangeliums zugänglich machen, indem wir konkrete Aufträge formulieren und ausleben, den sich Millenials anschließen können, auch bevor sie eine Glaubensentscheidung getroffen haben. Hier sprach er von der Wichtigkeit des Schemas: Belonging — Believing — Behaving = Zugehörigkeit — Glaube — Gehorsam, um unter Millenials Gemeinden zu gründen, bei denen sie im Glauben an Jesus Christus wachsen können.

Beim Abschluss des Treffens wurde ein konkretes Gebetsthema für das ganze nächste Jahr erwähnt: das Rhein-/Ruhrgebiet. Der Gemeindegründer von Spectrum in Düsseldorf, Chris Musselman, stellte vor, wie er gerade in der Gegend rund um seine Stadt eine Zusammenarbeit unter Gemeinden und Gemeindegründungen aufbauen will, um dort mehr evangeliumszentrierte Gemeindegründungs- und Erneuerungsarbeit zu fördern. Wir sollten alle im nächsten Jahr dafür beten!

Ich vernetzte ihn auch mit Pastor Marc Jankowski in Neuss, und hörte sogar schon von, dass ein sehr gutes Gespräch daraus entstanden ist. Danach teilten wir uns als Abschluss in kleine Gruppen auf, um für das Thema Rhein-/Ruhrgebiet und füreinander zu beten.

Insgesamt war das ein tolles Treffen! Ich hoffe, es war auch für meine Anglikanische Brüder aus Hamburg und Berlin ermutigend und hilfreich. Es ist immer inspirierend, sich mit anderen Glaubensgeschwistern zu treffen, um darüber zu sprechen, wie wir mit dem Evangelium! die Menschen unserer Ortschaften und unserer Zeit erreichen können. Ich lade herzlich ein, für das Netzwerk und die verschiedene Gründungsarbeiten zu beten, u.a. für uns in Hamburg, Berlin und Frankfurt!

Ernennung zum Lay-Reader

4. Mai 2019, Mainz – Dr. Sebastian Moll

Pfarrer Dr. Joachim Feldes l. – Dr. Sebastian Moll – Bischof Gerhard Meyer r.

Am 4. Mai wurde ich in der Klosterkirche Maria Mater Dolorosa in Mainz durch unseren Bischof Gerhard Meyer und Pfarrer Joachim Feldes als Lay-Reader eingeführt. In der Epistellesung hörten wir von der „unverfälschten, geistigen Milch“ (1. Petrus), nach der wir Christen verlangen sollen. Ich wählte diesen Gedanken als Predigttext und möchte auch meinen Dienst unter diesen Gedanken stellen. So übernehme ich dieses Amt voller Inbrunst einerseits und voller Demut andererseits, in der Hoffnung, mich selbst weiterhin an der Milch des Evangeliums stärken und diese zugleich anderen Hungrigen darreichen zu können.

19. Synode der Anglikanischen Kirche in Deutschland

Bischof Gerhard Meyer D.D.

Vom 24.-26. Mai 2019 fand die 19. Synode der AKD in Schwarzenborn, Nordhessen, statt. Erzbischof Dr. Ray Sutton, traf einen Tag zuvor aus England ein. Dort hatte er an der jährlichen Convocation der Free Church of England, der Schwesterkirche der Reformed Episcopal Church, USA, teilgenommen. Eine Woche zuvor war er in Kroatien zur Visitation in der Auslandsdiözese bei Bischof Jasmin Milic in Osijek.

Zu Beginn der 19. AKD Synode gab es verschiedene Grußworte aus den neuen Bundesländern und den USA. Danach eröffnete Erzdiakon Thomas Kohwagner die 19. Synode.

Geistliche, Abgeordnete und Anwärter – Mitte: Erzbischof Sutton l. – Bischof Meyer r.

Erzbischof Dr. Ray Sutton sprach zuvor über den im Jahre 2014 vom damaligen Bischof Royal Grote vorgeschlagenen und von der Synode angenommenen Artikel des Kirchenbundes zwischen der Anglikanischen Kirche in Deutschland (damals REK) und der Reformed Episcopal Church USA. Damals in 2014 übergab Bischof Grote den Bischofsstab an Bischof Meyer. Dieser übernahm von diesem Zeitpunkt an das Amt des Ordinarius für die deutsche Diözese, die von diesem Zeitpunkt an nicht mehr Missionsbistum war. Erzbischof Sutton erläuterte noch einmal die Bedeutung des von ihm unterschriebenen Artikels im Beisein aller Geistlichen und Abgeordneten. Dieser soll nun in Zukunft mit Leben gefüllt werden.

Danach wurden die Berichte der Gemeinden und Kommissionen vorgestellt, teilweise erläutert und über deren Annahme abgestimmt, sowie der im rechtlichen Verein verabschiedete Finanzbericht vorgestellt und erläutert. Zum Schluss wurden neue Berufungen für den Bistumsrat / Bistumsverwaltungsrat und für neue Komitees ausgesprochen.

Eine weitere Zwischensynode ist für den 26. Oktober 2019 in Schwarzenborn geplant, die nächste Hauptsynode ist für den 22.-24. Mai 2020 geplant.

Europadirektor Stephan Pues

Der Nachmittag stand unter dem Thema „Gemeindegründung in der Großstadt“. Bischof Meyer hatte den Europadirektor Stephan Pues von City to City Europe (www.citytocityeurope.com) eingeladen, um weitere Impulse für neue Gemeindegründungen zu erhalten.

Am Samstagabend trafen sich Geistliche und Abgeordnete zu einem Buffet im Haus Schwalmblick, im Knüllcamp. Die Synode wurde durch einen feierlichen Gottes-dienst am Sonntagmorgen mit Heiliger Kommunion abgeschlossen. Erzbischof Sutton hielt die Predigt, die übersetzt wurde.

DIE REFORMIERTE EPISKOPALKIRCHE

AMTSSITZ FÜR DIE VEREINIGTEN STAATEN UND KANADA

Gründungsmitglied der Provinz der

ANGLIKANISCHEN KIRCHE IN NORDAMERIKA

Fest der Heiligen Dreifaltigkeit 16. Juni 2019

Erzbischöfliches Hirtenschreiben

(Übersetzung Dr. Sebastian Moll)

https://www.holycommuniondallas.org/

Lieber Bischof Gerhard, Geistliche und Laien in der deutschen REC (Anglikanische Kirche i.D.).

Grüße im Namen unseres dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Unser dreieiniger Gott lebt. Aber Jesus sagt über die drei Personen der Gottheit: „Wir werden kommen. . . und Wohnung nehmen“ (Johannes 14:23). Gott sei Dank, dass die Heilige Dreifaltigkeit bei uns wohnt!

Ich schreibe diesen Hirtenbrief als Nachbereitung meines kürzlichen wundervollen Besuchs bei Euch in der vierten Woche nach Ostern. Seit den frühesten Tagen der Kirche haben Bischöfe und Erzbischöfe oft Briefe aus Liebe gesandt, um den Kirchen in ihrer Obhut zu helfen. Aus diesem Grund werden sie Hirtenbriefe genannt. Mit dieser liebevollen Fürsorge für unsere wertvolle Anglikanische Kirche in Deutschland /REK schreibe ich an meine lieben Brüder und Schwestern.

Zunächst möchte ich jedoch Bischof Gerhard und der lieben Grace für ihre großzügige Gastfreundschaft danken. Sie sind wirklich so treue, liebevolle Diener unseres Gottes. Ich möchte Euch allen meinen Dank für Euren herzlichen und unterstützenden Empfang aussprechen. Ich habe die Gelegenheit, die deutsche Kirche besser verstehen zu lernen, sehr geschätzt. Ich war auch froh, an den Lehrseminaren über Gemeindegründung und potenzielle Jugendarbeit teilzunehmen. Die kombinierten Aktivitäten Eurer Synode haben mich ermutigt, und Euch hoffentlich auch. In unserer Kirche arbeiten wir daran, dass unsere Synoden mehr sind als nur eine Zeit zum Nachdenken. Wir bemühen uns, dass sie Stätten der Weiterbildung und Strategieentwicklung werden, gerichtet auf das Ziel der Erweiterung des Gottesreiches. Vielen Dank für Euer Vorbild in dieser Hinsicht!

Zweitens, und damit zu meinem Hauptanliegen bei diesem Schreiben, stelle ich fest, dass viele von Euch schon seit einiger Zeit am Aufbau der Anglikanischen Kirche in Deutschland / REK arbeiten. Und Ihr leistet großartige Arbeit. Die Diskussionen in den Synodalsitzungen und in der persönlichen Gemeinschaft mit so vielen von Euch haben mir in meiner pastoralen Beziehung zu Euch sehr geholfen. Unser Zusammensein hat mich dazu veranlasst, darüber nachzudenken, wie ich weitere pastorale Kommentare abgeben kann, um das Verständnis aller dafür zu stärken, wer wir sind und wie eine Kirche wie die unsere funktioniert. Zu diesem Zweck biete ich in der Liebe Christi die folgenden pastoralen Gedanken und Lehren an:

A. Das Missionsziel der Nordamerikanischen Reformierten Episkopalkirche

Der Missionsbefehl ruft dazu auf, das Evangelium zu verbreiten. Das Muster, das wir in der Apostelgeschichte finden, ist Evangelisation durch die Gründung von Missionen und Kirchen. Irgendwann kommen die neuen Kirchen in den Wirkungsstätten des Paulus unter die Leitung von Presbytern/Bischöfen. Die frühen Kirchenregionen werden zu eigenständigen Kirchen, die unter den Völkern der Welt entstehen. Das Wort eigenständig (‚autochthon‘) bedeutet, dass die Kirchen unabhängig, aber dennoch miteinander verbunden waren, durch die Interkommunion zwischen den Bischöfen, einen gemeinsamen Glauben auf Grundlage der Schrift sowie die frühen Glaubensbekenntnisse und Konzile. Auch Kanones wurden in der Gemeinschaft der Ungeteilten Kirche untereinander geteilt. In diesem Sinne behielten die Kirchen ein gewisses Kontinuitätsgefühl bei, hatten jedoch ihre eigene Autonomie. Dies ist das Modell, nach dem wir streben. Unser Ziel war nie kolonialistisch als Herrschaft einer nationalen Kirche über andere. Wir beten für den Tag, an dem Eure Diözese zu mehreren Diözesen und einer eigenständigen, deutschen Anglikanischen Kirche heranwächst.

B. Die konziliare Sicht der Kirche

Seit Pfingsten gibt es drei Grundmodelle der Kirche. Das lehramtliche Model meint die Führung eines Bischofs unter Ausschluss anderer Bischöfe, Geistlicher und Laien. Das synodale Modell der Kirche arbeitet mit einem Ausschuss des Ganzen, in dem jedes Mitglied über alles abstimmt. Das konziliare Model sucht die Konsensbildung im Volk Gottes: Bischof, Klerus und Laien. Es ist hierarchisch und zugleich demokratisch-repräsentativ in Form der Synode. Alle Pfarreien sind durch ihre Geistlichen und Laiendelegierten vertreten. Das konziliare Modell enthält Elemente der beiden anderen Modelle und hält diese im Gleichgewicht. Es gibt eine Hierarchie, das Individuum und die Gemeinde, und allezeit wird nach einem Konsens im Volk Gottes gesucht. Kanonische Angelegenheiten können zur Prüfung auf der Synode vorgeschlagen werden, jedoch nur unter vorheriger Einbeziehung des Bischofs. Aus diesem Grund ist der Ordinarius von Amts wegen Mitglied jedes Ausschusses. Gleichzeitig darf ein Bischof seine Ansichten der Synode nicht ohne Zustimmung des Klerus und der Laienvertreter aufzwingen.

Ich erinnere mich an die biblische Grundlage für das konziliare Modell, wenn ich an die Tage nach der Himmelfahrt unseres Herrn vor dem ersten Pfingstfest denke. In diesem Zeitraum von zehn Tagen wählte der Zwölferkreis den nächsten Apostel aus, um das Episkopat des Judas zu füllen (Apg 1,20). Der Text in Apostelgeschichte 1 besagt, dass alle an diesem Prozess beteiligt waren, Apostel und Laien. Die Nominierten wurden auf zwei Personen eingegrenzt. Dann wurde das Los geworfen, wie auch immer man sich das genau vorzustellen hat. An diesem Vorgang nahm nur der Zwölferkreis teil. Sie repräsentierten das Ganze. Es gab viele andere Anhänger des auferstandenen Christus wie etwa die fünfhundert, denen er erschienen war. Weder eine einzelne Person noch eine Gruppe von Personen aus dem Zwölferkreis trafen die Entscheidung. Der heilige Petrus leitete die Versammlung und predigte. Dennoch ernannte er nicht den nächsten Apostel. Sogar seine Führungsrolle bei solchen Treffen änderte sich im beim Apostelkonzil von Jerusalem – der Heilige Jakobus übernahm die Leitung. Die Apostel haben sich auch nicht selbst dazu entschlossen, die Stelle neu zu besetzen. Es gab einen Konsens des Ganzen. Dieses konziliare Modell spiegelt besser als jeder andere Ansatz die Heilsordnung der Heiligen Dreifaltigkeit wieder, die der Eine und die Vielen ist.

C. Ein pastorales Modell der Bischöfe

Aus der obigen konziliaren Beschreibung der Kirche geht hervor, dass die Reformierte Episkopalkirche in ihrer Geschichte bischöflich ist, insofern sie das Amt des Bischofs aus der frühen Kirche beibehält. Gleichzeitig waren wir nie lehramtlich oder synodal. In Bezug auf unser Verständnis der Rolle der Bischöfe sind wir zu einem pastoralen Modell zurückgekehrt, im Gegensatz zu einem herrschaftlichen Verständnis des Episkopats. Das biblische Modell ist pastoral, nicht monarchisch, auch keine Prälatur. Dies bedeutet, dass die Bischöfe oberster Pastor, Mittelpunkt der Einheit, Lehrer, Liturgiebeauftragter, Missionar (Vorreiter für das Evangelium) und Verwalter sind. Ihre Führung geschieht nicht von oben herab, sondern von vorne, von innen, von der Seite und ja sogar von hinten – wie ein Hirte Schafe führt. Die Hirten des Herrn sollen durch Gottseligkeit und Konsensbildung unter den Menschen führen, nicht durch Zwang. Sie müssen von Zeit zu Zeit Urteile fällen und Entscheidungen treffen. Die Entscheidungen werden nicht immer allen gefallen. Sie müssen auf Grundlage der Heiligen Schrift in Übereinstimmung mit der Verfassung und den Kanones und in Liebe getroffen werden. Dann ist das Volk Gottes aufgerufen, in Respekt und Unterstützung zu folgen, auch dann, wenn ihnen eine Entscheidung nicht gefällt. Dies macht unser Modell für Bischöfe biblisch, pastoral, hierarchisch, konstitutionell und einvernehmlich.

D. Die derzeitige Beziehung zwischen der REC Nordamerika und der AKD in Deutschland

Nach meinem Verständnis seid Ihr derzeit eine Diözese mit acht Missions- und Ortsgemeinden. Ihr seid von ausgesandten REC Missionaren zu einer Missionsdiözese mit einem Missionsbischof und jetzt zu einer Diözese mit Eurem eigenen Ordinarius gewachsen. Eure Diözese ist vorübergehend Teil der REC Nordamerika. Es steht Euch frei, Eure Diözese unter der Leitung des Herrn zu entwickeln. Kanonische Angelegenheiten sollten auf die gleiche Weise behandelt werden wie jede unserer anderen Diözesen Änderungen vornimmt. Was immer Ihr als notwendig erachtet und von der Synode genehmigt wird, sollte zuerst dem REC Erzbischof und dem Vorsitzenden des REC Verfassungs- und Kanonausschusses vorgelegt werden. Letzterer wird den Vorschlag prüfen, um sicherzustellen, dass eine Empfehlung nicht gegen die Verfassung und den Kanon des Ganzen verstößt. Wird nichts gefunden, was den Standards der gesamten Reformierten Episkopalkirche zuwiderläuft, steht es der einzelnen Diözese frei, die kanonischen Änderung umzusetzen. Der gleiche Prozess würde in Bezug auf die Liturgie angewandt oder sogar in Bezug auf etwas, das die Lehre der Kirche berührt. Aus diesem Grund haben wir die Ständige Liturgische Kommission und den Ausschuss für Lehre und Gottesdienst, um diese Art von Angelegenheiten zu überprüfen.

E. Die Voraussetzungen für die Anerkennung der Jurisdiktion als eigenständige oder nationale Kirche

Die für Missionen, Pfarreien und Diözesen erforderlichen Standards und Mindestzahlen sind in der Verfassung und im Kanon der Reformierte Episkopalkirche Nordamerika/RECNA enthalten. Es besteht möglicherweise eine leichte Abweichung von Eurer gegenwärtigen Verfassung und Euren Kanones in Bezug auf die erforderlichen Zahlen. Im Allgemeinen gelten in unserer Kirche die folgenden Anforderungen:Mindestens zwölf erwachsene Mitglieder, um eine Mission zu werden; mindestens neunundzwanzig oder in einigen Fällen neununddreißig, um eine richtige Ortsgemeinde zu werden; mindestens zehn bis zwölf Gemeinden, um eine Diözese zu bilden; und mindestens zwei oder mehr Diözesen, um eine Jurisdiktion zu bilden. Die Mitgliedschaft in örtlichen Gemeinden sollte regelmäßige Anwesenheit und Teilnahme an Gottesdiensten erfordern. Eine Mitgliedschaft sollte mehr sein als nur Namen auf einer Liste, die einwilligen, Mitglied zu sein. Aus diesem Grund wird in der REC auch nach durchschnittlicher Sonntagsanwesenheit (DSA) bewertet. Wichtig ist, dass in unserer Provinz in der anglikanischen Kirche in Nordamerika eine DSA von tausend Teilnehmern gegeben sein muss, bevor aus einer Missionsdiözese eine Volldiözese wird. Dies hilft bei der Bestimmung des tatsächlichen Engagements.Bei der Bildung einer Diözese ist ein weiterer kritischer Mindeststandard die Fähigkeit, einen Ordinarius (den Bischof) in Vollzeit zu unterstützen. Ohne die finanzielle Unterstützung für ihn, so dass er alle seine Bemühungen dem Bischofsdienst widmen kann, wird die Diözese wahrscheinlich nicht aufrechterhalten werden können. Bischof Gerhard konnte sein ganzes Leben für die Gründung und den Aufbau der ersten Diözese auf Grundlage der Unterstützung der REC in den USA und seines Dienstes im Knüllcamp (Euro Ruf GmbH) aufbringen. Dies war eine wichtige Vorbedingung für die Bildung der deutschen AKD. Ein Teil des Werdens einer eigenen Diözese bedeutet jedoch die Fähigkeit der Diözese, sich selbst zu erhalten. Aus diesem Grund ist die geforderte Nachhaltigkeit auf Gemeinde- und Diözesanebene so wichtig. Ohne die notwendige Anzahl an Menschen wird es nicht genug Unterstützung geben, um einen Vollzeitbischof zu finanzieren.F. Anglikanisch bedeutet nicht mehr ‚Englisch‘Schließlich sollte ich darauf hinweisen, dass Anglikanismus auf der ganzen Welt sicherlich nicht mehr in allen Teilen Englisch ist. Anglikanisch bedeutet nicht ‚Englisch‘. Sogar zu Beginn war anglikanisch nicht ausschließlich Englisch. Es gab den Einfluss der Kelten aus Irland und Schottland. Der anglikanische Weg schloss sogar den keltischen Mönch St. Bonifatius mit ein, der nach Fritzlar kam. Anglikanisch wurde daher zu einer Art und Weise, das christliche Leben zu leben, die sich katholisch in und durch den keltischen Kontext nach Europa und darüber hinaus ausbreitet. Dieser anglikanische Weg durchlief die Reformation und führte ihn zu seinen Wurzeln im Evangelium und in der Heiligen Schrift zurück. Er ist nicht nur katholisch, sondern auch reformatorisch in Glauben, Anbetung und Leitung. Seine Formeln sind die Heilige Schrift, die katholischen Glaubensbekenntnisse, das Allgemeine Gebetbuch und die Neununddreißig Artikel (die weitgehend auf dem Augsburger Bekenntnis basieren und einen Großteil davon einschließen). Der anglikanische Weg hat sich mittlerweile von einem Teil der Welt in jedes Land ausgebreitet. Das Wort ‚anglikanisch‘ wird jedoch allgemein verwendet, um uns zu beschreiben.Zusammenfassend hoffe ich, dass diese pastoralen Lehren Euch eine Hilfe sein werden auf Eurem weiteren Weg in Richtung einer eigenständigen deutsches Anglikanischen Kirche. Vielleicht können wir, wenn ich das nächste Mal bei Euch bin, meinen Hirtenbrief genauer besprechen.Mein letzter Gedanke für Euch ist es jedoch, meine volle Unterstützung für Eure wichtige deutsche Anglikanische Kirche anzubieten. Seid Euch meiner täglichen Gebete sicher! Ich freue mich immer darauf, das wunderbare Deutschland zu besuchen. In der Zwischenzeit, Gnade und Segen an alle unsere deutschen anglikanischen Brüder und Schwestern.In ChristusThe Most Rev. Dr. Ray R. Sutton, Ph.D. Presiding Bishop (Erzbischof)

Vor Gott und den Menschen

Gedanken zu Lessings Ringparabel – Dr. Sebastian Moll

Vor nunmehr 240 Jahren veröffentlichte Gotthold Ephraim Lessing sein berühmtes Werk „Nathan der Weise“Gott inklusive der wohl noch berühmteren Ringparabel.  Die Geschichte der drei Brüder, von denen jeder aufgrund der väterlichen Zusage glaubt, den einen Ring zu besitzen, der die Macht hat, „vor Gott und den Menschen angenehm zu machen“, dies aber nicht beweisen kann, da die drei Ringe äußerlich nicht zu unterscheiden sind, wird von Lessing auf die drei monotheistischen Religionen übertragen. Zum entscheidenden Kriterium der Religion wird somit nicht der Wahrheitsanspruch der historischen Offenbarung, sondern einzig und allein ihre Fähigkeit, ein gutes Leben zu führen und so „vor Gott und den Menschen angenehm zu machen“.

Lessings aufklärerische Haltung erfährt insbesondere in unseren aktuellen Debatten angesichts der erstarkten Präsenz des Islams wieder große Aufmerksamkeit. Während die einen die weitsichtige Toleranz des großen Dichters loben, fürchten die anderen religiöse Beliebigkeit. Doch neben dieser Frage birgt die Erzählung noch ein ganz anderes Problem. Ist es wirklich ein und dasselbe Verhalten, das vor Gott und den Menschen angenehm macht? Lehrt die Heilige Schrift nicht an zahlreichen Stellen, dass Gott gänzlich andere Bewertungskriterien ansetzt als die Welt? Mahnen uns Petrus und die übrigen Apostel nicht, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen?

Die Liste derjenigen, die aufgrund ihres christlichen Bekenntnisses kein Ansehen in der Welt genossen, sondern stattdessen von ihr verfolgt und getötet wurden, ist schier endlos. Sie reicht von dem biblischem Märtyrer Stephanus über Thomas Cranmer (†1556) und Dietrich Bonhoeffer († 1945) bis hin zu den 21 koptischen Christen, die 2015 in Libyen enthauptet wurden. Wie wundervoll wäre es, wenn ihr vorbildliches christliches Leben sie auch vor den Menschen angenehm gemacht hätte!  Aber so lange wir uns in der gefallenen Welt befinden, werden wir uns entscheiden müssen, ob wir Gott oder den Menschen gefallen wollen. Auch, wenn Lessing es nicht sehen wollte: Ein „unangenehmer“ Mensch kann durchaus ein guter Christ sein

              

St. Benedikt-Wochenend-Seminar

www.benediktseminar.org/

  3.- 6. Oktober 2019 – bitte vormerken !

Für eingeschriebene Studenten und Gaststudenten

EINLADUNG – SPEZIAL

Vortrag und Diskussion.

Theologie am Abend am 5. Oktober mit Dr. Norbert Feinendegen, Bonn. Vortrag über C. S. Lewis intellektuellen Werdegang und seine heutige Aktualität.

Theologie am Abend am 5. Oktober mit Dr. Norbert Feinendegen, Bonn. Vortrag über C. S. Lewis intellektuellen Werdegang und seine heutige Aktualität. Die von Dr. Feinendegen übertragenen Lewis-Texte ins Deutsche sind kürzlich erschienen im Fontis-Verlag und werden vorgestellt. https://www.fontis-shop.de/Durchblicke.