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6. Januar – Christuserscheinung

Januar 6, 2021

Epiphanias – Mt. 2,1-11

„Die Christuserscheinung für den Osten“

Anbetung mit GOLD, Weihrauch und Myrrhe

1. Die Bedeutung des Erscheinungstages

Einige politische Parteien halten am 6. Januar ihr traditionelles Drei-Königs-Treffen. Warum ist dieser Tag so besonders, auch für Christen?

            Ehe Weihnachten als selbständiges Fest der Geburt Jesu festgelegt wurde feierte die Alte Kirche drei wichtige Feste: Die Erscheinung des Sohnes Gottes am 6. Januar sowie auch Ostern und Pfingsten. In der Orthodoxen Kirche steht diese Erscheinung Jesu Christi da, der als Gottessohn – besonders den Heiden – offenbart wurde.

Wir wollen hier nachfolgend betonen: Die Erscheinung Jesus Christi für uns soll auch uns zu einer dreifachen Anbetung Christi führen.

2. Wem erscheint Christus?

a)         Nicht den Insidern – den eigentlich bestimmten – nicht dem König Herodes.

Anwendung (Anw.) -> Wer trotz Kenntnis der Christus-Prophetie nicht Christus sucht, weiter geld- und machthungrig bleibt, der wird verhärtet und wird zum Christusmörder – aber nicht zum Christusanbeter.

            – nicht den hohen und gebildeten religiösen Führern

die Schriftgelehrten und Priester. Sie wissen um die Prophetie des Propheten Micha: Bethlehem!! Sie sollten sich doch als die Ersten aufmachen, um den himmlischen König zu suchen.

            Anw.   -> Wer trotz prophetischer Schriftkenntnis nicht Christus sucht, der bleibt verhärtet und wird Christus nicht anbeten. Kennst du aber die Schrift und hast Christus gefunden?

            – nicht den Bewohnern der Königsstadt Jerusalem. Ganz Jerusalem wird erschüttert. Gibt es nun eine Revolte gegen den Idomäerkönig Herodes? Kommt es zum Krieg um den Christus, zu einer Erhebung wider König und Kaiser?

Anw.   -> Wer trotz eines guten religiösen Standortes – Tradition und Kirchengebäuden – sich nur um Politik und den Standort Deutschland und eigenes Auskommen kümmert, aber nicht Christus sucht, wird weder Christus finden noch ihn anbeten.

b) sondern den Outsidern – den Außenstehenden

            Wer waren sie?

Sie waren nicht nur Astrologen und Astronomen, sondern auch sehr weise Menschen, die oft eine hohe Stellung in der Politik innehatten.

            Woher kamen sie?

Es gibt zwei Theorien, die beide annehmbar sind. Entweder aus Persien oder Chaldäa. Es mag sein, dass diese durch den früheren Einfluss Daniels und seiner Freunde Kontakt zu dem lebendigen Gott Israels gefunden hatten und von der Messias-Erwartung Israels hörten.

            – Was wussten sie?    

Dan 9,25 So wisse nun und gib acht: Von der Zeit an, als das Wort erging, Jerusalem werde wiederaufgebaut werden, bis ein Gesalbter, ein Fürst, kommt, sind es sieben Wochen; und zweiundsechzig Wochen lang wird es wieder aufgebaut sein mit Plätzen und Gräben, wiewohl in kummervoller Zeit.

Es ist anzunehmen, dass die Waisen im Medo-Persischen Reich die Septuaginta, die LXX, das Alte Testament in griechischer Sprache studierten! Soweit können wir diesen Hintergrund erhellen.

            zwei Mittel, durch die Gott leitet:

            *Die Allgemeine Offenbarung in der Natur

Ps 19,2 Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk. 3 Ein Tag sagt’s dem andern, und eine Nacht tut’s kund der andern,  4 ohne Sprache und ohne Worte; unhörbar ist ihre Stimme.

Sie erkannten in der Stellung der Gestirne eine Besonderheit. Denn Gott hat sich offenbart in der Natur (Römer 1.29ff).

            * Die besondere Offenbarung in der  Schrift 

Doch Gott leitet besonders durch die prophetische Schrift des Alten Testaments. Diese Offenbarung hier ist viel genauer und präziser. Beide Offenbarungen aber, in der Schöpfung und der Schrift, sind sich nicht entgegengesetzt, sondern ergänzen sich.

 Ps 19,8 Das Gesetz des HERRN ist vollkommen und erquickt die Seele. Das Zeugnis des HERRN ist gewiss und macht die Unverständigen weise.

  • Sie sahen den Stern im Aufgehen, sie sahen die Anfänge, doch –
  • sie benötigten die genaue Angabe der Schrift – um nach Bethlehem zu gelangen.
  • Nach genauer Erforschung der Schrift und Mithilfe der Schriftgelehrten fanden sie den Gottessohn.

Danach erkennen sie erst den Stern, der sie dann von Jerusalem auf den Weg nach Bethlehem führt. Zuvor haben sie nur sein Aufgehen erkannt. Mit der Deutung durch die Rabbiner finden und erkennen sie erst den messianischen König.

Anw. Naturoffenbarungen, Träume usw. mögen eine allgemeine Richtung geben, aber nur die Heilige Schrift weist genau auf das Heil und auf den Messias hin. Wir alle sind aufgefordert zur Schrift zu gehen, um dann durch sie Christus in Bethlehem zu entdecken.

3.  Wozu kamen die Weisen?  – Was bewirkte die Christuserscheinung?

Christus erscheint den Außenseitern. Den Magiern aus den Nationen ist ein Licht aufgegangen. Der Messias, der als das Licht die Welt kam, erschien nicht nur für die Juden, sondern auch denen, die ursprüngliche nicht zum Hause Gottes gehören. Auch diese, denen sich Gott nun offenbarte, sie erkennen ihn als König an.

  • – Sie kamen zur Anbetung –  Proskynese

Sie fielen zu Boden und verneigten sich vor ihm. Sie brachten christusgemäße Anbetung dar:

Origines schreibt über die Bedeutung der Geschenke:

Gold für den König, Weihrauch für Gott, Myrrhe für den vergänglichen Menschen.

Foto M. Bollen

·         Die Christusanbetung ist Königshuldigung

            Sie fallen nieder – sie stehen nicht – Huldigung dem König

Anbetung ist nicht nur eine innerliche Haltung sondern geht mit einer äußerlichen Form einher. Sie knien, fallen nieder. Knien oder eine verbeugte Haltung ist die biblische Form, in der Christus die Anbetung entgegengebracht wird. Dadurch wird er als Herr und Lenker des Lebens anerkannt. Stolze Herzen werden sich weder verbeugen noch knien. Ihr Nacken wird genau so starr und unbeugsam bleiben wie ihr starres hartes Herz. Auch nicht die Kniee.

Stolze Griechen fielen nie nieder, gleich allen aufgeklärten, selbstbestimmten Menschen heute.

  • Die Anwendung:

Christuserscheinung hat das Ziel, dass seine Kinder sich freiwillig vor ihm innerlich und äußerlich beugen. Daniel betete in dieser Haltung drei Mal am Tag, Jesus in Gethsemane ging einen Steinwurf weit und kniete nieder und betete, und sprach: Vater! Auch Paulus sagt: Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist. Wir sind aufgefordert von den Heiligen der Schrift und Christus zu lernen. – Inhalt und Form gehen im öffentlichen und privaten Gottesdienst zusammen. – Keiner dieser Weisen betete mit Händen in den Hosentaschen, noch saßen sie bequem im Sessel, auf der Couch und riefen den Herrn an. Wo körperliche Schwachheiten da sind, da sieht Gott das Herz an, andernfalls aber erwartet er von uns, dass wir uns ähnlich wie die Weisen auch äußerlich verbeugen. Beim Lobpreis sollen wir stehen, doch bei allen anderen Gebeten uns demütig verneigen. Wollen wir dies auch immer mehr auf uns persönlich, den Familienkreis und die Gemeinde anwenden?

  • Anbetung ist auch Mitteilung des finanziellen Reichtums,

der Gott für sein Reich zur Verfügung gestellt wird. Wer nur innerlich anbetet und nicht von Seinem Vermögen, das Gott sowieso gehört, weitergeben kann, der ist innerlich geteilt und betet Gott nicht recht an. Anbetung geht auch an unsere Substanz. Sie ist nicht nur geistig und innerlich, sondern nimmt hier eine finanzielle Form an. Deshalb gehört auch immer die Sammlung in der Gemeinde zum Gottesdienst. Deshalb ist auch die sonntägliche Kollekte oder das Opfer ein Teil unserer Anbetung. Die Sammlung gehört mit zum Gottesdienst. Gerade in der Coronazeit findet dies kaum noch statt. Wie kannst Du Deine Gemeinde und Mission trotzdem finanziell unterstützen? Denn auch die Weisen bringen Gold, Weihrauch und Myrrhe zusammen mit ihrer Anbetung.

Anw.: Bringen wir unsere Gaben vorrangig zuerst Christus? Sie sind ihm allein geweiht. Dann haben wir auch die Freiheit, dass die Verantwortlichen in der Gemeinde oder Kirche entscheiden, wie diese Gaben zur Fortführung aller Gemeinde- und Missionsaufgaben benutzt werden.

  •  Sie beten ihn mit ihrem ganzen Menschsein an.

Anbetung Jesu muss durch innere und äußere Haltung und Abgabe dessen, wo mein Herz hängt, geprägt sein. Anbetung ist Ganzhingabe. Ganzhuldigung, sie ist Verehrung Jesu mit meinem ganzen Menschsein. Die Sterndeuter anerkennen Christus als König, als Gott und Mensch mit ihrem ganzen Leben an.

Ist Christus dir erschienen, hast du ihn im Glauben als den Gottessohn erkannt und angenommen? Dann gib dich hin wie die Weisen, huldige ihn mit deinem ganzen Menschsein, Gold für den König. Bete ihn als deinen König an. Weihrauch spricht vom Priesterdienst – Christus ist der oberste Priester: Mit den Gemeindehirten bist du Mitpriester: Lass deine Gebete zu Gott steigen, und bringe die Menschen mit ihren Nöten und Sünden, Gott nahe. Und Myrrhe dient zur medizinischen Behandlung und zur Einbalsamierung. Bete Christus an als dein Sühnopfer und Opferlamm.

Dazu bist auch du aufgefordert, wenn dir Christus erschienen ist, wenn dir dein Christsein etwas bedeutet, den König, den Priester und das Opferlamm anzubeten.

Einen gesegneten Epiphanias-Tag, Bischof Meyer