A K D Kirchenzeitung

AKD neu bunt

N a c h r i c h t e n

aus der  anglikanischen Welt

Ausgabe Nr. 6 – St. Johannis  2 0 1 9

Predigt zum Victoria und Albert Jubiläum


Coburg, 2.6. 2019 – Pfr. G. Thomann

Begonnen hatte das Festival mit einem anglikanischen Gottesdienst – schließlich stand auch dieser Tag im Zeichen der deutsch-britischen Feierlichkeiten zu den 200. Geburtstagen von Prinz Albert und Queen Victoria. Mitwirkende waren deshalb außer dem evangelischen Dekan Stefan Kirchberger noch Bischof Gerhard Meyer, Liturg, und Pfarrer Günther Thomann, Prediger, von der anglikanischen Kirche. Die musikalische Ausgestaltung übernahm Gary O’Conell.

Herzogliche Hoheiten, werter Bürgermeister und werte Gastgeber der Stadt Coburg, liebe christliche Gemeinde!

Es ist uns als Geistlichkeit der Anglikanischen Kirche in Deutschland eine große Ehre, Ihrer Einladung zu folgen und diesen Festgottesdienst gestalten zu dürfen. Wie Sie vermutlich alle wissen, begann mit Königin Victoria (später auch Kaiserin von Indien) und Prinzgemahl Albert nach dem Ende der Hannoverkönige eine neue Dynastie in Großbritannien: das Haus Sachsen-Coburg und Gotha. Es veränderte den deutsch klingenden Namen erst 1914 in Haus Windsor, also zu Beginn des unseligen Ersten Weltkriegs, der das Ende des alten Europas bedeutete. Aber darüber möchte ich heute nicht sprechen. Ich möchte mich vielmehr einmal Victoria und Albert als religiösen Charakteren im Rahmen ihrer Zeit zuwenden. Beide waren in ihren Überzeugungen noch im christlichen Europa begründet, einer Welt, die vielen heute zunehmend fremd geworden ist. Ja, Victoria und Albert hatten beide eine tiefe evangelikale Frömmigkeit. Die katholische Erneuerung der Kirche von England, die 1833 mit der Oxford Bewegung von John Keble, Edward Bouverie Pusey und John Henry Newman begann und die in ihrer späteren Phase als Ritualismus oder Anglo-Katholizismus bekannt ist, war ihnen abgrundtief zuwider.

Beide wollten nur auf die einfachste Weise Gottesdienst feiern. Victoria empfing sogar das Abendmahl bei den schottischen Presbyterianern – etwas, was wir heute als ökumenische Geste oder Akt persönlicher Freiheit verstehen würden, aber damals als Skandal galt. Victoria erlaubte sich durchaus auch einen Eingriff in das Book of Common Prayer, also die anglikanischen Liturgie: 1859 ließ sie, ohne Rücksprache mit der Konvokation der Bischöfe und des Klerus, drei Feiertage aus der Liturgie entfernen: den Gedenktag König Karls des Märtyrers (Charles I. Stuart) am 30. Januar, den Tag der Restauration der Monarchie am 8. Mai (1660) und den Gedenktag der sog. Pulververschwörung vom 5. November, einer jesuitischen Verschwörung und ihrer Aufdeckung im Jahr 1605. Dieser Vorgang wäre heute undenkbar und gilt bis heute in der anglikanischen Welt als kontrovers. Wir wissen nicht genau, was die eigentlichen Ursachen dafür waren – nur eine persönliche Abneigung gegen diese Elemente oder der ernsthafte Versuch, den konfessionellen Frieden des Landes zu erhalten? Prinz Albert hielt sich in kirchlichen Dingen eher zurück. Seine Liebe galt der Kunst, der Musik und dem Gartenbau. Die berühmte Royal Albert Hall m Londoner Stadtteil Kensington verdankt ihm ihre Existenz.Auch die königliche Gartenbaugesellschaft, die Royal Horticultural Society, förderte er. Sie sammelte Pflanzen aus allen Teilen des Reiches. Die Zeit unserer Jubilare war ja die Zeit der größten Ausdehnung des Britischen Empire, des größten Reiches, das jemals auf der Erde bestand. Großbritannien war das am frühesten und am meisten entwickelte Industrieland Europas, das Land der sogenannten Industriellen Revolution. Die Städte wuchsen rasant an, die verarmte Landbevölkerung drängte in die Städte, neben Wohlstand entstanden in den Städten Armut und düstere Slums, die zu Brutstätten von Ausbeutung, Laster und Choleraepidemien wurden. Für die innere und äußere Mission der Kirchen entstand eine gewaltige Aufgabe, die mit den alten Mitteln nicht mehr zu bewältigen war. Die neu gegründeten Orden und Schwesternschaften, die aus der Oxford Bewegung hervorgegangen waren, nahmen sich dieser Aufgabe an, nach anfänglichen Widerständen in Kirche und Gesellschaft freilich. Auch die Freikirchen standen nicht abseits. So entstand etwa die Salvation Army (Heilsarmee) und deren kirchliche Konkurrenz, die Church Army. Nach deutschem Vorbild, etwa Kaiserswerth, entstand auch eine Schwesternschaft von Diakonissen. Es ist erfreulich zu sehen, dass auch der Gründer der lutherischen Diakonissen, Wilhelm Löhe, Kontakte zur anglikanischen Schwesternschaft von Thomas Thelusson Carter in Clewer bei Windsor hatte. Man betrat ja überall Neuland!

Die soziale Frage brannte den Menschen im Zeitalter der Industrialisierung unter den Nägeln. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch der Revolutionär Karl Marx damals in London Zuflucht fand. In keiner Zeit der Geschichte des Landes wurden so viele Kirchen und Kapellen gebaut wie im viktorianischen Zeitalter, von denen viele heute leider nicht mehr existieren. Sie dienten der wachsenden Bevölkerung, waren aber auch Ausdruck des missionarischen Geistes und der liturgischen Erneuerung dieser Zeit. Hand in Hand ging damit die Architektur der Neugotik, die sich bewusst als christliche Architektur verstand. Auch die äußere Mission bedeutete eine riesige Herausforderung, der sich zunächst Missionsgesellschaften, später auch Orden annahmen. Nicht ohne Grund lebt ja heute der größte Teil der Anglikaner, wie auch bei den anderen großen Kirchen, in den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, nicht mehr in Europa und Nordamerika. Wir Europäer tun uns heute oft schwer damit, dies anzuerkennen. Wir sind eben nicht mehr der Nabel der christlichen Welt.

Königin Victoria wurde oft die ‚Großmutter Europas‘ genannt, da sie mit den meisten Dynastien ihrer Zeit verwandt war. In den späteren Jahren ihres Lebens wirkte sie oft wie eine Matrone, durchaus bescheiden in ihrem Wesen und wenig pompös. Der Unterschied zu anderen Kaiserinnen ihrer Zeit wurde kaum jemals deutlicher, als die Kaiserin von Österreich, die für ihre Extravaganzen berühmte Sisi, Victoria anlässlich eines Jagdaufenthalts besuchte und sie dafür mitten aus einem Gottesdienst in Windsor holte. Auch mit der Kaiserin von Frankreich, Eugenie, die es liebte zu provozieren und zu schockieren, tat sich Victoria schwer. Eugenie hatte ihre Krone nach dem preußisch-französischem Krieg von 1870 verloren (der ja bekanntlich zur Gründung des Deutschen Reiches ausgerechnet im Spiegelsaal von Versailles führte) und musste vor den Aufständischen in Paris nach Großbritannien flüchten, wo sie auch in der katholischen Benediktinerabtei Farnborough in Hampshire begraben liegt.

Die ‚Großmutter Europas‘ war durchaus eine gläubige Frau. Als sie 1901 starb, ging eine Epoche der Geschichte mit ihr zu Ende. Sicher sehen wir heute vieles anders als damals, etwa den Kolonialismus, der damals nicht anstößig war. Aber auch unsere Perspektive ist ja, wie die aller Menschen, begrenzt. Was werden unsere Nachfahren einmal von uns denken – wir wissen es nicht. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es üblich, das ganze 19. Jahrhundert zu verurteilen. Aber ist das gerecht? Wir müssen uns immer bewusst bleiben, dass im menschlichen Leben Licht und Schatten sehr oft nahe beieinander liegen!

Liebe Gemeinde, wir haben gerade die Wahlen zum Europaparlament hinter uns, einer Einrichtung, die ja den meisten von uns wertvoll und wichtig ist. Aber lassen wir uns nicht täuschen: Nichts was der Mensch schafft, ist ewig! Gott allein ist ewig! Es kann gut sein, dass die Landkarte Europas in 50 oder 100 Jahren wieder eine andere sein wird als heute. Krieg, Aggression und soziale Konflikte sind keineswegs gebannt. Auch die Zeitgenossen Victorias und Alberts glaubten an den langen Bestand des Britischen Empire, obwohl schon damals leise Stimmen davor warnten. Der Landpfarrer John Ellerton (er starb 1893), dessen Abendlied ‚The day thou gavest, Lord, is ended‘ (‚Der Tag, den Du gegeben hast, Herr, ist zu Ende‘), das sich heute in fast allen anglikanischen Gesangbüchern findet, schrieb schon damals: ‚Lord, thy throne shall never like earth‘s proud empires pass away‘, ‚Herr, dein Thron wird niemals wie die stolzen Reiche der Erde vergehen‘. Tatsächlich zeigten sich schon 1916 Risse im Empire: Beim Osteraufstand in Dublin, der zur Gründung der Irischen Republik führte und nach einem Hungerwinter begann.

Nichts, was der Mensch aufbaut, ist für die Ewigkeit! Aber wir haben eine starke Orientierung im Wandel der Zeiten: Jesus Christus, den Gekreuzigten! Er ist die Sühne für unsere Sünden, wie der Apostel Johannes sagt (1.Joh. 2,2;4,10; auch der Apostel Paulus in Röm. 3,25). Jesus Christus, der Sohn Gottes, die zweite Person der Heiligen Dreieinigkeit, er wurde Mensch und erniedrigte sich bis ans Kreuz. Der Unschuldige litt für die Schuldigen, der Reine für die Unreinen, der Gott-Mensch für seine Geschöpfe, denn Gott konnte und wollte die Sünde und Schuld der Welt nicht einfach unter den Tisch kehren. Sie war, ist und bleibt eine Realität! Es war das Zeichen der höchsten Liebe Gottes zu den Menschen, seiner Schöpfung. So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab, wie wiederum der Apostel Johannes sagt (Joh. 3,16). Das war auch die tiefe Überzeugung unserer Jubilare! Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, die Auferstehung und die Hoffnung für uns alle. Amen!

City to City DACH Treffen – Hamburg

11. – 12. Juni 2019 – Jared Wensyel, Frankfurt

Dieses Jahr traf sich das Gemeindegründungsnetzwerk City to City DACH – Deutschland, Österreich und Schweiz – zusammen in der schönen Stadt Hamburg. Es kamen verschiedene Gemeinden und Gemeindeneugründungen aus den verschiedenen deutschsprachigen Städten Europas, um 10 Jahre City to City DACH zu feiern, mit verschiedenen Leuten Gemeinschaft zu genießen und miteinander kreativ ins Gespräch kommen und sich darüber auszutauschen, wie wir unsere Städte mit dem Evangelium erreichen können.

Ich, der ich schon seit fünf Jahren im Netzwerk aktiv bin, freute mich sehr, dieses Jahr meine anglikanischen Brüder David Ayres aus Berlin und Michael Winkler aus Hamburg an meiner Seite zu haben! Es war eine schöne Zeit mit ihnen, und viele andere Pastoren und Gemeindegründer aus verschiedenen Denominationen haben sich auch bei mir gemeldet, um zu sagen, wie sehr sie sich freuen, dass es jetzt auch Anglikaner mit ihrer starken Tradition in unserem Netzwerk gibt.

Am ersten Abend trafen wir uns im Schanzenviertel, im Büro des Hamburgprojekts, einer junge Kirche in Hamburg und eine der ersten City to City Gemeindegründungen in Deutschland. Dort konnte man erst einmal gemütlich ankommen, sein Namensschild ausfüllen und Kaffee trinken, während man die ersten Leute kennen lernte.

Danach fing das Programm mit einer Zeit der Anbetung an, in der Pastor Steffen Weil aus der Gemeindegründung Mittendrin Potsdam uns einen kurzen Impuls aus Apg 13, 1-3 gab, und wir ein paar geistliche Lieder miteinander gesungen haben. Er sprach über die Berufung der ersten Gemeindegründer für Europa, Barnabas und Paulus, und welche Bedeutung Gebet, Fasten und völlige Abhängigkeit von Gottes Plan für die Gemeindegründungsarbeit hat.

Danach zeigte der Direktor von City to City Europe, Stephan Pues, der vor kurzem auch bei unserer Synode gesprochen hatte, was Gott in den letzten 10 Jahren von City to City DACH alles vollbracht hat, u.a. die Gründung von über 25 neuen Gemeinden. Wie toll! Er träume davon, was Gott alles in der Zukunft durch unser Netzwerk noch machen wird.

Für die Konferenz wurde ein Redner aus Birmingham, England, eingeladen, Jonathan Bell aus der Gemeindegründungsbewegung Birmingham 20/20, der am ersten Abend über die Herausforderung der jungen Generation Y, auch Millenials genannt, gesprochen hat. Dabei hat er auf interessante Art und Weise erläutert, welche Chancen und Herausforderungen diese Generation für die Gemeindegründungsarbeit mit sich bringt. Dieses Thema – wie können wir die junge Generation der Millenials erreichen – war zum großen Teil Hauptthema unseres Treffens in diesem Jahr.

Danach gingen wir alle miteinander zum Restaurant Peter Panne Burger essen. Nachdem alle gut satt waren, kehrten wir zurück zu Haus 73 in der Schanze, um miteinander 10 Jahre City to City DACH mit Musik, Festreden und gutem Bier zu feiern. Sowohl das Essen als auch die Geburtstagsfeier wurden von amerikanischen Spendern finanziert, die viele Kosten des Treffens auf sich genommen haben, um den Gemeindegründern der deutschsprachigen Städte den Rücken zu stärken.

Am nächsten Morgen trafen wir uns noch mal, aber dieses Mal in der HafenCity bei einem Co-Working Space, ein Ort, an dem verschiedene Unternehmen zusammen Büroplätze mieten. Nach einer Andacht zum Beginn teilten wir uns in verschiedene Gruppen auf, um in kreativen Austausch über bestimmte Fragen zu kommen, die das Thema, Millenials mit dem Evangelium erreichen, betrafen, wie etwa die Frage der Digitalisierung oder welche Bedürfnisse und Fragen Millenials haben, die nur durch das Evangelium erfüllt und angesprochen werden können.

Nach einer gemütlichen Mittagspause kamen wir wieder dort zusammen, um den zweiten Beitrag von Jonathan Bell aus Birmingham zu hören. Dort sprach er jetzt über Wege, wie man Millenials mit dem Evangelium erreichen kann. Er sprach davon, wie wir Millenials mit Wahrheit, Wurzeln und Auftrag begegnen müssen.

1. Wahrheit: Wir müssen nicht für Millenials die Wahrheit des Evangeliums aufweichen. Damit werden wir nur oberflächliche Gemeinden gründen, die nicht so lange Stand haben. Wir müssen stattdessen die Wahrheit des guten, alten Evangeliums ihnen auf einer Art und Weise kommunizieren, dass sie es verstehen und darin wachsen können.

2. Wurzeln: Millenials haben eine Sehnsucht nach starken Wurzeln. Viele von ihnen kommen aus gebrochenen Familien und sind Scheidungskinder. Sie sehnen sich nach einer starken Familie geprägt von starken Wurzeln. Dieses Bedürfnis können wir mit evangeliumszentrierten Gemeindegründungen stark ansprechen.

Und 3. Auftrag: Millenials fühlen eine starke Verantwortung für ihre Welt und wollen viel tun, um sie zu verändern. Oft kommt diese Generation mehr durch praktische Erfahrung als durch große Vorträge zur Wahrheit des Evangeliums. Wir müssen ihnen den starken Auftrag des Evangeliums zugänglich machen, indem wir konkrete Aufträge formulieren und ausleben, den sich Millenials anschließen können, auch bevor sie eine Glaubensentscheidung getroffen haben. Hier sprach er von der Wichtigkeit des Schemas: Belonging — Believing — Behaving = Zugehörigkeit — Glaube — Gehorsam, um unter Millenials Gemeinden zu gründen, bei denen sie im Glauben an Jesus Christus wachsen können.

Beim Abschluss des Treffens wurde ein konkretes Gebetsthema für das ganze nächste Jahr erwähnt: das Rhein-/Ruhrgebiet. Der Gemeindegründer von Spectrum in Düsseldorf, Chris Musselman, stellte vor, wie er gerade in der Gegend rund um seine Stadt eine Zusammenarbeit unter Gemeinden und Gemeindegründungen aufbauen will, um dort mehr evangeliumszentrierte Gemeindegründungs- und Erneuerungsarbeit zu fördern. Wir sollten alle im nächsten Jahr dafür beten!

Ich vernetzte ihn auch mit Pastor Marc Jankowski in Neuss, und hörte sogar schon von, dass ein sehr gutes Gespräch daraus entstanden ist. Danach teilten wir uns als Abschluss in kleine Gruppen auf, um für das Thema Rhein-/Ruhrgebiet und füreinander zu beten.

Insgesamt war das ein tolles Treffen! Ich hoffe, es war auch für meine Anglikanische Brüder aus Hamburg und Berlin ermutigend und hilfreich. Es ist immer inspirierend, sich mit anderen Glaubensgeschwistern zu treffen, um darüber zu sprechen, wie wir mit dem Evangelium! die Menschen unserer Ortschaften und unserer Zeit erreichen können. Ich lade herzlich ein, für das Netzwerk und die verschiedene Gründungsarbeiten zu beten, u.a. für uns in Hamburg, Berlin und Frankfurt!

Ernennung zum Lay-Reader

4. Mai 2019, Mainz – Dr. Sebastian Moll

Pfarrer Dr. Joachim Feldes l. – Dr. Sebastian Moll – Bischof Gerhard Meyer r.

Am 4. Mai wurde ich in der Klosterkirche Maria Mater Dolorosa in Mainz durch unseren Bischof Gerhard Meyer und Pfarrer Joachim Feldes als Lay-Reader eingeführt. In der Epistellesung hörten wir von der „unverfälschten, geistigen Milch“ (1. Petrus), nach der wir Christen verlangen sollen. Ich wählte diesen Gedanken als Predigttext und möchte auch meinen Dienst unter diesen Gedanken stellen. So übernehme ich dieses Amt voller Inbrunst einerseits und voller Demut andererseits, in der Hoffnung, mich selbst weiterhin an der Milch des Evangeliums stärken und diese zugleich anderen Hungrigen darreichen zu können.

19. Synode der Anglikanischen Kirche in Deutschland

Bischof Gerhard Meyer D.D.

Vom 24.-26. Mai 2019 fand die 19. Synode der AKD in Schwarzenborn, Nordhessen, statt. Erzbischof Dr. Ray Sutton, traf einen Tag zuvor aus England ein. Dort hatte er an der jährlichen Convocation der Free Church of England, der Schwesterkirche der Reformed Episcopal Church, USA, teilgenommen. Eine Woche zuvor war er in Kroatien zur Visitation in der Auslandsdiözese bei Bischof Jasmin Milic in Osijek.

Zu Beginn der 19. AKD Synode gab es verschiedene Grußworte aus den neuen Bundesländern und den USA. Danach eröffnete Erzdiakon Thomas Kohwagner die 19. Synode.

Geistliche, Abgeordnete und Anwärter – Mitte: Erzbischof Sutton l. – Bischof Meyer r.

Erzbischof Dr. Ray Sutton sprach zuvor über den im Jahre 2014 vom damaligen Bischof Royal Grote vorgeschlagenen und von der Synode angenommenen Artikel des Kirchenbundes zwischen der Anglikanischen Kirche in Deutschland (damals REK) und der Reformed Episcopal Church USA. Damals in 2014 übergab Bischof Grote den Bischofsstab an Bischof Meyer. Dieser übernahm von diesem Zeitpunkt an das Amt des Ordinarius für die deutsche Diözese, die von diesem Zeitpunkt an nicht mehr Missionsbistum war. Erzbischof Sutton erläuterte noch einmal die Bedeutung des von ihm unterschriebenen Artikels im Beisein aller Geistlichen und Abgeordneten. Dieser soll nun in Zukunft mit Leben gefüllt werden.

Danach wurden die Berichte der Gemeinden und Kommissionen vorgestellt, teilweise erläutert und über deren Annahme abgestimmt, sowie der im rechtlichen Verein verabschiedete Finanzbericht vorgestellt und erläutert. Zum Schluss wurden neue Berufungen für den Bistumsrat / Bistumsverwaltungsrat und für neue Komitees ausgesprochen.

Eine weitere Zwischensynode ist für den 26. Oktober 2019 in Schwarzenborn geplant, die nächste Hauptsynode ist für den 22.-24. Mai 2020 geplant.

Europadirektor Stephan Pues

Der Nachmittag stand unter dem Thema „Gemeindegründung in der Großstadt“. Bischof Meyer hatte den Europadirektor Stephan Pues von City to City Europe (www.citytocityeurope.com) eingeladen, um weitere Impulse für neue Gemeindegründungen zu erhalten.

Am Samstagabend trafen sich Geistliche und Abgeordnete zu einem Buffet im Haus Schwalmblick, im Knüllcamp. Die Synode wurde durch einen feierlichen Gottes-dienst am Sonntagmorgen mit Heiliger Kommunion abgeschlossen. Erzbischof Sutton hielt die Predigt, die übersetzt wurde.

DIE REFORMIERTE EPISKOPALKIRCHE

AMTSSITZ FÜR DIE VEREINIGTEN STAATEN UND KANADA

Gründungsmitglied der Provinz der

ANGLIKANISCHEN KIRCHE IN NORDAMERIKA

Fest der Heiligen Dreifaltigkeit 16. Juni 2019

Erzbischöfliches Hirtenschreiben

(Übersetzung Dr. Sebastian Moll)

https://www.holycommuniondallas.org/

Lieber Bischof Gerhard, Geistliche und Laien in der deutschen REC (Anglikanische Kirche i.D.).

Grüße im Namen unseres dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Unser dreieiniger Gott lebt. Aber Jesus sagt über die drei Personen der Gottheit: „Wir werden kommen. . . und Wohnung nehmen“ (Johannes 14:23). Gott sei Dank, dass die Heilige Dreifaltigkeit bei uns wohnt!

Ich schreibe diesen Hirtenbrief als Nachbereitung meines kürzlichen wundervollen Besuchs bei Euch in der vierten Woche nach Ostern. Seit den frühesten Tagen der Kirche haben Bischöfe und Erzbischöfe oft Briefe aus Liebe gesandt, um den Kirchen in ihrer Obhut zu helfen. Aus diesem Grund werden sie Hirtenbriefe genannt. Mit dieser liebevollen Fürsorge für unsere wertvolle Anglikanische Kirche in Deutschland /REK schreibe ich an meine lieben Brüder und Schwestern.

Zunächst möchte ich jedoch Bischof Gerhard und der lieben Grace für ihre großzügige Gastfreundschaft danken. Sie sind wirklich so treue, liebevolle Diener unseres Gottes. Ich möchte Euch allen meinen Dank für Euren herzlichen und unterstützenden Empfang aussprechen. Ich habe die Gelegenheit, die deutsche Kirche besser verstehen zu lernen, sehr geschätzt. Ich war auch froh, an den Lehrseminaren über Gemeindegründung und potenzielle Jugendarbeit teilzunehmen. Die kombinierten Aktivitäten Eurer Synode haben mich ermutigt, und Euch hoffentlich auch. In unserer Kirche arbeiten wir daran, dass unsere Synoden mehr sind als nur eine Zeit zum Nachdenken. Wir bemühen uns, dass sie Stätten der Weiterbildung und Strategieentwicklung werden, gerichtet auf das Ziel der Erweiterung des Gottesreiches. Vielen Dank für Euer Vorbild in dieser Hinsicht!

Zweitens, und damit zu meinem Hauptanliegen bei diesem Schreiben, stelle ich fest, dass viele von Euch schon seit einiger Zeit am Aufbau der Anglikanischen Kirche in Deutschland / REK arbeiten. Und Ihr leistet großartige Arbeit. Die Diskussionen in den Synodalsitzungen und in der persönlichen Gemeinschaft mit so vielen von Euch haben mir in meiner pastoralen Beziehung zu Euch sehr geholfen. Unser Zusammensein hat mich dazu veranlasst, darüber nachzudenken, wie ich weitere pastorale Kommentare abgeben kann, um das Verständnis aller dafür zu stärken, wer wir sind und wie eine Kirche wie die unsere funktioniert. Zu diesem Zweck biete ich in der Liebe Christi die folgenden pastoralen Gedanken und Lehren an:

A. Das Missionsziel der Nordamerikanischen Reformierten Episkopalkirche

Der Missionsbefehl ruft dazu auf, das Evangelium zu verbreiten. Das Muster, das wir in der Apostelgeschichte finden, ist Evangelisation durch die Gründung von Missionen und Kirchen. Irgendwann kommen die neuen Kirchen in den Wirkungsstätten des Paulus unter die Leitung von Presbytern/Bischöfen. Die frühen Kirchenregionen werden zu eigenständigen Kirchen, die unter den Völkern der Welt entstehen. Das Wort eigenständig (‚autochthon‘) bedeutet, dass die Kirchen unabhängig, aber dennoch miteinander verbunden waren, durch die Interkommunion zwischen den Bischöfen, einen gemeinsamen Glauben auf Grundlage der Schrift sowie die frühen Glaubensbekenntnisse und Konzile. Auch Kanones wurden in der Gemeinschaft der Ungeteilten Kirche untereinander geteilt. In diesem Sinne behielten die Kirchen ein gewisses Kontinuitätsgefühl bei, hatten jedoch ihre eigene Autonomie. Dies ist das Modell, nach dem wir streben. Unser Ziel war nie kolonialistisch als Herrschaft einer nationalen Kirche über andere. Wir beten für den Tag, an dem Eure Diözese zu mehreren Diözesen und einer eigenständigen, deutschen Anglikanischen Kirche heranwächst.

B. Die konziliare Sicht der Kirche

Seit Pfingsten gibt es drei Grundmodelle der Kirche. Das lehramtliche Model meint die Führung eines Bischofs unter Ausschluss anderer Bischöfe, Geistlicher und Laien. Das synodale Modell der Kirche arbeitet mit einem Ausschuss des Ganzen, in dem jedes Mitglied über alles abstimmt. Das konziliare Model sucht die Konsensbildung im Volk Gottes: Bischof, Klerus und Laien. Es ist hierarchisch und zugleich demokratisch-repräsentativ in Form der Synode. Alle Pfarreien sind durch ihre Geistlichen und Laiendelegierten vertreten. Das konziliare Modell enthält Elemente der beiden anderen Modelle und hält diese im Gleichgewicht. Es gibt eine Hierarchie, das Individuum und die Gemeinde, und allezeit wird nach einem Konsens im Volk Gottes gesucht. Kanonische Angelegenheiten können zur Prüfung auf der Synode vorgeschlagen werden, jedoch nur unter vorheriger Einbeziehung des Bischofs. Aus diesem Grund ist der Ordinarius von Amts wegen Mitglied jedes Ausschusses. Gleichzeitig darf ein Bischof seine Ansichten der Synode nicht ohne Zustimmung des Klerus und der Laienvertreter aufzwingen.

Ich erinnere mich an die biblische Grundlage für das konziliare Modell, wenn ich an die Tage nach der Himmelfahrt unseres Herrn vor dem ersten Pfingstfest denke. In diesem Zeitraum von zehn Tagen wählte der Zwölferkreis den nächsten Apostel aus, um das Episkopat des Judas zu füllen (Apg 1,20). Der Text in Apostelgeschichte 1 besagt, dass alle an diesem Prozess beteiligt waren, Apostel und Laien. Die Nominierten wurden auf zwei Personen eingegrenzt. Dann wurde das Los geworfen, wie auch immer man sich das genau vorzustellen hat. An diesem Vorgang nahm nur der Zwölferkreis teil. Sie repräsentierten das Ganze. Es gab viele andere Anhänger des auferstandenen Christus wie etwa die fünfhundert, denen er erschienen war. Weder eine einzelne Person noch eine Gruppe von Personen aus dem Zwölferkreis trafen die Entscheidung. Der heilige Petrus leitete die Versammlung und predigte. Dennoch ernannte er nicht den nächsten Apostel. Sogar seine Führungsrolle bei solchen Treffen änderte sich im beim Apostelkonzil von Jerusalem – der Heilige Jakobus übernahm die Leitung. Die Apostel haben sich auch nicht selbst dazu entschlossen, die Stelle neu zu besetzen. Es gab einen Konsens des Ganzen. Dieses konziliare Modell spiegelt besser als jeder andere Ansatz die Heilsordnung der Heiligen Dreifaltigkeit wieder, die der Eine und die Vielen ist.

C. Ein pastorales Modell der Bischöfe

Aus der obigen konziliaren Beschreibung der Kirche geht hervor, dass die Reformierte Episkopalkirche in ihrer Geschichte bischöflich ist, insofern sie das Amt des Bischofs aus der frühen Kirche beibehält. Gleichzeitig waren wir nie lehramtlich oder synodal. In Bezug auf unser Verständnis der Rolle der Bischöfe sind wir zu einem pastoralen Modell zurückgekehrt, im Gegensatz zu einem herrschaftlichen Verständnis des Episkopats. Das biblische Modell ist pastoral, nicht monarchisch, auch keine Prälatur. Dies bedeutet, dass die Bischöfe oberster Pastor, Mittelpunkt der Einheit, Lehrer, Liturgiebeauftragter, Missionar (Vorreiter für das Evangelium) und Verwalter sind. Ihre Führung geschieht nicht von oben herab, sondern von vorne, von innen, von der Seite und ja sogar von hinten – wie ein Hirte Schafe führt. Die Hirten des Herrn sollen durch Gottseligkeit und Konsensbildung unter den Menschen führen, nicht durch Zwang. Sie müssen von Zeit zu Zeit Urteile fällen und Entscheidungen treffen. Die Entscheidungen werden nicht immer allen gefallen. Sie müssen auf Grundlage der Heiligen Schrift in Übereinstimmung mit der Verfassung und den Kanones und in Liebe getroffen werden. Dann ist das Volk Gottes aufgerufen, in Respekt und Unterstützung zu folgen, auch dann, wenn ihnen eine Entscheidung nicht gefällt. Dies macht unser Modell für Bischöfe biblisch, pastoral, hierarchisch, konstitutionell und einvernehmlich.

D. Die derzeitige Beziehung zwischen der REC Nordamerika und der AKD in Deutschland

Nach meinem Verständnis seid Ihr derzeit eine Diözese mit acht Missions- und Ortsgemeinden. Ihr seid von ausgesandten REC Missionaren zu einer Missionsdiözese mit einem Missionsbischof und jetzt zu einer Diözese mit Eurem eigenen Ordinarius gewachsen. Eure Diözese ist vorübergehend Teil der REC Nordamerika. Es steht Euch frei, Eure Diözese unter der Leitung des Herrn zu entwickeln. Kanonische Angelegenheiten sollten auf die gleiche Weise behandelt werden wie jede unserer anderen Diözesen Änderungen vornimmt. Was immer Ihr als notwendig erachtet und von der Synode genehmigt wird, sollte zuerst dem REC Erzbischof und dem Vorsitzenden des REC Verfassungs- und Kanonausschusses vorgelegt werden. Letzterer wird den Vorschlag prüfen, um sicherzustellen, dass eine Empfehlung nicht gegen die Verfassung und den Kanon des Ganzen verstößt. Wird nichts gefunden, was den Standards der gesamten Reformierten Episkopalkirche zuwiderläuft, steht es der einzelnen Diözese frei, die kanonischen Änderung umzusetzen. Der gleiche Prozess würde in Bezug auf die Liturgie angewandt oder sogar in Bezug auf etwas, das die Lehre der Kirche berührt. Aus diesem Grund haben wir die Ständige Liturgische Kommission und den Ausschuss für Lehre und Gottesdienst, um diese Art von Angelegenheiten zu überprüfen.

E. Die Voraussetzungen für die Anerkennung der Jurisdiktion als eigenständige oder nationale Kirche

Die für Missionen, Pfarreien und Diözesen erforderlichen Standards und Mindestzahlen sind in der Verfassung und im Kanon der Reformierte Episkopalkirche Nordamerika/RECNA enthalten. Es besteht möglicherweise eine leichte Abweichung von Eurer gegenwärtigen Verfassung und Euren Kanones in Bezug auf die erforderlichen Zahlen. Im Allgemeinen gelten in unserer Kirche die folgenden Anforderungen:Mindestens zwölf erwachsene Mitglieder, um eine Mission zu werden; mindestens neunundzwanzig oder in einigen Fällen neununddreißig, um eine richtige Ortsgemeinde zu werden; mindestens zehn bis zwölf Gemeinden, um eine Diözese zu bilden; und mindestens zwei oder mehr Diözesen, um eine Jurisdiktion zu bilden. Die Mitgliedschaft in örtlichen Gemeinden sollte regelmäßige Anwesenheit und Teilnahme an Gottesdiensten erfordern. Eine Mitgliedschaft sollte mehr sein als nur Namen auf einer Liste, die einwilligen, Mitglied zu sein. Aus diesem Grund wird in der REC auch nach durchschnittlicher Sonntagsanwesenheit (DSA) bewertet. Wichtig ist, dass in unserer Provinz in der anglikanischen Kirche in Nordamerika eine DSA von tausend Teilnehmern gegeben sein muss, bevor aus einer Missionsdiözese eine Volldiözese wird. Dies hilft bei der Bestimmung des tatsächlichen Engagements.Bei der Bildung einer Diözese ist ein weiterer kritischer Mindeststandard die Fähigkeit, einen Ordinarius (den Bischof) in Vollzeit zu unterstützen. Ohne die finanzielle Unterstützung für ihn, so dass er alle seine Bemühungen dem Bischofsdienst widmen kann, wird die Diözese wahrscheinlich nicht aufrechterhalten werden können. Bischof Gerhard konnte sein ganzes Leben für die Gründung und den Aufbau der ersten Diözese auf Grundlage der Unterstützung der REC in den USA und seines Dienstes im Knüllcamp (Euro Ruf GmbH) aufbringen. Dies war eine wichtige Vorbedingung für die Bildung der deutschen AKD. Ein Teil des Werdens einer eigenen Diözese bedeutet jedoch die Fähigkeit der Diözese, sich selbst zu erhalten. Aus diesem Grund ist die geforderte Nachhaltigkeit auf Gemeinde- und Diözesanebene so wichtig. Ohne die notwendige Anzahl an Menschen wird es nicht genug Unterstützung geben, um einen Vollzeitbischof zu finanzieren.F. Anglikanisch bedeutet nicht mehr ‚Englisch‘Schließlich sollte ich darauf hinweisen, dass Anglikanismus auf der ganzen Welt sicherlich nicht mehr in allen Teilen Englisch ist. Anglikanisch bedeutet nicht ‚Englisch‘. Sogar zu Beginn war anglikanisch nicht ausschließlich Englisch. Es gab den Einfluss der Kelten aus Irland und Schottland. Der anglikanische Weg schloss sogar den keltischen Mönch St. Bonifatius mit ein, der nach Fritzlar kam. Anglikanisch wurde daher zu einer Art und Weise, das christliche Leben zu leben, die sich katholisch in und durch den keltischen Kontext nach Europa und darüber hinaus ausbreitet. Dieser anglikanische Weg durchlief die Reformation und führte ihn zu seinen Wurzeln im Evangelium und in der Heiligen Schrift zurück. Er ist nicht nur katholisch, sondern auch reformatorisch in Glauben, Anbetung und Leitung. Seine Formeln sind die Heilige Schrift, die katholischen Glaubensbekenntnisse, das Allgemeine Gebetbuch und die Neununddreißig Artikel (die weitgehend auf dem Augsburger Bekenntnis basieren und einen Großteil davon einschließen). Der anglikanische Weg hat sich mittlerweile von einem Teil der Welt in jedes Land ausgebreitet. Das Wort ‚anglikanisch‘ wird jedoch allgemein verwendet, um uns zu beschreiben.Zusammenfassend hoffe ich, dass diese pastoralen Lehren Euch eine Hilfe sein werden auf Eurem weiteren Weg in Richtung einer eigenständigen deutsches Anglikanischen Kirche. Vielleicht können wir, wenn ich das nächste Mal bei Euch bin, meinen Hirtenbrief genauer besprechen.Mein letzter Gedanke für Euch ist es jedoch, meine volle Unterstützung für Eure wichtige deutsche Anglikanische Kirche anzubieten. Seid Euch meiner täglichen Gebete sicher! Ich freue mich immer darauf, das wunderbare Deutschland zu besuchen. In der Zwischenzeit, Gnade und Segen an alle unsere deutschen anglikanischen Brüder und Schwestern.In ChristusThe Most Rev. Dr. Ray R. Sutton, Ph.D. Presiding Bishop (Erzbischof)

Vor Gott und den Menschen

Gedanken zu Lessings Ringparabel – Dr. Sebastian Moll

Vor nunmehr 240 Jahren veröffentlichte Gotthold Ephraim Lessing sein berühmtes Werk „Nathan der Weise“Gott inklusive der wohl noch berühmteren Ringparabel.  Die Geschichte der drei Brüder, von denen jeder aufgrund der väterlichen Zusage glaubt, den einen Ring zu besitzen, der die Macht hat, „vor Gott und den Menschen angenehm zu machen“, dies aber nicht beweisen kann, da die drei Ringe äußerlich nicht zu unterscheiden sind, wird von Lessing auf die drei monotheistischen Religionen übertragen. Zum entscheidenden Kriterium der Religion wird somit nicht der Wahrheitsanspruch der historischen Offenbarung, sondern einzig und allein ihre Fähigkeit, ein gutes Leben zu führen und so „vor Gott und den Menschen angenehm zu machen“.

Lessings aufklärerische Haltung erfährt insbesondere in unseren aktuellen Debatten angesichts der erstarkten Präsenz des Islams wieder große Aufmerksamkeit. Während die einen die weitsichtige Toleranz des großen Dichters loben, fürchten die anderen religiöse Beliebigkeit. Doch neben dieser Frage birgt die Erzählung noch ein ganz anderes Problem. Ist es wirklich ein und dasselbe Verhalten, das vor Gott und den Menschen angenehm macht? Lehrt die Heilige Schrift nicht an zahlreichen Stellen, dass Gott gänzlich andere Bewertungskriterien ansetzt als die Welt? Mahnen uns Petrus und die übrigen Apostel nicht, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen?

Die Liste derjenigen, die aufgrund ihres christlichen Bekenntnisses kein Ansehen in der Welt genossen, sondern stattdessen von ihr verfolgt und getötet wurden, ist schier endlos. Sie reicht von dem biblischem Märtyrer Stephanus über Thomas Cranmer (†1556) und Dietrich Bonhoeffer († 1945) bis hin zu den 21 koptischen Christen, die 2015 in Libyen enthauptet wurden. Wie wundervoll wäre es, wenn ihr vorbildliches christliches Leben sie auch vor den Menschen angenehm gemacht hätte!  Aber so lange wir uns in der gefallenen Welt befinden, werden wir uns entscheiden müssen, ob wir Gott oder den Menschen gefallen wollen. Auch, wenn Lessing es nicht sehen wollte: Ein „unangenehmer“ Mensch kann durchaus ein guter Christ sein

              

St. Benedikt-Wochenend-Seminar

www.benediktseminar.org/

  3.- 6. Oktober 2019 – bitte vormerken !

Für eingeschriebene Studenten und Gaststudenten

EINLADUNG – SPEZIAL

Vortrag und Diskussion.

Theologie am Abend am 5. Oktober mit Dr. Norbert Feinendegen, Bonn. Vortrag über C. S. Lewis intellektuellen Werdegang und seine heutige Aktualität.

Theologie am Abend am 5. Oktober mit Dr. Norbert Feinendegen, Bonn. Vortrag über C. S. Lewis intellektuellen Werdegang und seine heutige Aktualität. Die von Dr. Feinendegen übertragenen Lewis-Texte ins Deutsche sind kürzlich erschienen im Fontis-Verlag und werden vorgestellt. https://www.fontis-shop.de/Durchblicke.